Repetitorium Grundkurs Musik WS 2003/2004

Grundlagen europäischer Musikkultur
Personen: fett - Hörbeispiele unterstrichen - wichtige Begriffe in " "


16.09.2003
Arbeitsmittel: "dtv-Atlas zur Musik", "Riemann-Musiklexikon" (RieL), "die Musik in Geschichte und Gegenwart" (MGG). Der europäische Musikbegriff als umfassende Weltsicht: Athanasius Kircher (1601 - 1680) "Musurgia universalis" (1650) - Universalgelehrter des Barock, "musica", Pythagoras und die Schmiede, Physiologie des Ohres und der Stimme, Vogelstimmen, Musikphilologie, harmonische Systeme, Stimmungssysteme und Tastaturmodelle, mechanische Musik, MIDI-System, Gebäude-Akustik, Kircher als Jesuit: Kirche und Naturwissenschaft

23.09.2003
die griechische "musiké": Ganzheitlichkeit, die Musen, Apoll und Dionysos; die Heilige Cäcilia in christlicher Tradition; Darstellungen des Raffael ("der Parnass", "die Schule von Athen", "die Hl. Cäcilia"); antike Musiktheorie: Pythagoras (582 - ~496 v.Chr.), Einflüsse, Legenden, Bedeutung der Zahl, Begründung der Wissenschaft, Zahl und Ton, Zahl und Intervall, Verhältnis von Saitenlänge und Tonhöhe; Weiterführung durch Platon (427 - 347 v.Chr.); das pythagoräische System: Obertonreihe, Quintenkette, gebrochene Quintenkette, Ableitungen; Gegenansatz des Aristoxenos (~354 - ~300 v.Chr.): Primat der Wahrnehmung

30.09.2003
Apollinisches und Dionysisches Prinzip: Pan, Satyrn, Mänaden, Tod des Orpheus; Tonsysteme als kulturhistorische Phänomene; Intervall als Verhältnis ganzer Zahlen, Monochord; Intervallberechnung; die Oktavreihe als Reihe von Zweierpotenzen, Bedeutung der Primzahlen; Cent-Messung und menschliche Hörschwelle, das pythagoräische Komma, Pythagoras und die irrationale Zahlen; das Prinzip der temperierten Stimmung, Andreas Werckmeister (1645 - 1706), temperierter und reiner Halbton, Problematik der Temperatur

07.10.2003
Mamoru Fujieda (*1955) "Patterns of Plants", pythagoräische Elemente in der Musik der Gegenwart; reine Stimmung und ganzheitliches Weltbild, anderes Zahlenverständnis der Antike; pythagoräische Oktavteilung (6 : 8 : 9 : 12), Darstellung, Vielfalt unterschiedlicher Intervalle in der reinen Stimmung gegenüber normierten Intervallen in der Temperatur, Vergleich "großer Ganzton" (9 : 8) und "kleiner Ganzton" (10 : 9), Schwebungen; Vokalmusik und reine Stimmung, Antoine Brumel (~1460 - ~1520) Kyrie aus der 12-stimmigen "Missa Ecce terrae motus", Tallis-Scholars, Tradition des englischen Ensemblegesangs

14.10.2003
Legenden zur Musik aus der chinesischen Frühzeit, Analogien zu europäischen Vorstellungen; Harmonie und Architektur in der Antike; Übertragung des antiken Musikbegriffs auf Mittelalter und Renaissance: Heiliger Augustinus (354 - 430) "De musica"; Boethius (~480 - 524) und die Begriffe "musica mundana", "musica humana", "musica instrumentalis"; Papst Gregor der Große (Amtszeit 590 - 604); Die Universität von Paris als Zentrum des mittelalterlichen Platonismus, Hugo von St. Victor (~1100) "de musica triplici": medizinische und psychologische Aspekte, untergeordnete Stellung der praktizierten Musik; "musica" im Fächerkanon der "septem artes liberales"; Entstehung der abendländischen Mehrstimmigkeit, Perotinus Magnus (~1200) "Viderunt omnes", "Organum", Oktav-, Quint-, Quartklänge über gedehntem "gregorianischem Choral"; der "Genter Altar" (1432) des Jan van Eyck, daraus "singende Engel", Dokument zur Aufführungspraxis; Pythagoräismus als Tradition im Humanismus: der Musiktheoretiker Franchinus Gaffurius (1451 - 1522), der Humanist und Mathematiker Luca Pacioli (~1445 - 1514);

21.10.2003
Bilddarstellung der Musica, Weltbild und Menschenbild im Mittelalter: Säftelehre ("humores"); Gliederung des Wissens: "Trivium" und "Quadrivium"; Formelemente des gregorianischen Chorals, "Psalmton", "melismatischer" Gesang (z.Bsp. "Alleluja"), "syllabischer" Gesang ("Hymnus", "Sequenz" etc.), Antiphon "Hosanna filio David", Neumen, Entstehung der Liniennotation, Entwicklung des spezifisch europäischen Tonraumbewußtseins; Gioseffo Zarlino (1517 - 1590) und die Erweiterung des Konsonanzbegriffs; Josquin Desprez (1440 - 1521) "Agnus Dei" aus "Missa 'L'homme armé'": Proportionskanon

