Repetitorium Oberstufe 11 Musik – SS 2019

Klangkörper im Wandel – Sonate und Symphonie – Filmmusik – Musik und Politik

Personen: fett - Hörbeispiele unterstrichen - wichtige Begriffe in " "


05.07.2019
deutsche Kulturpolitik zwischen 1933 und 1945: agressive Abgrenzung gegenüber freien Strömungen in der Weimarer Republik, "Kraft durch Freude" (KdF), Bücherverbrennung, "entartete Kunst", "entartete Musik", Bewertung des Jazz, Einführung von "Reichsmusiktagen"; "völkische Revolution" und Rassenideologie, Julius Streichers Wochenzeitung "Der Stürmer", Carl Maria von Webers (1786 - 1826) Oper "der Freischütz" und das Klangidiom der deutschen Romantik, der Umgang mit dem jüdischen musikalischen Erbe, Verbannung der Werke Felix Mendelssohn-Bartholdys (1809 - 1847), Gustav Mahlers (1860 - 1911) u. a., Umdeklaration von Liedtexten, Heinrich Heines (1797 - 1856) "Loreley" in der Vertonung Friedrich Silchers (1789 - 1860), deutsche Mythologie und antike Wurzeln; jüdische Musikerbiografien während der NS-Zeit: Kurt Weill (1900 - 1950), Viktor Ullmann (1898 - 1944), Arnold Schönberg (1874 - 1951); "Kulturbolschewismus" als Feindbild des Nationalsozialismus, "gesunde Musik", Bewertung des Dreiklangs; Richard Strauss (1864 - 1949 – "Olympische Hymne") und die Reichsmusikkammer; der ambivalente Umgang mit dem Jazz, Swing im Deutschland der 30er Jahre ("Chattanooga Choo Choo" in den Versionen der Bigbands von Glenn Miller und Teddy Staufer); Rundfunk als Medium musikalischer Propaganda, Stalingrad, Durchhalteschlager (Fred Raymond "Es geht alles vorüber"), Kontrafakturen; Versuche zur Vergangenheitsbewältigung in der Musikpädagogik der 1950er bis 70er Jahre
Zusammenfassung: Tonart S. 104 - 119

28.06.2019
kreatives Schaffen unter den Bedingungen totalitärer Herrschaft: Sowjetunion, der historische Rahmen (Leninkult, Stalin'scher Terror, Chruschtschow'sches Tauwetter, Kulturaustausch zu Zeiten des Kalten Krieges), musikalische Produktion und allgegenwärtiger Legitimationsdruck, Schriftsteller-, Künstler- und Komponistenverbände, Rechtfertigungsstrategien, "sozialistischer Realismus"; Schlüsselbegriffe des kulturellen Feindbildes in der Sowjetunion: "Avantgarde", "Fäulnis bürgerlicher Kultur", "Formalismus"; Blüte der russischen Kultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts, revolutionäres Pathos und visionäre Entwürfe: "Suprematismus" (der Maler Kasimir Malewitsch (1878 - 1935)), "Futurismus" (der Dichter Wladimir Majakowski (1893 - 1930)), dirigentenlose Sinfonieorchester in den Anfängen der UdSSR, Revolutionslieder ("Brüder, zur Sonne, zur Freiheit"), Arbeiterchöre, der Dirigent Hermann Scherchen (1891 - 1966), die ideologische Erstarrung der Stalinzeit, "sozialistischer Realismus" in der Musik, zunehmende Bedeutung von Ironie und Doppelbödigkeit, Dmitri Schostakowitsch (1906 - 1975) "12. Sinfonie in d-moll – das Jahr 1917", 1. Satz, Themenbau, Entwicklung, Form und kompositorische Idee, seine Oper "Lady Macbeth von Mzensk" nach der gleichnamigen Erzählung von Nikolai Leskow (1831 - 1895), Reaktion der "Prawda": "Chaos statt Musik", allgegenwärtige Angst: Schostakowitsch und Marschall Tuchatschewski ("Maxim und Galina Schostakowitsch über ihren Vater"), monumentaler Jubel in seiner "5. Sinfonie" als Bußübung?

31.05.2019
Claude Debussy "Sirénes": verschwimmende Rhythmik, rituelle Melodik, Auflösung traditioneller Akkordbeziehungen im Rahmen der funktionalen Harmonik, frei schwebende Klänge, Aufgreifen archaischer Formen, neue Skalen ("Ganztonleiter", "Pentatonik", "akustische Skala"); Aspekte der historischen Aufführungspraxis: Probleme der Edition, "praktische Einrichtung", "Urtext", die Bewertung musikhistorischer Zusammenhänge im Spiegel des europäischen Fortschrittsgedankens, Auswirkungen auf den Instrumentenbau, Wandel der Streichinstrumente, Veränderungen im Bau von Holzblasinstrumenten (Materialien, Grifflöcher und Klappensysteme, die "Böhm"-Flöte), zur Entwicklung der Blechblasinstrumente (Umgang mit der Obertonreihe, "Clarinblasen", Ventile und Züge)

