Repetitorium Oberstufe 11 Musik – SS 2015

Klangkörper im Wandel – Sonate und Symphonie – Musik und Politik

Personen: fett - Hörbeispiele unterstrichen - wichtige Begriffe in " "


13.07.2015
Eduard Hanslicks Schrift "Vom Musikalisch-Schönen" (1854) als Meilenstein der Musikästhetik, ästhetische Grundhaltungen in den verschiedenen Epochen der europäischen Musikgeschichte; die Suche nach dem Originalklang seit Mitte des 20. Jahrhunderts: nachträgliche Bezeichnungen in Beethoven'schen Werken, musikalisches Verlagswesen historisch und aktuell, Philologie und Quellenkunde, Fragestellungen einer musikalischen Philologie, Edition, "Urtext", "praktische Ausgabe", Georg Friedrich Händel (1685 - 1759) "Sarabande" aus der "Suite Nr. 4 in d-moll" in zwei Versionen; Komponisten-Handschriften; Musikästhetik und Instrumentenbau, Fortschrittsgläubigkeit gegen "historische Aufführungspraxis": Nikolaus Harnoncourt (* 1929); der Wandel im Instrumentenbau seit dem Barock als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen, Streichinstrumentenbau und Bogenformen ("Tourte-Bogen"); Unterschiede in der Klangästhetik des 17./18. und 19. Jahrhunderts, Tonumfang, "Clarinblasen", Ventil- und Klappentechnik, J.S.Bachs "Brandenburgisches Konzert Nr. 1" in Versionen mit historischem und modernem Instrumentarium, die Faszination des Barockklangs

06.07.2015
Nachtrag 1: russische Avantgarde der 1920er Jahre, futuristische Euphorien, Alexander Mossolow (1900 - 1973) "Zavod" ("Die Eisengießerei") aus dem Ballettzyklus "Stahl" (1926-28); Nachtrag 2: ästhetische Fronten im 19. Jahrhundert (Programmmusik versus absolute Musik) und die Rolle der Musikkritik, Entstehung der akademischen Musikwissenschaft, Eduard Hanslick (1825 - 1914), "Bildungsauftrag" der Medien in bürgerlichen Gesellschaften; Dokumente zur Entwicklung des Konzertsaals: Wiener Musikvereinssaal, Berliner Philharmonie, Alte Oper Frankfurt, zur aktuellen Diskussion um Konzertsaal-Neubauten in München und Nürnberg

29.06.2015
Das Konzert als Erscheinung abendländischer bürgerlicher Musiktradition, Hörhaltung, Entwicklung des Konzerts als Veranstaltungsform, Subskription, Abonnement, neuere Verfahren, wichtige Bauwerke (Gewandhaus Leipzig, Musikvereinssaal Wien, Berliner Philharmonie, Elbphilharmonie Hamburg), öffentliche Subvention; das Konzert als musikalische Gattung, Etymologisches, "Concerto grosso", "Solokonzert" und andere Formen, Rolle der Sonatensatzform, die Kadenz, W.A.Mozart "Klavierkonzert Nr. 22 in e-moll KV 482", 1. Satz (Freiburger Barockorchester mit Kristian Bezuidenhout am Hammerflügel), historisches Instrumentarium (ventillose Blechblasinstrumente, Traversflöte, Streicher mit Barockbogen, Darmsaiten, flachem Griffbrett etc.), Hammerflügel und Cembalo; die Rolle des Dirigenten, Dirigentenkult, dirigentenlose Ensembles, dirigentenlose Sinfonieorchester in den Anfängen der UdSSR, Sozialformen des Orchesters; zur Entwicklung der Konzertprogramme, typische Gattungen