04.11.2003
Musik in der Epoche der Renaissance (15. und 16. Jahrhundert): Komponistengenerationen, geographische und historische Situation, "oltramontani", "franko-flämische Musik", Erbe der Antike, Platons Dialog "Timaios"; Guillaume Dufay (1400 - 1474) Chanson "Se la face ay pale", Lebensstationen, Musikerexistenz und geistlicher Stand, europäischer Impuls, Kyrie aus "Missa 'Se la face ay pale'", die Teile der Messe, "Parodiemesse", "Cantus-firmus-Messe", Gattungen der Vokalmusik: "Messe", "Motettte", "Chanson", "Lied" etc.; Anfänge der "Mensuralnotation", Handschriften, Stimmbuchnotation, Aufführungspraxis, Komplexität der mehrstimmigen Komposition

11.11.2003
Renaissance, Humanismus, Reformation; Ursprünge an den Höfen Oberitaliens, die Rolle Nürnbergs; Josquin Desprez (1440 - 1521), Lebensstationen, Höhepunkt der "niederländischen Vokalpolyphonie", sechsstimmige Motette "Praeter rerum seriem" nach mittelalterlichem Marienlied (King's Singers), Anfänge der Ausdruckskunst, Bedeutung für Luther; Vokalbesetzungen: Knabenstimmen, "Contratenöre", "Kastraten"; Notendruck: Ottaviano Petrucci in Venedig, Johannes Petrejus in Nürnberg, Pierre Attaignant in Paris u.a., "Notenstich" und moderner Notensatz; Orlando di Lasso (1532 - 1594), Lebensweg, "Magnificat 'Praeter rerum seriem'", "Homophonie" als neue klangorientierte Satztechnik, Instrumente, die Münchener Hofkapelle

18.11.2003
Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 - 1594) Kyrie aus "Missa brevis": Gliederung, "Soggetto", "Durchimitation" (Unterschied zum Kanon), Einsatztöne, Emanzipation der Terz (Zarlino), "Augmentation" und "Diminution", Reformation und Gegenreformation, das Tridentiner Konzil, Forderung nach Textverständlichkeit, Kyrie der sechsstimmigen "Missa Papae Marcelli", Peterskirche in Rom; Stile des Notendrucks der Renaissance, Tabulaturen; Josquins 24-stimmige Kanonmotette "Qui habitat in adjutorio altissimi", Giovanni Gabrieli (1557 - 1613) und die venezianische Mehrchörigkeit, Kirche San Marco

25.11.2003
Claudio Monteverdi (1567 - 1643) Toccata zur Oper "Orfeo": neue Wahrnehmung von Klanglichkeit, das barocke Instrumentarium, barocke Musikästhetik, historische Aufführungspraxis (Nikolaus Harnoncourt, Emma Kirkby), der Orpheus-Mythos, Prolog der "Musica", "Monodie", "Generalbass", improvisatorische Freiheiten; Jacopo Peri (1561 - 1633) und die Entstehung der Oper in Florenz; Monteverdis virtuose Madrigalkunst: "Lamento d'Arianna", "Se vittorie sì belle"

02.12.2003
Monteverdis "Vespro della Beata Vergine" (1610): Responsorium "Domine ad adjuvandum…" (Übernahme Orfeo-Toccata), "prima prattica" (Kontrapunkt, Polyphonie, alter Stil) und "seconda prattica" (konzertanter Stil, ausdrucksbezogen, Affektdarstellung); die Vesper im Kontext der mönchischen Stundengebete, "Magnificat"; Verbindung unterschiedlicher Stile; Heinrich Schütz (1585 - 1672) doppelchörige Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied" (Psalm 98), Biografisches, Begründung der Tradition der evangelischen Kirchenmusik, der Hof in Dresden, Rückzug auf kleine Besetzungen durch die Wirren des 30-jährigen Kriegs: "kleine geistliche Konzerte", "musica poetica", Musik, Glaube, Predigt; die Tradition der Knabenchöre: Thomaner in Leipzig, Dresdner Kreuzchor, Hans Thamm und der Windsbacher Knabenchor

09.12.2003
die "Fuge" als zentrale Gattung des Barock; Johann Sebastian Bachs (1685 - 1750) "Wohltemperiertes Klavier": Gesamtanlage, Bedeutung für Klavierliteratur, Präludium und Fuge c-moll (Glenn Gould 1932 - 1982), das "Thema" (Binnenstruktur, "Dux", "Comes"), "Exposition", "Durchführung", tonale und räumliche Gesamtdisposition, "Kontrapunkt", "Zwischenspiele", innere Logik, Ableitung aller Gedanken aus einem Grundprinzip