Repetitorium Grundkurs Musik WS 2006/2007

Krise der tonalen Musik und neue Wege im 20. Jahrhundert
Personen: fett - Hörbeispiele unterstrichen - wichtige Begriffe in " "


19.09.2006
Arbeitsmittel: "dtv-Atlas zur Musik", "Riemann-Musiklexikon" (RieL), "die Musik in Geschichte und Gegenwart" (MGG), öffentliche Bibliotheken, "wikipedia".
Richard Wagner (1813 - 1883): "Parsifal" und "Tristan und Isolde" als Schlüsselwerke für die Tonsprache des 20. Jahrhunderts; Wolfram von Eschenbachs (~1170 - ca. 1220) "Parzival" als Vorlage; aus dem V. Buch: Parzivals Ankunft beim Fischerkönig; Gralsmythen keltisch, christlich; Parsifal-Vorspiel: musikalische Anleihen beim "gregorianischen Choral"; Amfortas am See; Handlung und dramatische Konzeption, die einzelnen Personen, wichtige Motive, Hector Berlioz' "idée fixe" und Wagners "Leitmotive", die motivisch-thematische Arbeit Beethovens als Wurzel

26.09.2006
Richard Wagner: Biografisches, Schaffensphasen und Werkgruppen, Ludwig II. von Bayern, Bayreuth, Gegensatz zu Giuseppe Verdi; Sprache und Dichtung, Schriften; von der "romantischen Oper" zum "Musikdrama", "Gesamtkunstwerk", die vier Tage des "Ring", "Parsifal" als "Bühnenweihfestspiel", zur "Kunstreligion" im ausgehenden 19. Jahrhundert; formales Konzept des "Parsifal": Symmetrie, Verwandlung; "Meister des Übergangs"; Verwandlungsmusik des I. Aktes, visionärer Impuls: "zum Raum wird hier die Zeit"; die Polyphonie des Wagner'schen Orchesters als umfassendes mythologisches Psychogramm; Anfang des II. Aktes: Welt des Klingsor, zur Gestalt der Kundry

10.10.2006
Richard Wagner "Tristan und Isolde": Stoff, Handlung, Entstehung, Werkkontext, Schweizer Exil, Mathilde Wesendonk, Hans von Bülow, Cosima Wagner; Einflüsse der Philosophen Arthur Schopenhauer (1788 - 1860) und Friedrich Nietzsche (1844 - 1900), Komplexität der Partitur; das Tristan-Vorspiel: Entsprechung von Inhalt und musikalischer Sprache, formale Anlage und Übergänge, Spannungsgrad, "unendliche Melodie", chromatisierte Melodik, Aspekte der Harmonik, "Tristan-Akkord", Tonikalosigkeit, Prototyp atonaler Musik, "Polyphonie des Unbewussten"

17.10.2006
Generalthema der europäischen Musik im 20. Jahrhundert: Krise der Tonalität; Claude Debussy (1862 - 1918) und die Musik Frankreichs, Wagner-Erlebnis, die Oper "Pelléas et Mélisande", Anfang I. Akt, zum Inhalt, Tristan-Parallelen, musikalische Form, Sprachduktus, Harmonik; Maurice Maeterlinck (1862 - 1949) und der Symbolismus; "... Voiles" aus "Préludes I" für Klavier: Tonmaterial "Ganztonleiter" und "Pentatonik", "distanzielle Strukturen" als Gegensatz zum traditionellen europäischen Tonsystem, südostasiatische Einflüsse, Spiel mit tonalen Versatzstücken, klassische motivische Arbeit; neue ästhetische Haltungen, "Impressionismus", Abgrenzung und Nähe zur Malerei, Bilder der Maler Claude Monet, Paul Cézanne, EdgarDegas, Auguste Renoir

24.10.2006
Claude Debussy "Sirénes" aus "Trois Nocturnes" (1897 - 1899) für Orchester mit Frauenchor: "Vokalisen", "akustische Skala", "Kleinterzketten" als Grundlage der Harmonik, Suche nach der Natur des Klangs; "Impressionismus" - "Expressionismus"; die "neue Wiener Schule": Arnold Schönberg (1874 - 1951), Alban Berg (1885 - 1935), Anton Webern (1883 - 1945); Grenzüberschreitung als Grundzug in Kunst und Musik des 20. Jahrhunderts, der Maler Wassily Kandinsky und die Künstlervereinigung des "Blauen Reiter": Phasen der Abstraktion, Freundschaft mit Schönberg, Angst als zentrale Geste des Expressionismus; Josef Matthias Hauer entwickelt parallel zu Schönberg dodekaphone Konzeptionen; der Maler Piet Mondrian; Schönberg als Lehrer, "Emanzipation der Dissonanz"; Grenzüberschreitung als multimediales Prinzip: Formen von Schwingungen in der digitalen Bildbearbeitung, grafische Verfahren zur Erzeugung klanglicher Prozesse

