Repetitorium Grundkurs Musik WS 2009/2010

Grundlagen europäischer Musikkultur
Personen: fett - Hörbeispiele unterstrichen - wichtige Begriffe in " "


26.01.2010 / 27.01.2010
Bezugnahme auf Konzeptionen der alten polyphonen Musik im 20. Jh.: Conlon Nancarrow (1912 - 1997) "Studies for Player-Piano", mechanische Musikinstrumente, technische Verfahren, frühe Boogie-Woogie-Studien, spätere abstrakt-geometrische Kompositionen, Polymetrik, Ungleichzeitigkeit und Zeitschichtungen, Kanonstrukturen und komplexe Polyphonie, mathematische Methoden zur Erweiterung der musikalischen Wahrnehmung, kosmische Aspekte, ästhetische Fragen; zur Neuen Musik in den USA, Charles Ives (1874 - 1954) als Prototyp des Komponisten im 20. Jh., das präparierte Klavier des John Cage (1912 - 1992)

19.01.2010 / 20.01.2010
Musikalische Gattungen des 15. und 16. Jahrhunderts: "Messe", "Motette" (geistlich, lateinischer Text), "Madrigal", "Chanson", "Lied" (weltlich, Texte in der Landessprache); Josquin Desprez Chansons "Mille regretz" und "Coeurs desolez", Instrumentierung und Intavolierung, Lied und Motette "Praeter rerum seriem", Orlando di Lasso (1532 - 1594) "Magnificat" über "Praeter rerum seriem" (The King's Singers): homophone Tendenzen; Grundtypen des musikalischen Satzes: "Polyphonie", "Homophonie", "Unisono"; die Münchener Hofkapelle; der Einfluß des Tridentiner Konzils (Trient 1545 - 1563) auf die Entwicklung der Kirchenmusik, Giovanni Pierluigi da Palestrina (~1525 - 1594) und die katholische Kirchenmusik, Bedeutung des "Palestrinastils", "Kyrie" aus der "Missa brevis": Disposition des Stimmumfangs, imitierender Stil, "Sogetto", "Kyrie" aus der sechstimmigen "Missa Papae Marcelli"; zur Entwicklung des Notendrucks: Ottaviano Petrucci in Venedig, Johannes Petrejus in Nürnberg, Pierre Attaingnant in Paris, Tabulaturen

12.01.2010 / 13.01.2010
"Niederländische Vokalpolyphonie": Generationen und typischer Lebensweg, Kanonkünste, Übersicht Renaissance-Komponisten; Guillaume Dufay (~1400 - 1474) "Kyrie" aus der "Missa 'l'homme armé'" und "Nuper rosarum flores" (Motette zur Einweihung des Florentiner Doms); Bilddokumente zur Musik des 15. und 16. Jahrhunderts: höfisches Leben im 15. Jahrhundert, "Le champion des dames" des Martin le Franc als kulturgeschichtliche Quelle ("Musen", Dufay-Bildnis), die Kathedrale von Cambrai als musikalisches Zentrum, Aufführungspraxis: singende Engel, der "Genter Altar" des Jan van Eyck; die Sängergruppe des Johannes Ockeghem (~1420 - 1495), Josquin Desprez (1440 - 1521) als Repräsentant einer gesamteuropäischen Musikkultur, "Cantus firmus", zur Praxis des musikalischen Zitierens, Proportionskanon; Musiktheoretiker: Franchinus Gaffurius und Gioseffo Zarlino; Instrumentarium des Mittelalters und der Renaissance, das Portativ

