Repetitorium Grundkurs Musik WS 2008/2009

Krise der tonalen Musik und neue Wege im 20. Jahrhundert
Personen: fett - Hörbeispiele unterstrichen - wichtige Begriffe in " "


23.09.2008
Arbeitsmittel: "dtv-Atlas zur Musik", "Riemann-Musiklexikon" (RieL), "die Musik in Geschichte und Gegenwart" (MGG), öffentliche Bibliotheken, "wikipedia" - z.Bsp.: Musikgeschichte, Musikinstrument, Musiktheorie, Musikwissenschaft; Grundwissen-Katalog: Notenschrift, Intervalle, Akkorde, Takt, Rhythmik, Quintenzirkel, Akustik, Instrumente, Stimme - Epochen der Musikgeschichte - Formen: Arie, Choral, Fuge, Kanon, Kantate, Konzert, Lied, Messe, Motette, Oper, Oratorium, Ouvertüre, Präludium, Rezitativ, Sonate, Symphonie, symphonische Dichtung, Variation ...
Historisch-ästhetische Standortbestimmung - Grundlinien der europäischen Musikgeschichte: der kirchliche Rahmen, gregorianischer Choral, Entwicklung von Notation und Mehrstimmigkeit, Primat der Vokalmusik, Umbruch um 1600 mit Entstehung der Oper und dem Aufstieg der Instrumentalmusik, deren Höhepunkt in der Symphonik des 18. und 19. Jahrhunderts ("absolute Musik") - Im Zeitalter der Globalisierung: Aufhebung des Eurozentrismus, Berührungen und Spannungen zwischen unterschiedlichen kulturellen Funktionen von Musik, Digitalisierung und Einfluß der "Neuen Medien"

30.09.2008 / 01.10.2008
Richard Wagners (1813 - 1883): "Parsifal" (Musiktheater) und "Tristan und Isolde" (Harmonik und Satztechnik) als Schlüsselwerke für die Tonsprache des 20. Jahrhunderts; Parsifal-Vorspiel: Symmetrie der Anlage, wichtige Motive, Einstimmigkeit, Klangflächen, Polyphonie, Notation, musikalische Anleihen beim "gregorianischen Choral" und beim "Palestrina-Stil", die Tradition der Beethoven'schen Instrumentalmusik, Vergleich mit "Rheingold-Vorspiel"; Thematik: Gralsmythen keltisch, christlich; literarische Vorlage: Wolfram von Eschenbachs (~1170 - ca. 1220) "Parzival", aus dem V. Buch: Parzivals Ankunft beim Fischerkönig und der Gang zur Gralsburg, die Idee des "Gesamtkunstwerks", Wagners Sprache, Verwandlungsmusik des I. Aktes: visionärer Impuls, "zum Raum wird hier die Zeit"; Handlung und dramatische Konzeption: Symmetrie, Verwandlung, die einzelnen Personen

07.10.2008 / 08.10.2008
Wagners "Parsifal" als "Bühnenweihfestspiel", rhythmische Gestalt der einzelnen Motive, Beziehungen, Tonalität; mythologische Stoffe als Projektionsfläche psychischer Vorgänge, als Hintergrund aktueller philosophischer und psychologischer Fragestellungen, Möglichkeiten der Musik Bereiche des "Unbewußten" zu erschließen, zur Psychologie der Wagner'schen Figuren, Wahl des Stimmfachs, Anfang des II. Aktes: Welt des Klingsor, zur Gestalt der Kundry, II. Akt: Parsifal widersteht Kundry; Biografisches, Schaffensphasen und Werkgruppen, Gegensatz zu Giuseppe Verdi; Sprache und Dichtung, Schriften; von der "romantischen Oper" zum "Musikdrama", die vier Tage des "Ring"; die Polyphonie des Wagner'schen Orchesters als umfassendes mythologisches Psychogramm

14.10.2008 / 15.10.2008
"Diatonik" und "Chromatik" in der "Parsifal"-Musik, der Plan einer buddhistischen Oper, "ewige Wiederkehr", zur geistigen Situation des 19. Jahrhunderts, Emanzipation des naturwissenschaftlichen Denkens, Bibelkritik, Friedrich Schleiermacher: sinnliche Vermittlung des Religiösen durch die Kunst, "Kunstreligion", "Parsifal"-Rezeptionen, Wagner und Friedrich Nietzsche (1844 - 1900), Beethovens "motivisch-thematische Arbeit", Hector Berlioz' "idée fixe", Wagners "Leitmotive", Psychologie im 19. Jahrhundert, das Wagner-Orchester als Analogie zum Chor der griechischen Tragödie; Wagner und Ludwig II. von Bayern, Ansprüche, Pläne, Finanzen, Bayreuth, Festspielhaus, Affären, Mathilde Wesendonck, Hans von Bülow, Cosima Wagner, "Tristan und Isolde" - Vorspiel: Klavierauszug, formale Anlage und Übergänge, Höhepunkte ohne Auflösung, chromatisierte Melodik, "Tristan-Akkord", Sequenzbildungen

