Repetitorium Grundkurs Musik SS 2003

Musik des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart - Musik und Sprache
Personen: fett - Hörbeispiele unterstrichen - wichtige Begriffe in " "


07.01.2003
"Zweite Wiener Schule": Schülerkreis um Arnold Schönberg zwischen 1903 und 1911, besonders Alban Berg (1885 - 1935), Anton Webern (1883 - 1945). Bergs "Klaviersonate op.1": Tonalität noch ahnbar, motivische Dichte, Quartenmelodik, übermäßige Dreiklänge etc.; "Streichquartett op.3": expressionistische Gestik im atonalen Raum; die Oper "Wozzeck": Vertonung des dramatischen Fragments "Woyzeck" von Georg Büchner (1813 - 1837); Bergs Haltung zur 12-Ton-Technik: Suche nach Grundreihen mit tonalen Bezügen, Reihen als kodifizierter Text, "Lyrische Suite für Streichquartett (1925)": Suche nach "unerhörten" (obertonreichen) Klängen mit extremen Spieltechniken wie "sul ponticello", "col legno battuto" etc. (vgl. aktuelle elektronische Klangmanipulationsverfahren); "Violinkonzert (1935)": biografischer Hintergrund ("dem Andenken eines Engels"), Quintenthema des 1. Satzes

14.01.2003
Tonalität, kompositorische Mittel (Chromatik, Ganztonleitern, übermäßige Dreiklänge, Quartenmotivik) und motivische Arbeit in Alban Bergs Sonate op. 1, Zitat des Bach-Chorals "Es ist genug" im 2. Satz des Violinkonzerts, Vorbild künftiger "Collagen"-Techniken; die Bedeutung J. S. Bachs für das Denken der "zweiten Wiener Schule", das "Musikalische Opfer", Entstehungsgeschichte, kontrapunktische Verfahren, das 6-stimmige Ricercare; Anton Weberns Instrumentation dieser Vorlage, Weiterentwicklung der Schönberg'schen Idee der "Klangfarbenmelodie"; das B-A-C-H-Motiv und Weberns 12-Ton-Reihen, höchste Verdichtung und Konzentration der einzelnen Linien, 2. Satz des Streichquartetts op. 28: Reduktion der Rhythmik zugunsten transparenter Stimmführung, Oktavspreizung

21.01.2003
Anton Webern: Kürze, verdichtete Strukturen, "Variationen für Klavier op.27", Einfluß der Goethe'schen Naturbetrachtung, "Urpflanze"; "Passacaglia" aus der tonalen Phase; Biografie; Nachwirkung: Vaterfigur der "Neuen Musik"; Olivier Messiaen (1908 - 1992), Biografisches, Entstehung und Gehalt des "Quatour pour la fin du temps", serielle Elemente, Vogelstimmen, indische Rhythmen im 1. Satz: "Liturgie de cristal"

28.01.2003
Olivier Messiaen: Ornithologie, frühere Adaptionen des Vogelgesangs in der Kunstmusik, Reihenbildung für unterschiedliche Klangparameter, Strukturen aus überlagerten Reihen, Patterns, körperlose Klänge durch "Flageolett"-Technik und "Ondes-Martenot"; Bilder kosmischer Bewegungsabläufe, Planetenmodell des Johannes Kepler, die "Kristallsphäre"; "Quatour pour la fin du temps", 6. Satz: "Danse de la fureur...": unisono, Gregorianik als Wurzel, Pulsationsmetrik, indische Rhythmen als Vorbild, Vergrößerung und Verkleinerung rhythmischer Muster; Messiaen in der Debussy-Tradition: "Les sons impalpables du rêve" aus "Préludes"; die Stilvielfalt der "Turangalîla-Symphonie" (1949): 1. Satz "Introduction"