08.12.2009 / 09.12.2009
Guillaume de Machaut (~1300 - 1377) "Messe de Nostre Dame" - "Kyrie" (Streichquartettfassung des Kronos-Quartetts): "Isorhythmik", "Isoperiodik", "Hoquetus", Oktav-Quint-Quart-Harmonik, Terz als Dissonanz, zur Aufführungspraxis, die Kathedrale von Reims, "Ars antiqua" und "Ars nova"; "Mensuralnotation": die Vielfalt der metrischen Ebenen, Tempuslehre, Mensurzeichen; Stimmbuchnotation, Fehlen der "Partitur"; Wiederkehr dieser Verfahren in der zeitgenössischen Musik, Live-Coding im Stil der "Ars nova": Andrew Sorensen "antiphony", Musik als Denkstruktur und Text, die Bedeutung der Programmiersprache LISP für die Computermusik

11.11.2009 / 17.11.2009
die Vielfalt der mittelalterlichen Kirchentonarten (vgl. Tabelle "Skalenmodelle"); der Choral als Wurzel für die Entstehung der Mehrstimmigkeit: Frequenzwahrnehmung und Raumbewusstsein, die Architektur der Gotik, die Rolle der Raumakustik, das Organum der Notre-Dame-Epoche, Dehnung des Choralausschnitts (später "cantus firmus"), Liegetöne, chorische Atmung, zusätzliche Stimmen als Ornamente, Leoninus (um 1150 - 1210) und Perotinus Magnus (um 1200) "Viderunt omnes" und "Sederunt Pricipes" (Hilliard Ensemble), zur Kultur des englischen Ensemblegesangs, die Individualität des Komponisten in der mittelalterlichen Kultur, Codierung rhythmischer Abläufe in den Ligaturen der Modalnotation, Verwendung antiker Versmaße

28.10.2009 / 10.11.2009
Ursprüngliche Vielfalt der geistlichen Gesänge in Europa, orientalische und byzantinische Einflüsse, Mailänder Liturgie, Heiliger Ambrosius (333 - 397), Ensemble Organum "Chants de l'église milanaise - Psalmellus": byzantinischer Stil gegenüber dem Ideal der reinen Linie; Übertragung des antiken Musikbegriffs auf Mittelalter und Renaissance: Heiliger Augustinus (354 - 430) "De musica"; das System der mittelalterlichen Kirchentonarten, "Tetrachord", "Hexachord", Unterschiede zu den altgriechischen Skalen, authentische und plagale Formen, Charakteristika der Modi; Tonsysteme als Ausdruck kulturgeschichtlicher Entwicklungen

21.10.2009 / 27.10.2009
Die Reform des Papstes Gregors des Großen (Amtszeit 590 - 604): Vereinheitlichung der kirchlichen Gesänge in Europa, Legenden, Choeur Gregorien de Paris "Pueri Hebraeorum", Einstimmigkeit, Aufführungspraxis, "Choralnotation", "Cheironomie", "Neumen", Schreibschulen, Entstehung eines musikalischen Raumbewusstseins, Mönchsschola der Benediktinerabtei St.Ottilien: Introitus "Rorate caeli"; Aufführungspraxis: "Schola cantorum" und Mönchsschola, Christianisierung und Zivilisation, Klöster als Bildungszentren, Selbstverständnis des Mönchtums nach Benedikt von Nursia (480 - 547), Rhythmisierung des Alltags, Stundengebete, "Liturgie" und Gesänge, "Graduale Romanum", "Offizium", "Ordinarium Missae", "Proprium Missae"; Texte und Tonmaterial des gregorianischen Chorals; Guido von Arezzo (um 992 - 1050): Liniensystem, "Guidonische Hand", "Solmisation";

14.10.2009 / 20.10.2009
Zum Begriff der "musica": Hugo von St. Victor (~1100) "de musica triplici": "musica mundana", "musica humana" ("die vier Temperamente", "die vier Körpersäfte", medizinische und psychologische Aspekte, Typologie der Gefühle), "musica instrumentalis" (untergeordnete Stellung der praktizierten Musik), Erweiterung der "dreifachen Musik" um die "musica coelestis" im Mittelalter, die Heilige Caecilia, der himmlische Gesang, griechisches und jüdisches Erbe, Formen der jüdischen Gotteserfahrung, Epiphanie, Th. W. Adorno: "… Verheißt alle Musik mit ihrem ersten Ton, was anders wäre, das Zerreißen des Schleiers …" ("Mahler", S. 11), Musik im Verständnis des G. W. Leibniz; Guido von Arezzo (um 992 - 1050): Monochord, der gregorianische Choral

