Der Engel

Den Mitternachtshimmel ein Engel durchzog,
  Sang leise ein Lied, als er flog,
Der Mond und die Sterne, die Wolken gesamt,
  Sie lauschten dem heiligen Liede gebannt.

Er sang von der Seligkeit sündloser Seelen
  In den Gebüschen der Gärten von Eden,
Er sang von der göttlichen Größe, sein Lob
  Keinesfalls trog.

Er trug eine Seele, die jung war, im Arm
  In eine Welt voller Tränen und Harm;
Der Ton seines Lieds in der Seele noch lang
  Lebendig auch ganz ohne Worte erklang.

Sie quälte im Weltlauf noch lange sich still
  Von herrlicher Sehnsucht erfüllt,
Nie konnte verdrängen den himmlischen Klang
  Der irdische, öde Gesang.

(Michail J. Lermontow, 1831)