18.05.2015
Schlüsselbegriffe des kulturellen Feindbildes in der Sowjetunion: "Avantgarde", "Fäulnis bürgerlicher Kultur", "Formalismus"; deutsche Kulturpolitik zwischen 1933 und 1945: agressive Abgrenzung gegenüber freien Strömungen in der Weimarer Republik, "Kraft durch Freude" (KdF), Bücherverbrennung, "entartete Kunst", "entartete Musik", Bewertung des Jazz, Einführung von "Reichsmusiktagen"; "völkische Revolution" und Rassenideologie, Julius Streichers Wochenzeitung "Der Stürmer", Carl Maria von Webers (1786 - 1826) Oper "der Freischütz" und das Klangidiom der deutschen Romantik, der Umgang mit dem jüdischen musikalischen Erbe, Verbannung der Werke Felix Mendelssohn-Bartholdys (1809 - 1847 – "Musik zu Shakespeares Sommernachtstraum"), Gustav Mahlers (1860 - 1911) u. a., Umdeklaration von Liedtexten, Heinrich Heines (1797 - 1856) "Loreley" in der Vertonung Friedrich Silchers (1789 - 1860), deutsche Mythologie und antike Wurzeln; jüdische Musikerbiografien während der NS-Zeit: Kurt Weill (1900 - 1950), Viktor Ullmann (1898 - 1944), Arnold Schönberg (1874 - 1951); "Kulturbolschewismus" als Feindbild des Nationalsozialismus, "gesunde Musik", Bewertung des Dreiklangs; Richard Strauss (1864 - 1949 – "Olympische Hymne") und die Reichsmusikkammer; der ambivalente Umgang mit dem Jazz, Swing im Deutschland der 30er Jahre ("Chattanooga Choo Choo" in den Versionen der Bigbands von Glenn Miller und Teddy Staufer); Rundfunk als Medium musikalischer Propaganda, Stalingrad, Durchhalteschlager (Fred Raymond "Es geht alles vorüber"), Kontrafakturen

11.05.2015
Blüte der russischen Kultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts, revolutionäres Pathos und visionäre Entwürfe: "Suprematismus" (der Maler Kasimir Malewitsch (1878 - 1935)), "Futurismus" (der Dichter Wladimir Majakowski (1893 - 1930)), die ideologische Erstarrung der Stalinzeit, Revolutionslieder ("Brüder, zur Sonne, zur Freiheit"), Arbeiterchöre, der Dirigent Hermann Scherchen (1891 - 1966), "sozialistischer Realismus" in der Musik, zunehmende Bedeutung von Ironie und Doppelbödigkeit, die Technik des Zitats in Schostakowitsch 12. Symphonie, seine Oper "Lady Macbeth von Mzensk" nach der gleichnamigen Erzählung von Nikolai Leskow (1831 - 1895), Reaktion der "Prawda": "Chaos statt Musik", allgegenwärtige Angst: Schostakowitsch und Marschall Tuchatschewski ("Maxim und Galina Schostakowitsch über ihren Vater"), monumentaler Jubel in seiner "5. Sinfonie" als Bußübung? Das Jugendsinfonieorchester "Sinfónica de la Juventud Venezolana Simón Bolívar" (Dirigent: Gustavo Dudamel) mit Schostakowitsch "10. Sinfonie in e-moll"

04.05.2015
Kultur im Dienst totalitärer Systeme: Instrumentalisierung von Musik im Erziehungssystem des Nationalsozialismus, Sprachduktus, Feier, Kult, "Wir-Lieder", deutsche Mythen, die Rolle von "Wandervogel" und "Jugendbewegung" ("Zupfgeigenhansl"), psychologische Modelle; Systemstabilisierung durch Musik: Singen als Mittel zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft in der DDR, "Lied der Partei" (Ernst Busch), Comedian Harmonists als Vorlage; kreatives Schaffen unter den Bedingungen totalitärer Herrschaft: Sowjetunion, historische Voraussetzungen (Leninkult, Stalin'scher Terror, Chruschtschow'sches Tauwetter, Kulturaustausch zu Zeiten des Kalten Krieges), musikalische Produktion und allgegenwärtiger Legitimationsdruck, Schriftsteller- und Komponistenverbände, Rechtfertigungsstrategien, "sozialistischer Realismus"; Dmitri Schostakowitsch (1906 - 1975) "12. Sinfonie in d-moll – das Jahr 1917", 1. Satz, Themenbau, Entwicklung, Form und kompositorische Idee

27.04.2015
Bayerische Komiker, Kontrafaktur im aktuellen Kabarett: Biermösl Blosn "Sabinchen", AKW-Bewegung und Wackersdorf-Proteste; der musikalische Ausdruck politischen Aufbegehrens: Protestsongs in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, das amerikanische "Civil Rights Movement" und die Folksänger der 50er und 60er Jahre, "Protestsong", Prototyp des "Singer-Songwriter": Bob Dylan (* 1941) "The Times They Are A-Changing", Inhalt, melodischer und rhythmischer Gestus, Harmonisierung, Biografisches, musikalische Wurzeln und Stil, "Volksmusik" und "Folkmusic"; Kultur im Dienst totalitärer Systeme: Instrumentalisierung von Musik im Erziehungssystem des Nationalsozialismus, Sprachduktus, Feier, Kult, "Wir-Lieder": "Volk ans Gewehr"; psychologische und musikalische Elemente des Kampfliedes, der Gestus des Erhabenen