21.10.2008
Wagners Tristan-Vorspiel als Prototyp atonaler Musik: Tonikalosigkeit, Grenzen der Analysemethoden der funktionalen Harmonik, Spannungsgrad, überexpressive Melodik, "unendliche Melodie", "Meister des Übergangs", formale Anlage, Entsprechung von Inhalt und musikalischer Sprache (Ernst Kurth: "Romantische Harmonik und ihre Krise in Wagners Tristan", 1920: "Polyphonie des Unbewussten"); der Gegensatz klassischer Formprinzipien: Klarheit, Rationalität, Begrenzung; zur Entstehung des "Tristan", Werkkontext, Schweizer Exil, Stoff, Handlung, Anfang II. Akt; romantische Nachtmystik, Novalis (1772 - 1801) "Hymnen an die Nacht"; Generalthema der europäischen Musik im 20. Jahrhundert: Krise der Tonalität

28.10.2008 / 29.10.2008
Antiaufklärerische Haltungen in der Romantik, Auflösung und Grenzüberschreitung als inhaltliches wie satztechnisches Prinzip in Wagners "Tristan", "Liebesnacht" des II. Aktes: pulsierendes rhythmisches Muster, Ahnungen asiatischer Musik, Einflüsse der Philosophen Arthur Schopenhauer (1788 - 1860) und Friedrich Nietzsche (1844 - 1900); zum Stilbegriff des "Impressionismus", Abgrenzung und Nähe zur Malerei, Bilder der Maler Claude Monet, Paul Cézanne, EdgarDegas, Auguste Renoir; Claude Debussy (1862 - 1918) und die Musik Frankreichs, Rom-Aufenthalt, Wagner-Erlebnis, die Oper "Pelléas et Mélisande", Anfang I. Akt, Maurice Maeterlinck (1862 - 1949) und der Symbolismus, zum Inhalt, Tristan-Parallelen, musikalische Form, Sprachduktus, Harmonik, Tonmaterial "Ganztonleiter", "Pentatoniken", "akustische Skala", "Kirchentonarten" als Gegensatz zum traditionellen europäischen Tonsystem, Suche nach der Natur des Klangs

11.11.2008 / 12.11.2008
Zum Begriff der "harmonischen Tonalität": Herkunft, Entwicklung, Überwindung, Perspektiven; Debussy "... Voiles" aus "Préludes I" für Klavier: Tonmaterial "Ganztonleiter" und "Pentatonik", "distanzielle Strukturen", motivische Arbeit im aharmonischen Raum, organische Bildung melodischer Linien, zur Tradition der Gattung "Prélude", "Dialogue du vent et de la mer" aus "La Mer" für Orchester, Zurücktreten des Melodischen zugunsten der Klangfarbe, Entdeckung der unendlichen Dimensionen des "Klangs" um die Wende zum 20. Jahrhundert, das geheimnisvolle Naturphänomen der Obertonreihe, kulturelle Restriktionen, Wahrnehmung der weiter entfernten Obertöne als Grundtendenz der Musik der Gegenwart, Obertonstruktur - Tonsystem - Instrumentenbau

25.11.2008 / 26.11.2008
"Impressionismus" - "Expressionismus"; die "neue Wiener Schule": Arnold Schönberg (1874 - 1951), Alban Berg (1885 - 1935), Anton Webern (1883 - 1945); Grenzüberschreitung als Grundzug in Kunst und Musik des 20. Jahrhunderts, Angst als zentrale Geste des Expressionismus, "Emanzipation der Dissonanz"; Schönbergs Wurzeln (Brahms, Wagner), 3 Schaffensphasen, spätromantisches Klangbild und exzessive Orchesterbesetzung ("Gurre-Lieder"), "drei Klavierstücke" op.11 (1909): völlige Offenheit der Form; Streichsextett "Verklärte Nacht" op.4 (1899 - nach Texten von Richard Dehmel), Notwendigkeit und Konsequenz des Schrittes zur Atonalität; Zwölftontechnik ("Dodekaphonie") als Versuch zur Neuordnung des Tonmaterials, Verlust der Reinheit der Intervalle in der temperierten Stimmung als Voraussetzung; Elemente und Verfahren der Zwölftontechnik: Grundform, Umkehrung, Krebs, Krebsumkehrung, Transposition; Begrenztheit des zwölftönigen Materials? zur Mathematik der Permutation von Reihen, Reihentechnik und Distanzprinzip; kompositorischer Umgang mit der Reihe, Reihenschichtung, Reihenbrechung; besondere Reihen: "Allintervallreihe"; Reihendenken und moderne Musiktechnologie: Midi-Notennamen, Transformationsfunktionen

02.12.2008 / 03.12.2008
Schönbergs "Farben" aus "5 Orchesterstücke" op.16; die "Klangfarbenmelodie" bei Komponisten der klassischen Moderne, "Hineingehen in den einzelnen Ton"; Komplexität akustischer Phänomene, zur Entwicklung des Konsonanzbegriffs

