Repetitorium Grundkurs Musik WS 2002/2003

Krise der tonalen Musik und neue Wege im 20. Jahrhundert
Personen: fett - Hörbeispiele unterstrichen - wichtige Begriffe in " "


24.09.2002
"Riemann-Musiklexikon", "Die Musik in Geschichte und Gegenwart" (MGG), "The Grove Dictionary"; Richard Wagner (1813 - 1883) Vorspiel zum 1. Akt des "Parsifal", Abendmahlsmotiv, Unisono und Harmonisierung; zur Biografie: Leipzig und Dresden, Wanderjahre, Dresden bis zur Revolution 1848, Exil in Zürich, München und König Ludwig II. von Bayern, Bayreuth, Festspielhaus; Beethoven als Wurzel, Beethoven als Übervater, "Musikdrama", "Gesamtkunstwerk", "Bühnenweihfestspiel", "Kunstreligion", Beziehung zu Friedrich Nietzsche

01.10.2002
Wagners romantische Opern und Musikdramen; die Stoffe: christliche Tradition mit germanischen und keltischen Einflüssen; Wagner als Textdichter; Rolle im Nationalsozialismus; Beethovens "motivisch-thematische Arbeit" und Wagners Leitmotive; Unterschiede zu Verdi; wichtige "Parsifal"-Motive; Bad des Amfortas aus dem I. Akt; Personen und Inhalt des "Parsifal": Rittertum, Kreuzzüge und Orden, Gral, Gralskönig, Gralsritter und Gralsburg, Schicksal des Amfortas, Parsifals Schuld und Erlösungstat, Los der Kundry; Wolfram von Eschenbachs (~1170 - ca. 1220) "Parzival" als Vorlage; Gesamtanlage; Verwandlungsmusik des I. Aktes, Gurnemanz: "zum Raum wird hier die Zeit", Polyphonie; Regieanweisungen und Probleme der Realisierung; Vorbilder für Gralsburg und Klingsors Zauberschloß: Dom in Siena und Palazzo Rufolo in Ravello

08.10.2002
Einfluß der "idée fixe" des Hector Berlioz (v.a. "Symphonie fantastique") auf Wagners Leitmotive; Unterschiede zwischen Leitmotiv und Motiv im Beethoven'schen Sinn; polyphone Strukturen innerhalb einzelner Motive; Instrumentalisierung des Gegensatzes von "Diatonik" und "Chromatik" für dramatische Inhalte im Parsifal; Einfluß der "klassischen Vokalpolyphonie" (Giovanni Pierluigi da Palestrina); Anfang des II. Akts: Erweckung der Kundry, Motive des Fluchs, der Qual, der Unerlöstheit; "Durch Mitleid wissend, der reine Tor": "Trugschluß" als Verwandlungssymbol; Verwandlungsmusik des III. Akts: Neuharmonisierung des Glockenmotivs; die Suche nach Erlösung als Wagner'sches Grundthema; Dimensionen konkreter Handwerklichkeit in den Partituren; Schauplatz, Personen und Inhalt von "Tristan und Isolde", Grundkonflikt

15.10.2002
Beethoven-Nachfolge in Frankreich: Berlioz; Wagners Getriebensein, Riga, Paris, Schweiz, wirtschaftliches Leben, Umstände der Entstehung des "Tristan", aus dem II. Akt: Einleitung, "Isolde! Tristan! Geliebter, ..."; romantisches Weltgefühl: Novalis "Hymnen an die Nacht", Nachtmysik, Erlösungsvorstellungen im Gegensatz zum Christentum? Arthur Schopenhauer "Die Welt als Wille und Vorstellung", Tristan-Vorspiel, hohes Energieniveau ohne Entspannungsphasen, unendliche Sehnsucht, Polyphonie chromatischer Bewegungen, "Tristan-Akkord", "unendliche Melodie" ("Meister des Übergangs"), kaum reine Dreiklänge, unaufgelöste Akkorde,  Vermeidung der Tonika, musikgeschichtliche Bedeutung: Wurzel der Neuen Musik, Tor zur Atonalität des 20. Jahrhunderts; Kunstreligion als Reaktion auf theologische Tendenzen des 19. Jahrhunderts: Bibelkritik, Atheismus