20.04.2015
Elemente des spätromantischen Orchesterklangs in aktueller Filmmusik: kontinuierliche Steigerung der Klangfarbenvielfalt, Übernahme bestimmter Aspekte der Leitmotivtechnik, John Williams (* 1932) Auszüge aus dem Soundtrack zu "Close Encounters of the Third Kind", Unterschiede der ästhetischen Zielsetzung bei Symphonischer Musik, im Musikdrama und im Film. Zur Analyse melodischer Strukturen: Tonmaterial (chromatische und diatonische Skalen, "Heptatonik", Dur- und Mollskalen, "modale" Skalen, "Pentatonik", Ganztonleitern, Zwölftonreihen), Ambitus, Intervallstruktur, Gliederung (offen und geschlossen), Motivbildung ("Sequenzen"), rhythmische Aspekte ("Hemiolen" in Dreiertakten); Übungsbeispiele: Nikolai Rimsky-Korsakov (1844 - 1908) "Hummelflug" (David Garrett, Violine), Bela Bartok "Mikrokosmos III Nr. 78", W. A. Mozart "Menuett KV 1". Musik im Dienst politischer Ideen: Arbeiterlieder, bewußte Diskrepanz zwischen Sprache und traditioneller musikalischer Gestalt, die Melodie der Ballade "Es liegt ein Schloss in Österreich" als Vorlage für "das Blutgericht" (Lied der schlesischen Weber 1844), Kontrafaktur; die neue Wertschätzung der Volksdichtung im beginnenden bürgerlichen Zeitalter: Johann Gottfried Herder (1744 - 1803) "Stimmen der Völker in Liedern", Heinrich Heine (1797 - 1856), Achim von Arnim (1781 - 1831) und Clemens Brentano (1778 - 1842) "Des Knaben Wunderhorn", das Vorbild der Gebrüder Grimm

13.04.2015
Wagners Vorstellung von der Erneuerung des Musiktheaters als "Gesamtkunstwerk", "Musikdrama" und antike Tragödie, Orchester übernimmt Funktion des Chores, "Leitmotiv", "Polyphonie des Unbewussten", Rückkehr des Kultischen, charakteristische Tonmaterialien, "diatonische" und "chromatische" Schritte; Wurzeln des Wagner-Klangs bei Carl Maria von Weber (1786 - 1826) und Hector Berlioz (1803 - 1869), Fortwirken der Kunst des Instrumentierens ("Fülle der Kombinationen") in der symphonischen Musik der Spätromantik, Entwicklung des Orchesters im 19. Jahrhundert: Erweiterung von Größe und Instrumentarium, Anton Bruckner (1824 - 1896) Symphonie Nr. 7 in E-Dur, 2. Satz; Wagners Beziehung zu Ludwig II. von Bayern (1845 - 1886), München und Bayreuth, architektonische und akustische Konzeption des Festspielhauses, Ouvertüre zu "Rheingold", Klangmystik, Prototyp des Medientheaters

23.03.2015
Beethovens Menschheits-Botschaft, sein Ringen um die Oper, die "Leonoren"-Ouvertüren; Beethoven-Nachfolge in Frankreich: Hector Berlioz (1803 - 1869), Massenorchester und Instrumentationskunst; Gattungen des Musiktheaters: "Nummernoper", "romantische Oper", "Musikdrama"; Richard Wagners (1813 - 1883) Umgang mit dem Beethoven'schen Erbe, Biografisches, Werküberblick, zentrale Motive (himmlische und irdische Liebe), Ouvertüre zu "Tannhäuser", zum Minnesang des Mittelalters, die Bedeutung von "Diatonik" und "Chromatik", "Leitmotiv", Rolle des Orchesters, zunehmende Beachtung der Klangfarbe

16.03.2015
Die klassische "Gerüstbautechnik"; das Prinzip der Sonatenform als Analogie zu Denkmodellen des philosophischen Idealismus, der Dialektik-Begriff Georg Friedrich Wilhelm Hegels (1770 - 1831), Aufklärung und "Wahrheit" der Kunst, die Aura des Religiösen; zum Begriff des "Klassischen": "Weimarer" und "Wiener Klassik", Klassik und Romantik; die Beziehung zwischen Klangkörper und Konzertraum, das Klangideal der neuen bürgerlichen Gesellschaft, Ausbildung überregionaler Besetzungsstandards im 18. Jahrhundert, europäische und amerikanische Orchesteraufstellungen, die neue Funktion des Dirigenten, Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) "Symphonie Nr. 8" in F-Dur op. 93, 1. Satz, Exposition, Durchführung, Struktur des Hauptthemas (erweiterte Periode, Klangfarbenwechsel), "motivisch-thematische Arbeit", Prinzip der Entwicklung, Beethovens Persönlichkeit