07.10.2009 / 13.10.2009
Neues Interesse an Stimmungsfragen in der Neuen Musik: "Just-Intonation", Mamoru Fujieda (* 1955) "Patterns of Plants"; die "Cent"-Messung, das Prinzip der temperierten Stimmung, mathematisches Konzept, praktische Stimmungsprobleme, Andreas Werckmeister (1645 - 1706); Übertragung des antiken Musikbegriffs auf Mittelalter und Renaissance: der spätantike Autor Boethius (~480 - 524): "De institutione musica", das Tabu des Heidentums, die Rolle der arabischen Kulturen; Transformation der Musen: die "Septem Artes Liberales" des Mittelalters, "Quadrivium" und "Trivium", zum Konzept der europäischen Universität; "Musica": Bestandteil des "Quadriviums"

30.09.2009 / 06.10.2009
Pythagoreer und irrationale Zahlen, pythagoreische Tetraktys: Hauptstufen der heptatonischen Skalen, harmonische Grundfunktionen; umgekehrte Proportionalität von Frequenz und Saitenlänge, Addition von Intervallen durch Multiplikation der Proportionen, Javaprogramm zur Intervallsimulation (12-stufige Skala, JSyn-PlugIn); "pythagoreisches Komma", "syntonisches Komma", Instrumentenbau und Reinstimmung, das Prinzip der temperierten Stimmung, temperierter und reiner Halbton, das Oktavphänomen aus musikpsychologischer Sicht, "Schwebungen", Problematik der Temperatur; die Musen in den platonischen Dialogen

23.09.2009 / 29.09.2009
Zum "Musikbegriff des Barock" (Rolf Dammann), Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716) und das binäre Zahlensystem; antike Musiktheorie: Mythologie, Apoll und Dionysos, Gegensatz, typische Instrumente, die neun Musen, zum Verhätnis von Musik und Astronomie, Bedeutung von Zahl und Proportion; Pythagoras, Einflüsse, Legenden, Bedeutung der Zahl, Begründung der Wissenschaft, Zahl und Ton, Zahl und Intervall, Verhältnis von Saitenlänge (bzw. Masse, Länge der Luftsäule) und Tonhöhe, zur pythagoreischen Überlieferung, "Tetraktys" und "heilige Zehn"; Weiterführung durch Platon (427 - 347 v.Chr.), Weltschöpfung durch den "Demiurgen" nach Mass, Zahl und Proportion im Dialog "Timaios", das pythagoreische System: Quintenkette, gebrochene Quintenkette, Ableitung von "Pentatonik", "Diatonik", "Chromatik" und "Enharmonik" daraus, instrumentenbautechnische Konsequenzen

16.09.2009 / 22.09.2009
Arbeitsmittel: "dtv-Atlas zur Musik", "Riemann-Musiklexikon" (RieL), "die Musik in Geschichte und Gegenwart" (MGG), "Wikipedia". Grundwissen: Notenschrift, Intervalle, Akkorde, Tonarten, Quintenzirkel – Notenwerte, Takte, Rhythmik – Akustik, Stimme, Instrumente – musikalische Formen – Epochengliederung. Wikipedia-Kategorien: Musikgeschichte, Musikinstrument, Musiktheorie, Musikwissenschaft.
Athanasius Kirchers "Musurgia universalis" (1650) als Beispiel einer komplexen barocken Musikanschauung: Weltbild, Musica, Pythagoras (582 - ~496 v.Chr.), anatomische, akustische und linguistische Forschungen, Entwürfe für Musikmaschinen etc.