Repetitorium Grundkurs Musik SS 2006

Musik des 17. bis 19. Jahrhunderts
Personen: fett - Hörbeispiele unterstrichen - wichtige Begriffe in " "


17.01.2006
Das Jahr 1600 als Wendepunkt in der europäischen Musikgeschichte; Claudio Monteverdi (1567 - 1643) Madrigal "Se vittorie sì belle": weltliche Inhalte, das "konzertierende Prinzip", die neue "monodische Form", die Barockzeit als "Generalbaßzeitalter", Instrumentalbesetzungen, Vokalstile; zur Entstehung der Oper, die Rolle der oberitalienischen Fürstenhöfe als Kunstzentren und Stätten des Humanismus, der "Orpheus"-Stoff und der antike "musica"-Begriff, "Toccata" und "Prolog der Musica" (die englische Barocksängerin Emma Kirkby), zum Klangideal des Barock; Monteverdis "Marienvesper" (Responsorium "Domine in adjuvandum …", Antiphon, Psalmus 109 "Dixit Dominus", Concerto "Nigra sum") als epochenverbindendes Werk: "stile antico" ("prima prattica") und "stile moderno" ("seconda prattica"); die "Alte-Musik-Bewegung" im 20. Jahrhundert

24.01.2006
Humanismus und Oper; Monteverdis "Marienvesper" (Sonata sopra "Sancta Maria, ora pro nobis"): barocke "Sonata" und klassische Sonate, Aufstieg der Instrumentalmusik, von der antiken "Tetraktys" zum "Senarius", Faszination des reinen Klangs, das Verhältnis von Sprache und Musik als Stilkriterium; zur liturgischen Stellung von "Vesper" und "Magnificat"; Generalbaßpraxis, Bezifferung, Freiräume zur Improvisation, Vergleich mit dem Schriftbild des "Lead-Sheet"; Nicolaus Harnoncourt und die "historische Aufführungspraxis"; Heinrich Schütz (1585 - 1672) doppelchörige Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied" (Psalm 98 - Dresdner Kreuzchor): Anfänge einer deutschen Musikgeschichte, Einflüsse Monteverdis und der venezianischen Mehrchörigkeit (besonders Giovanni Gabrieli)

31.01.2006
Schütz "Italienische Madrigale" - "O primavera, gioventù de'l anno", Biografisches, Dresden: "Florenz des Nordens", erzwungene Beschränkungen durch den Dreißigjährigen Krieg, Bildnisse; zum Begriff des musikalischen Barock: Weiterentwicklung der boethianischen "musica"-Vorstellungen, Johannes Keplers (1571 - 1630) konkretisierter Pythagoreismus: kosmische Musiktheorie und Planetenmelodien in den "Harmonices mundi" (5 Bücher, 1619); neue Tonartenvielfalt, Andreas Werckmeister (1645 - 1706) und die Entwicklung der temperierten Stimmung; konzertanter und kontrapunktischer Stil; "musica poetica": "Musik als Klangrede" (Harnoncourt), Orientierung an antiker Rhetorik (Quintilian), ca. 150 Figuren; Affektenlehre, Subjektivismus und Stilisierung des Ausdrucks, 6 Grundformen bei René Descartes

14.02.2006
zu den Kepler'schen Planetenmelodien: Robert Walker's dynamic version of the Solar System (Download mp3 - ca. 5MB); Giovanni Gabrieli (1557 - 1613) "Sonata pian e forte", "coro-spezzato"-Technik; Übernahme dieser Stilelemente im Norden: Michael Praetorius (1571 - 1621) z. B. "Musarum Sioniarum motectae et psalmi latini", Samuel Scheidt (1587 - 1654), Johann Hermann Schein (1586 - 1630), Schütz "Freue dich des Weibes deiner Jugend" (Konzert für 6 Stimmen), "Musikalische Exequien", der Dienstherr Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (Regierunszeit 1611 - 1656), zur Aufführungspraxis mehrchöriger Kompositionen in der Dresdner Hofkapelle, Kontinuität des alten Stils; J. S. Bach über das Wesen des Generalbaß

07.03.2006
Die Fuge als zentrale Gattung der Barockzeit, Ricercar als Vorläufer, Etymologie; Johann Sebastian Bachs (1685 - 1750) "Wohltemperiertes Klavier" (WK), die Stimmungstheorien Andreas Werckmeisters (1645 - 1706) und Johann Philipp Kirnbergers (1721 - 1783) als Voraussetzung, die Systematik der beiden Bände; aus Band I: Präludien und Fugen in cis-moll und d-moll (Glenn Gould, Klavier); zur Bach'schen Biografie: Stationen, Personen, die Huldigung des Johann Matthias Gesner, sein Charakter, die Handschrift, das Selbstverständnis eines barocken Komponisten; Bach's Söhne; zur Technik der Fuge: das "Thema" als Keimzelle aus verschiedenen "Motiven" gebildet, "Dux" und "Comes", die "Fugenexposition", weitere "Themendurchführungen", "Engführung" des Themas, der "Kontrapunkt", Logik und Konsequenz der Form

14.03.2006
Bachs Präludien und Fugen in d-moll und c-moll (Glenn Gould, Klavier): "Durchführungen" und "Zwischenspiele", "Umkehrungen", "Orgelpunkt", "Picardische Terz", Stimmvervielfachungen, "Sequenzen", Kontrapunkt: frei, gebunden, doppelt, mehrfach; "tonale" und "reale" Beantwortung des Themas; Phantasie und Strenge der motivischen Beziehungen, das "Mathematische" in Bachs Musik; unterschiedliche Konzeptionen der Bach'schen Fugen, Goethes Einschätzung des Wohltemperierten Klaviers; Niveau barocker Instrumentalimprovisationen