09.03.2015
Zum klassischen Themendualismus, Aspekte musikalischer Gegensatzbildung: Melodik (Ambitus, Intervallgröße), Dynamik (Niveau, Kontrast), Gestus (dramatisch, lyrisch), Harmonik (Zustand, Rhythmik), Phrasierung etc. Das dialektische Prinzip im Schema des Sonatensatzes: Exposition, Durchführung, Reprise, Coda; dynamische Prozesse und Entwicklungsformen; Ziel der autonomen Instrumentalmusik: Verzicht auf Sprache, umfassende Darstellung des Ideellen nur in Tönen (Beethoven) => "absolute Musik", der deutsche Begriff der "Tonkunst" im 19. Jahrhundert

02.03.2015
Der musikalische Gattungsbegriff; die zyklischen Formen des 18. Jahrhunderts: Sonate und Symphonie, typische Satzfolgen; die für die Klassik zentrale Sonatensatzform (meist im ersten Satz); Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 - 1791) Klaviersonate Nr. 14b in c-moll, KV 457, 1. Satz "Molto Allegro" (Vadim Chaimovich): Anlage von Haupt- und Seitenthema (8-taktige Perioden, dialogische Struktur, dynamischer und melodischer Gestus, Tonika-Dominant-Pendel, Modulation, Unisono gegen homophone Passagen); Exkurs: Haupt- und Nebenfunktionen einer Tonart, Beziehungen zwischen Tonarten (quintverwandte Tonarten, Paralleltonarten, gleichnamige Tonarten), Quintenzirkel

23.02.2015
Stilwandel in der Mitte des 18. Jahrhunderts: Carl Philipp Emmanuel Bach (1714 - 1788) und der "Empfindsame Stil", die "Mannheimer Schule", Flöte als Modeinstrument, kulturgeschichtliche Voraussetzungen, Johann Stamitz (1717 - 1757) "Sinfonia à 8", "La Melodia Germanica", Anfänge der Klarinette, der Nürnberger Instrumentenbauer Johann Christoph Denner (1655 - 1707), Musikhistoriker des 18. Jahrhunderts: Charles Burney (1726 - 1814), Christian Friedrich Daniel Schubart (1739 - 1791), Verfeinerung der Spieltechniken, Bedeutung des richtigen Bogenstrichs, Entdeckung der Dynamik (im Gegensatz zur "Terrassendynamik" des Barock), Qualität und Selbstverständnis des Mannheimer Orchesters, "Mannheimer Manieren", der Einfluss auf W. A. Mozart; die klassische "8-taktige Periode" als Grundlage des Themenbaus: Symmetrie von "Vordersatz" und "Nachsatz"; "Wiederholung" und "Sequenz"; Wandlungen der Gattung "Symphonie"

09.02.2015
Zur akkordischen Verwendung von Skalen in der Musik der Gegenwart: Cluster-Technik und erweiterte Jazz-Harmonik, Akkordbezeichnungen; Generalbass-Technik: leitereigene und alterierte Töne, Regeln zu Akkordbildung und Stimmführung, Basston versus Grundton, Kryptisches in der Generalbass-Schrift; Georg Philipp Telemann (1682 - 1767) aus den "Singe-, Spiel- und Generalbass-Übungen", J. S. Bach zum Wesen des Generalbasses; Analogien zwischen Generalbass-Technik und moderner Akkordbezeichnungs-Praxis

02.02.2015
diatonische und chromatische Cluster; Hans Heinrich Eggebrecht: Autonomie der Instrumentalmusik; Giovanni Gabrieli "Canzoni per sonar", Imitationsformen und "coro-spezzato"-Technik, Instrumentarium des Frühbarock; zum Begriff des "Konzertierens": Michael Praetorius (1571 - 1621) in "Syntagma Musicum"; Form und Elemente der Suite; Georg Friedrich Händel (1685 - 1759) "Wassermusik": Instrumentalmusik des Hochbarock, zum Begriff der "Symphonie"; Generalbass: vertikale (Akkordstruktur) und horizontale (Stimmführungsregeln) Aspekte, Improvisation, Besetzungen der Continuo-Gruppe