16.12.2008 / 17.12.2008
Dokumente zu "Expressionismus" und "neue Wiener Schule": Porträts, der Maler Wassily Kandinsky und die Künstlervereinigung des "Blauen Reiter": Phasen der Abstraktion, Freundschaft mit Schönberg; Alexander von Zemlinsky: spätromantisches Klangbild und exzessive Orchesterbesetzung; Josef Matthias Hauer entwickelt parallel zu Schönberg dodekaphone Konzeptionen, ebenso russische Komponisten; der Maler Piet Mondrian; Schönberg als Lehrer; Alban Berg "Streichquartett" op.3: Klangfarben und Spieltechniken ("pizzicato", "col legno" geschlagen und gestrichen, "sul ponticello" (am Steg), am Griffbrett); Anton Webern: Leit- und Vaterfigur der Neuen Musik ab 1945; die interaktive Realtime-Software MaxMSP und Miller Puckettes Open-Source-Variante Pure Data (PD): allgemeiner Überblick, Konzept der grafischen Programmierung, Midi und Audio

07.01.2009
Visualisierung von Klang: die Forschungen des Hans Jenny (1904-1972), Kymatik (YouTube-Video Teil 1, Teil 2, Teil 3). Tendenzen und Verfahren der elektronischen Klangerzeugung: das Midi-Format, Editierung, "General-Midi", aktuelle Anwendungsgebiete, "The Classical Archives", Elemente der digitalen Klangverarbeitung, "analog" und "digital", Samplerate

13.01.2009 / 14.01.2009
Grundsätzliches zur Klangsynthese mit PD und MaxMSP: Installation, Bedienung, Hilfe; objects, messages, numberboxes; Datenstrom; Sinuston-Oscillator, Amplituden- und Frequenz-Parameter, Frequenzgänge von Lautsprechern, menschlicher Hörbereich, Schwebungen, Intervalle; Midi: noteon-noteoff, note-number, velocity, duration, channel-select, instrument-number, banks, program-change, panorama-control, pitchbend; timing und random-select, counter, percussion-sounds, patterns

20.01.2009 / 21.01.2009
musikalische Datenstrukturen: Tabellen und Arrays für Skalen, Akkorde etc.; Ringmodulation, Kombinations- und Differenztöne, Niederfrequenzoscillator (LFO), additive Synthese: Formung komplexer Spektren durch gewichtete Sinussummen; grundlegende Wellenformen; subtraktive Synthese: Filterung von Rauschklängen oder allgemein obertonreichen Klängen, Filtertypen (Hoch-, Tief-, Bandpassfilter, Bandsperre), Flankensteilheit, Cutoff-Frequency, Center-Frequency

27.01.2009 / 28.01.2009
Sequencer-Software (Demonstration "reason": Jakob Rossmann): Spuren, Sequenzen, Drummachine, Mixer, Midi-Editoren, Piano-Roll, Effekte, Verkabelung, virtuelle Instrumente (Plug-Ins), virtuelles Studio, externe Controller, Soundkarten, Aufnahme-Techniken, Einsatzmöglichkeiten; Klangsynthese mit einer abstrakten textbasierten Programmiersprache: das Csound-Konzept, orchestra- und score-files, rendering, score-file-Generierung mit Java-Klassen; Sampling in Pd, Speichern, Anzeigen, Auslesen, klangliche Vielfalt durch Variation von Start-, Endpunkt und Lesegeschwindigkeit; die Grafikbibliothek "Gem": 3D-Raum, Renderline, Körperobjekte, Grundoperationen der Grafikprogrammierung: Translation, Rotation, Coloring, Vervielfachung, Abspielen von Filmdateien, Zugriff auf einzelne Frames, Mapping auf 3D-Objekte

03.02.2009 / 04.02.2009
Hüllkurvengestaltung ("envelope") mit dem "ADSR"-Modell; Brücken zwischen Csound und Max/MSP bzw. Pd; "physical modeling": der "Karplus-Strong-Algorithmus" zur Simulation von Saitenschwingungen, Orgelklänge mit beweglichen Spektren, Versuche zur Synthetisierung der menschlichen Stimme; "Granularsynthese"; ähnliche Konzepte für Audio- und Videoproduktionen, konkrete Projekte: Das DJ-Duo Autechre

10.02.2009 / 11.02.2009
"Time-Domain"- und "Frequency-Domain"-Darstellungen von Klangereignissen, Spektralanalyse, Gestaltung von Klangspektren im Wellenformgenerator, "Klang", "Tongemisch", "Geräusch", Frequenzmodulation, Effektgeräte, Hallgeneratoren, PlugIns, Virtualisierung des Tonstudios, Kompressionsverfahren und mp3-Format; Digitale Medien: Wirklichkeit und Manipulation; zur Geschichte der elektronischen Klangerzeugung im 20. Jahrhundert: Tonbandmusik, analoge Synthesizer, algorithmische Komposition, Klangsynthese, Sampling