11.02.2003
Messiaen: "Turangalîla-Symphonie": 5. Satz "Joie du sang des étoiles", nichtlineares Beziehungsgeflecht der 10 Sätze, zur Rezeption, "Oiseaux exotiques" (1956), "style oiseau", weitere programmatische Werktitel: "Couleurs de la cité céleste", "Chronochromie", "Et expecto resurrectionem mortuorum", Oper "Saint François d'Assise" (1975 - 1983); Grundsätzliches zur Musik nach 1950: Probleme der kulturpolitischen Standortbestimmung, Erweiterung des traditionellen Werkbegriffs (Konsequenzen für die gegenwärtige Produktion), Serialismus als Grundlage, Anfänge der elektronischen Musik; Zentren der "Neuen Musik": Darmstädter Ferienkurse, Donaueschinger Musiktage; Messiaen als Lehrer am Conservatoire in Paris, Pierre Boulez (* 1925) "Zweite Sonate für Klavier" (1948): 1. Satz "Extrêmement rapide"

18.02.2003
Boulez "Le Marteau sans Maître" nach Texten von René Char (1907 - 1987) für Kammerensemble, Struktur, Klangsinnlichkeit und Virtuosität; Spiegel-Gespräch vom November 1999: Rebellion gegen das kulturelle Establishment, Dirigententätigkeit, Centre Pompidou in Paris und IRCAM (= "Institut de Recherche et de Coordination Acoustique-Musique"), Bayreuth-Erfahrung, Verhältnis zur Musik von Richard Strauss (1864 - 1949), Zusammenarbeit mit dem experimentellen Rockmusiker Frank Zappa (* 1940) in 80er Jahren ("The Girl in the Magnesium Dress"), "Les Percussions du Strassbourg"; zur Soziologie der Neuen Musik, Hörerverhalten, Verantwortung des Interpreten, Zukunft der Neuen Musik; György Ligeti (* 1923) "Athmosphères" (1961), Clustertechnick, "Mikropolyphonie"

25.02.2003
Ligetis "Continuum" für Cembalo (1968): Phänomene einer erweiterten Zeitwahrnehmung, verschiedene Pulsationsebenen, Spiel mit der Leistungsgrenze des Interpreten, Grundlage des "Minimalismus"; Karlheinz Stockhausen (* 1928) "Kontakte" (1959); Partiturbilder "Zyklus für einen Schlagzeuger", "Klavierstück I"; Pionier der Elektronischen Musik: Apparaturen und Produktionsmöglichkeiten der 50er Jahre, Abgrenzung der reinen Klangsynthese gegen die französische "musique concréte" Pierre Schaeffers, Studio des Westdeutschen Rundfunks Köln (WDR), das "Kugelauditorium" der Weltausstellung in Osaka 1970; Opernprojekt "Licht", Selbstpräsentation und unternehmerische Existenz

25.03.2003
John Cage (1912 - 1992) "Streichquartett" (1950), Abkehr von europäischen Traditionen, Buddhismus, westlicher und östlicher Zeitbegriff (final, zirkular), Zufall in westlichem und östlichem Verständnis, "Butterflywing-Theory"; die Suche nach unerhörten Klängen; "The Perilous Night" (1944) für präpariertes Klavier, Technik der Präparierung; "I Ging" als Kompositionswerkzeug; Reaktionen in Europa; Steve Reich (* 1936) frühe Tonbandstücke, Einfluss der musique concréte, Einflüsse indonesischer und afrikanischer Musik, Oratorium "The Desert Music" (1984), Komposition mit "patterns", "Minimalismus", Nähe und Abgrenzung zur Popmusik

01.04.2003
Sprache und Musik - zur Geschichte der Messe: liturgische Ursprünge in der Spätantike, "gregorianischer Choral", die Reform Papst Gregors des Großen (Amtszeit 590 - 604); die Form der Messe, "Ordinarium" und "Proprium", Ausführung, Räume, gesellschaftliche Bedeutung, lateinische Form, 3-Teiligkeit des "Kyrie", Zahlensymbolik; gregorianisches Kyrie, "Neumen", "Choralschrift"; Kyrie der "Messe de Nostre Dame" des Guillaume de Machaut (~1300 - 1377): erste vollständige, vierstimmige Vertonung des Ordinarium Missae, Paris des 14. Jahrhunderts, "Hoquetus"-Technik, "Isorhythmie", "Cantus firmus" (c.f.); Kyrie der "Missa 'Se la face ay pale'" von Guillaume Dufay (1400 - 1474): "Parodie"-Verfahren, colorierte N otation, Stimmbücher; englische Klanglichkeit: Kyrie der "Mass for five Voices" des William Byrd (1543 - 1623)