24.05.2019
Referat Anna Friesl: Gustav Holst "The Planets", Aspekte der Beziehung von Musik und Astronomie / Astrologie ("musica mundana", Joseph Haydns "Schöpfung" und Wilhelm Herrschels astronomische Entdeckungen), Weiterführung der Klangtradition des französischen Impressionismus: Claude Debussy (1862 - 1918), nach früher Wagner-Verehrung völlige Abwendung vom spätromantischen Klangideal, neue Wege in Tonmaterial und Harmonik, neuer Umgang mit der menschlichen Singstimme ("Sirénes" aus dem Orchesterwerk "Trois Nocturnes" von 1900), Rezeption in der Filmmusik; Referat Azizah Leidel: "Historische Aufführungspraxis", Unterschiede im Umgang mit der musikalischen Tradition in westlichen und nicht westlichen Kulturen, Gleichzeitigkeit verschiedenster Stile in der Gegenwart, Barockmusik etwa war dagegen ausschließlich zeitgenössische Musik, Mendelssohn als Pionier, unterschiedliche Blickrichtungen auf Phänomene älterer Musik, die Rolle der Musikwissenschaft als philologischer Disziplin, die Tempofrage bei Beethoven

12.04.2019
"Konzert" als Veranstaltung und als Gattung: Wurzeln bei Giovanni Gabrieli und Heinrich Schütz ("kleine geistliche Konzerte"), Bedeutungsebenen von "concertare", "Concerto grosso" (Antonio Vivaldi (1678 - 1741) "L'estro armonico, op. 3, Concerto Nr. 11"), "Solokonzert" des 18. und 19. Jahrhunderts (Peter I. Tschaikowsky (1840 - 1893) "Violinkonzert D-Dur, op. 35, 3. Satz"), spieltechnische Herausforderungen, "Doppel-", "Tripelkonzert", "konzertante Sinfonie", "Konzert für Orchester" (Béla Bartók (1881 - 1945)); zur Entwicklung des Konzertprogramms, die Rolle des Dirigenten: Ursprung bei Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847), wichtige Dirigenten des 20. Jahrhunderts: Bruno Walter (1876 - 1962), Wilhelm Furtwängler (1886 - 1954), Herbert von Karajan (1908 - 1989), Philippe Herreweghe (* 1947), Simon Rattle (* 1955) u. v. a., Versuche zur "Überwindung" des Dirigenten; Aspekte der Musikkritik, Eduard Hanslicks (1825 - 1914) Schrift "Vom Musikalisch Schönen" (Musik als "tönend bewegte Form"): Parteinahme für Positionen einer "absoluten Musik", der Begriff der "Werktreue", Bandbreite von Interpretation: Ludwig van Beethoven "Klaviersonate f-moll, op. 57 (Appassionata)", 1. Satz

12.04.2019
Zur Entwicklung des Konzertwesens: Musik des Bürgertums, besondere Situation in Europa, Wurzeln in kirchlichen Institutionen, Einfluss der Säkularisierung, symphonische Musik und "Kunstreligion" in der Romantik, Entstehung im Barock, Veranstaltungskonzepte ("Abonnement", "Subskription", "Subvention", "Crowdfunding"), reale Kosten eines Opernhausplatzes, unterschiedliche politische Bewertungen, Konzertwesen in sozialistischen Gesellschaften

05.04.2019
Musik im Genre des Science-Fiction-Films: Louis und Bebe Barron erzeugen mit analogen Mitteln einen Soundtrack aus elektronischen Klängen für "Forbidden Planet" (1956 – Thematik: Verselbständigung technischer Strukturen u. a.), Verwandtschaft mit und Abgrenzung zur Elektronischen Musik von Karlheinz Stockhausen; Musik von György Ligeti (1923 - 2006, "Atmosphères", "Lux Aeterna", "Requiem") in Stanley Kubricks "2001 - A Space Odyssey" (Thematik: unbeabsichtigte Wirkungen Künstlicher Intelligenz u. a., Urheberrechtsfragen); zum Berufsbild des Orchestermusikers: Situation in Deutschland, Struktur der Orchesterlandschaft, Auswahlverfahren, Berufs- und Laienorchester, Erfüllung durch Ensemblespiel, gesundheitliche Risiken, besondere Stress-Situationen für einzelne Instrumentalisten (Pauken, Hörner, Englischhorn-Solo aus Antonin Dvoraks "Symphonie aus der Neuen Welt – 2. Satz"), chorische und solistische Besetzungen

29.03.2019
Richard Wagner und Giuseppe Verdi (1813 - 1901) als Konkurrenten, die Differenzen in Ästhetik und musikalischer Konzeption; einige Grundzüge der Nibelungensage: Siegfried, Kriemhild, Gunther, Hagen, Ute, Brünhild, Walküren, Alberich, Tarnkappe; aktuelle Tendenzen bei der Inszenierung der Wagner'schen Werke; "Art déco" und Schauspielkunst bei Fritz Lang; zur Rolle der Musik im Tonfilm: "Underscoring", "Leitmotiv"- und "Mood"-Technik, Vielfalt der musikalischen Genres, Möglichkeiten und Gefahren; John Williams "Star Wars"-Soundtrack, Wagners "Walkürenritt" in Francis Ford Coppolas "Apocalypse now", die italienischen Filmmusikkomponisten Ennio Morricone (* 1928) und Nino Rota (1911 - 1979), der Regisseur Federico Fellini (1920 - 1993)