05.11.2002
Welt als Klang: altindische Vorstellungen bei Schopenhauer und Wagner; Novalis "Hymnen an die Nacht III"; Romantik als Gegenbewegung zur Aufklärung, Grundphänomene: Dämmerung und Dunkel, Übergang und Unendlichkeit, Entgrenzung, Befreiung vom Bewußtsein, "ertrinken..., unbewußt, höchste Lust", reaktionäres Potential der Romantik; Wagners Dichtungen: Opern-Texte, Aufsätze, Essays; Tristan II. Akt "Sink hernieder, Nacht der Liebe", As-Tonalität, verunklarender Grundrhythmus, vorwegnehmende musikalische Gestaltung, III. Akt Ende "Liebestod"; Wagner-Stammbaum und Nachkommen: die Bülow-Tragödie, Siegfried Wagner als Wahrer des Erbes, Nationalismus und Rassismus bei Chamberlain und Winifred Wagner, Reformen und Neuansätze bei Wieland Wagner, gegenwärtiges Bayreuth unter Wolfgang Wagner

12.11.2002
Entstehung, Höhepunkt und Krise der "harmonischen Tonalität", Hugo Riemann. Abkehr vom Ideal der "reinen Stimmung", Konsequenzen der "temperierten Stimmung": "freie Atonalität", "Distanzprinzip", "Polytonalität". Die Rolle Igor Strawinskis. Claude Debussy (1862 - 1918): Biografisches, von der Wagner-Nachfolge zur Formulierung des eigenen Weges, die Oper "Pelléas und Mélisande", Atmosphäre, Inhalt, Personen, mythologische Quellen, Einleitung und 1. Szene (Golaud und Melisande), Maurice Maeterlinck (1862 - 1949), "Symbolismus", Bedeutung des geschichtlichen Kontexts, Parallelen zu "Tristan", Unterschiede, Sprachbehandlung in den Singstimmen, schwebende Klangflächen gegenüber chromatisierter Polyphonie

19.11.2002
Harmonische Tonalität: Funktionalität, Kadenzbeziehung, Stimmführungsregeln; Unterschiede in der Bewertung des Dunklen im "Tristan" (Verheißung höchster Intensität) und "Pelléas" (Abkehr von der Romantik, Undurchschaubarkeit und Düsternis des menschlichen Daseins); Debussy's Abwendung von der deutschen Tradition, Einflüsse neben Wagner: Modest Mussorgski (1839 - 1881), balinesisches "Gamelanorchester"; musikalische Technik: "Modalität" (Verwendung von "Kirchentonarten"), "Ganztonleiter", "Pentatoniken", Parallelverschiebung von Akkorden ("Mixturen"), Farbwirkungen durch funktionsfreie Verbindung dissonanter Akkorde. Debussy alias "Monsieur Croche" zur Entstehung des "Pelléas", zum Verhältnis zur deutschen Musik. Debussy's musikdramatisches Ideal und der neuere französische Film (u.a. Eric Rhomer, Jean Luc Godard, François Truffaut), Debussy's Bedeutung für die französische Musik des 20. Jahrhunderts

26.11.2002
Kirchentonarten und funktionale Harmonik; Arnold Schönberg (1874 - 1951): Biografisches, Emigration 1933, 3 Schaffensphasen, Impressionismus - Expressionismus, Überwindung des Wagner-Brahms-Gegensatzes, Symphonische Dichtung "Pelléas und Mélisande" nach Maeterlinck, Streichsextett "Verklärte Nacht" op.4 (1899), Richard Dehmel, "Emanzipation der Dissonanz", Freundschaft mit dem Maler Wassily Kandinsky (1866 - 1944)

03.12.2002
Schönbergs "Klangfarbenmelodie": Partitur zu "Farben" aus "5 Orchesterstücke op.16", Besetzung gegenüber dem klassischen Orchester, Zurücktreten melodischer Aspekte zugunsten reiner Klangbewegung; Expressionismus und Atonalität, "6 kleine Klavierstücke op.19", Vermeidung als Prinzip, radikale Suche nach der Unmittelbarkeit des Ausdrucks, Grunderfahrung der Angst; "Kammersymphonie op.9" an der Schwelle zur Atonalität: Virtuosität der Einzelstimmen, eröffnende Quartenkette des Horns als tonalitätssprengendes Element; "... sich auch mit den fernerliegenden Obertönen vertraut machen ...": Exkurs zur Geschichte des Konsonanz-Dissonanz-Begriffs. "Zwölftontechnik" als Ausweg: Versuch der Entwicklung neuer tragfähiger Formen, Konsequenzen des temperierten Systems, "Grundreihe", "Gestaltsänderungen", "Transpositionen"