08.04.2003
zur Entwicklung der Instrumentalmusik; Johann Sebastian Bach "Messe in h-moll", Kyrie, Verselbständigung der Form, Stil, Umfang, Hintergründe der Entstehung; "Quoniam tu solus sanctus" aus Ludwig van Beethovens "Missa solemnis", Sonderstellung, Anforderungen an die Gesangstechnik; Messe als funktionale Musik im 18. Jahrhundert, Tendenzen der Verselbständigung in Mozarts c-moll-Messe; zur Form des "Requiems": Introitus "Requiem aeternam..." und Sequenz "Dies irae...", Vertonungen im Zeitstil: Gabriel Fauré (1845 - 1924) "Messe de Requiem" op. 48, Sanctus; wichtige Requiem-Vertonungen von Mozart, Hector Berlioz (1803 - 1869) und Giuseppe Verdi (1813 - 1901); Zur Geschichte der Passionsvertonungen: ursprünglich Dramatisierung des Evangelientextes, Rezitationstöne; "motettische Passion": "Johannes-Passion" von Leonhard Lechner (~ 1553 - 1606); "responsoriale Passion": Heinrich Schütz (1585 - 1672) "Johannespassion"; zur Pflege der Bach'schen Passionen im aktuellen Kulturleben

06.05.2003
Anfänge der Oper, Claudio Monteverdi (1567 - 1643), geistliche Oper, der Gegensatz von liturgischer Musik und Oper; der Don-Juan-Stoff, Vergleich mit Faust-Stoff; Inhalt von W. A. Mozarts (1756 - 1791) "dramma giocoso" "Don Giovanni", Spiegel der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, der Textdichter Lorenzo da Ponte (1749 - 1838), Selbstfindung durch Grenzerfahrung, Gegensatz von Komödie und Tragödie, beide Elemente in der Ouvertüre, die Bedeutung standardisierter Formen (Sonatensatz, langsame Einleitung, Rondo etc.); die "Registerarie"; dramaturgische Modelle, die Personen des "Don Giovanni" und das Buffo-Schema; Verhältnis von Sprache und Musik in "La ci darem la mano"

03.06.2003
Mozarts Kunst des differenzierten musikalischen Seelengemäldes: "Don Giovanni" - Zerlina, reine Lebenskraft ("Fin ch'han dal vino"), Arie der Donna Anna "Non mi dir, bell' idol mio", die Schlußszene: metrische Konzeption, Melodik des Komtur, Chor; "Le Nozze di Figaro" - Inhalt, historischer Kontext, Charakter der Gräfin, Arie "Dove sono i bei momenti", Umgang mit klassischen Formen, Abweichungen, Phrasenbildung, Gründe der Asymmetrien, Dur-Moll-Wechsel, Instrumentation

24.06.2003
Zum Verhältnis von Sprache und Musik in der Gattung des Kunstliedes, Betrachtungsebenen: Melodik, Rhythmik, Begleitung, Form; "Strophenlied", "variiertes Strophenlied", "durchkomponiertes Lied"; Franz Schuberts (1797 - 1828) Liedschaffen, der "Erlkönig", Verhältnis zu Goethe, musikalische Elemente, Liederzyklen; Robert Schumanns (1810 - 1856) Eichendorff-Liederkreis, Verdienste um Schuberts Nachlass, "Zwielicht": Text, Gliederung, satztechnische Analogien zum poetischen Gehalt, Heterophonie; Dietrich Fischer-Dieskau als Kammersänger

01.07.2003
Carl Loewe (1796 - 1869) und die musikalische Ballade, "Edward" (nach Johann Gottfried Herder); das Liedschaffen von Hugo Wolf (1860 - 1903), "Auf einer Wanderung" aus "Mörike-Lieder", orchestraler Klaviersatz, Bezug zu Wagner, harmonischer Reichtum, Deklamation der Singstimme