21.03.2006
Formkonzepte von Fugen, Bachs Fantasie und Fuge in g-moll für Orgel, BWV 542, die Orgelwerke allgemein, zur Kunst des Orgelspiels und der Orgelimprovisation, gegenwärtige Situation; die große Form der Fuge in den oratorischen Werken: "Kyrie" aus der "h-moll Messe"; die "Kunst der Fuge": Rekonstruktionsprobleme, Gesamtanlage, spekulativer Charakter, Gipfelpunkt kontrapunktischer Möglichkeiten, Contrapunctus 1, Canon III alla decima, Affekt und Zahl, Hans-Eberhard Dentler: "Bachs Kunst der Fuge - ein pythagoreisches Werk und seine Verwirklichung", die Rolle der "Mizler'schen Sozietät"; "The Classical Music Archives" als Studienquelle

28.03.2006
Bachs "Quadrupelfuge" aus der "Kunst der Fuge", BWV 1080, barocke Rhetorik: Figur, Symbol, Allegorie, Bedeutung der Zahl, zur Rhetorik des B-A-C-H-Motivs; Bachs "Ricercare a 3", Canones "per tonos", "per augmentationem" und "contrario motu" aus dem "Musikalischen Opfer", BWV 1079: Umstände der Entstehung, das "Thema regium", Widmung, Grenzen des diatonischen Tonsystems, Komplexität der kontrapunktischen Anlage; Bachs "Goldberg-Variationen", BWV 988 (Glenn Gould-Video)

02.05.2006
Aspekte der Fugentechnik seit der Klassik bis zur Gegenwart: W. A. Mozarts (1756 - 1791) Bach-Erlebnis, polyphone Strukturen im letzten Satz der "Jupiter-Symphonie" (Nr.41, C-Dur, KV 551); Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) und die Fuge: Suche nach Erweiterung des klassischen Formenkanons, letzter Satz der Sonate Nr.29 in B-Dur für das Hammerklavier op.106 (Glenn Gould), besondere Gestalt des Themas, veränderte Gestik in der Krebsform (aktuell: "reverse sounds"), technische Anforderungen, merkwürdige Gesamtform; die "große Fuge B-Dur für Streichquartett op.133", Ausmaße, Entstehungsgeschichte; die Fächerfuge in Bela Bartoks (1881 - 1945) "Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta": tonales Konzept, Struktur des Themas und Gesamtform, organische Prinzipien, Vorahnung des Phänomens der selbstähnlichen Strukturen

09.05.2006
die klassische Sonatensatzform am Beispiel von Joseph Haydns (1732 - 1809) Klaviersonate in D-Dur (Hob. XVI:37), 1. Satz "Allegro con brio": "Themendualismus", Prinzip der Entwicklung, harmonische, motivische, formale Analyse, Einflüsse Domenico Scarlattis (1685 - 1757), Durchführungstechniken, Methoden der Dramatisierung

16.05.2006
die klassische Sonatensatzform vor dem Hintergrund der idealistischen Philosophie, W. A. Mozarts Symphonie Nr.33 in B-Dur (KV 319), 1. Satz, klassische Musik und sozialistische Ideologie, L. v. Beethovens Symphonie Nr.6 in F-Dur ("Pastorale"), 1. Satz ("Erwachen heiterer Gefühle ..."): Betonung des Entwicklungsprinzips, 4. Satz ("Gewitter, Sturm"): motivische Arbeit und poetische Idee, Dramaturgie, Instrumentation, Ansätze zur Auflösung der zyklischen Form, Quelle der späteren "Programmmusik"

23.05.2006
Grundsätzliches zur musikalischen Ästhetik von Klassik und Romantik, idealistisches bei L. v. Beethoven und Friedrich Schiller; Ausweitung des Entwicklungsgedankens beim Übergang zur Romantik, französische Wurzeln der "Programmmusik": Hector Berlioz's (1803 - 1869) "Symphonie fantastique", "idée fixe", die Sequenz "Dies irae" des Thomas von Celano (13. Jahrhundert) als Zitat, Besonderheiten der Instrumentation

30.05.2006
"Programmmusik" und "absolute Musik" als Pole der Symphonik nach Beethoven, historisch-politische Hintergründe; Franz Schuberts (1797 - 1828) Symphonie Nr.8 in h-moll, "die Unvollendete", 1. Satz: Äußeres Festhalten an den Formprinzipien der Klassik, innere Abkehr von den Prinzipien der Finalität und Dialektik, neue Aspekte der Entwicklung, reine Klangenergie anstelle klar umrissener Motive, Aufbau der Themen im Gegensatz zur klassischen Periodik, Schuberts Tiefe, die "himmlischen Längen" (Schumann), die "große C-Dur-Symphonie", 1. Satz (Wilhelm Furtwängler, 1942)

20.06.2006
Schubert-Dokumente; Franz Liszt (1811 - 1886) "Les Préludes", Gestus, Biografisches; zum Typ des romantischen Künstlers: Robert und Clara Schumann, Johannes Brahms (1833 - 1897), die Romanfigur "Kapellmeister Kreisler" des E.T.A. Hoffmann (1776 - 1822)