07.11.2006
Luigi Russolos (1855 - 1947) "L'arte dei rumori" und der "Futurismus"; Alexander von Zemlinsky (1872 - 1942) "Lyrische Symphonie" op.18: spätromantisches Klangbild und exzessive Orchesterbesetzung; Schönbergs Wurzeln (Brahms, Wagner), Riesenbesetzung der "Gurre-Lieder", 3 Schaffensphasen, Streichsextett "Verklärte Nacht" op.4 (1899 - nach Texten von Richard Dehmel), "drei Klavierstücke" op.11 (1909), "Kammersymphonie" op.9 (1906): völlige Offenheit der Form; die "Klangfarbenmelodie" bei Komponisten der klassischen Moderne, Schönbergs "Farben" aus "5 Orchesterstücke" op.16; Notwendigkeit und Konsequenz des Schrittes zur Atonalität; Zwölftontechnik ("Dodekaphonie") als Versuch zur Neuordnung des Tonmaterials, Verlust der Reinheit der Intervalle in der temperierten Stimmung als Voraussetzung, Entwickler neben Schönberg: Josef Matthias Hauer, russische Komponisten; Elemente und Verfahren der Zwölftontechnik: Grundform, Umkehrung, Krebs, Krebsumkehrung, Transposition; Reihendenken und moderne Musiktechnologie: Midi-Notennamen, Transformationsfunktionen

14.11.2006
"Mondestrunken" und "der kranke Mond" aus Schönbergs "Pierrot lunaire" für Stimme und Kammerensemble op.21 nach Texten von Albert Giraud: besondere Behandlung der Sing-/Sprechstimme im Dienst gesteigerten Ausdrucks; Schönberg und die deutsche Musik; Alban Berg "Streichquartett" op.3, "Lyrische Suite für Streichquartett", 1. Satz "Allegretto gioviale", 3. Satz "Allegro misterioso - Trio estatico": spezifizierte Reihentechnik, Klangfarben und Spieltechniken ("pizzicato", "col legno" geschlagen und gestrichen, "sul ponticello" (am Steg), am Griffbrett); Begrenztheit des zwölftönigen Materials? zur Mathematik der Permutation von Reihen, Reihentechnik und Distanzprinzip, russische Erfinder des dodekaphonen Prinzips; kompositorischer Umgang mit dem Reihenmaterial, Reihenschichtung, Reihenbrechung; besondere Reihen: "Allintervallreihe", Bergs tonale Reihen, Weberns codierte Reihen

21.11.2006
SuperCollider-Klangenvironment: distanzielle und harmonische Klangräume; Alban Bergs Violinkonzert "dem Andenken eines Engels": Analyse der Grundreihe, Bach-Bezug und Bach-Zitat; der kompositorische und ästhetische Rang der Wiener Schule, "Zitat", "Collage", "Mix", "Kugelgestalt der Zeit" (Bernd Alois Zimmermann), Gustav Mahler (1860 - 1911) als Vaterfigur der Wiener Schule; Anton Webern: Instrumentierung des 6-stimmigen Ricercare aus J. S. Bachs "Musikalischem Opfer", "Symphonie" op.21: Reduktion und Konzentration; Leitfigur der Neuen Musik ab 1945

28.11.2006
Hans Jenny: Kymatik; das B-A-C-H-Motiv und Weberns Reihe zum Streichquartett op.28, Bachs Spätwerk als überzeitlicher Bezugspunkt für spekulative Musik und Logik (Douglas R. Hofstadter "Gödel, Escher, Bach"), zur Geschichte der Buchstaben-Ton-Beziehung, Weberns Variationen für Klavier op.27, Erweiterungen des Reihendenkens; zur Situation der Kulturschaffenden nach dem II. Weltkrieg, Olivier Messiaens (1908 - 1992) "Mode de valeurs et d'intensités", indische Rhythmen, modale Prinzipien im europäischen Mittelalter und in der indischen Tradition, Organisation verschiedener Parameter des Einzeltons, "Serialismus", Messiaen als Lehrer, zur Entstehung seines "Quatuor pour la fin du temps"

05.12.2005
Messiaen "Quatuor pour la fin du temps": 2. Satz "Vocalise, pour l'ange qui annonce la fin du temps", zur Apokalypse des Johannes, Koexistenz unabhängiger Bewegungen als Kompositionsprinzip im 20. Jh., Flageolett-Spieltechniken, Verschiebungsmuster rhythmischer und melodischer Reihen, Messiaens Rhythmuslehre: "nichtumkehrbare Rhythmen", wachsende und abnehmende Rhythmen, indische Rhythmen, Kosmologie und Zeittheorie; Akkorde als Skalenschichtungen, Ornithologie, Serialismus, 1. Satz "Liturgie de cristal"; siehe auch W. Fulda "Messiaens 'Quatour ...'"

12.12.2006
Olivier Messiaen "Quatuor pour la fin du temps": "Danse de la fureur...": Rhythmik, Satzstruktur, erweiterte Gregorianik, Polystilistik, Katholizismus; Messiaen als Organist, zur Aufführung der Orchesterwerke, "Oiseaux exotiques" und "Couleurs de la cité céleste"

19.12.2006
Musikkultur der Sowjetunion in 60er und 70er Jahren: Bruno Monsaingeons Film-Portrait des Pianisten Sviatoslav Richter (1915 - 1997)