22.03.2019
Nachwirkungen der romantischen Orchestersprache im neuen Medium des Films: zur Entwicklung des Stummfilms, Rolle von Klang und Musik, das romantische Erbe, typische Genres, Filmorchester, Regisseure, Fritz Lang (1890 - 1976) "Die Nibelungen": "Wie Siegfried den Drachen erschlug", "Kriemhild betrauert den toten Siegfried", Stummfilm im gegenwärtigen Musikleben; Richard Wagner und Ludwig II. von Bayern: Theater-Pläne und Realisierung des Festspielhauses Bayreuth, antike Wurzeln, der "mystische Graben", "Polyphonie des Unbewussten", die "Ring"-Tetralogie, daraus Vorspiel zu "Reingold"

01.03.2019
Beethovens "Symphonie Nr. 8", 1. Satz, Durchführung und Reprise, der dialektische Prozess, Beethoven als Initiator der Romantik und als Ausgangspunkt des Konflikts zwischen "Programmmusik" (Hector Berlioz, Franz Liszt, Richard Strauss u. a.) und "absoluter Musik" (E.T.A. Hoffmann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms u. a.), Berlioz erweitert Größe und Farbenreichtum des Orchesters, seine Vorstellung einer "idée fixe", Richard Wagner (1813 - 1883): Biografisches und Werküberblick, Schriften, Konzept des Musikdramas, Weiterentwicklung des Beethoven'schen Erbes durch Verwendung von "Leitmotiven", Ouvertüre zu "Tannhäuser" (1845): inhaltliche Gegensätze und die Rolle von Diatonik und Chromatik, der verminderte Septakkord, die Bedeutung der Instrumentation, Besetzung des "Nibelungen"-Orchesters

22.02.2019
Kriterien zur Beurteilung musikalischer Gestalten: motivische Anlage, Artikulation, Satztyp, Charakter; Allgemeines zum Begriff der Klassik, Alberti-Bässe; Dramaturgie einer klassischen Durchführung am Beispiel von Mozarts KV 457: Vertauschung des Tongeschlechts der beiden Themen, dynamische Entwicklung eines ursprünglich statischen Gedankens, neues Material, harmonische Irritationen, individuelle Lösungen; veränderte Konstellationen in der Reprise nach den Turbulenzen der Durchführung; die Sonatensatzform im symphonischen Kontext: Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) "Symphonie Nr. 8 in F-Dur op. 93", 1. Satz, Dramatik des Ausdrucks, Kontrastbildung durch Instrumentation, Sprengen des klassischen Formenkanons: Hauptthema mit doppeltem Nachsatz, motivisch-thematische Arbeit in der Durchführung; Standardisierung der Orchesterbesetzung und -aufstellung; Biografisches, die Problematik der Handschrift, Beethoven und die Revolution, unterschiedliche Bewertungen in deutscher und französischer Tradition, Hector Berlioz (1803 - 1869) knüpft auf spezifische Weise an die Beethoven'sche Symphonik an

15.02.2019
Mozarts Werke und das "Köchelverzeichnis", Sonatensatzform: Struktur der "Exposition", "Gerüstbautechnik", der klassische Themendualismus, Haupt- und Seitenthema in KV 457, 1. Satz, Kriterien zur Beurteilung musikalischer Gestalten: Dynamik, Melodik, Rhythmik

08.02.2019
Unterschiede in der Ästhetik des Barock und der "Empfindsamkeit"; Aspekte des Zusammenhangs von Musik und Architektur: Proportionenlehre als Bindeglied, Antike (Tempel von Paestum), Gotik (Kathedrale von Chartres), Renaissance (Malatesta-Tempel in Rimini), Barock (Dom San Marco in Venedig), Moderne (Le Corbusier: Modulo, Kapelle Ronchamp, Unité d'Habitation etc.); zur Entwicklung der Konzertsäle seit dem 19. Jahrhundert: politisch-gesellschaftliche Voraussetzungen, Wiener Musikvereinssaal, Berliner Philharmonie, Philharmonie an der Regnitz Bamberg, Münchener Gasteig, Alte Oper Frankfurt, Hamburger Elbphilharmonie, "Schuhschachtel-Prinzip" versus "Weinberg-Architektur"; "Gattung" und "Form" in der Musik, die "Sonate" als zentrale Gattung des 18. und 19. Jahrhunderts (vgl. Schema der Sonatensatzform): die 8-taktige Periode, Vordersatz, Nachsatz, Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791) "Klaviersonate in c-moll, KV 457", 1. Satz "Molto Allegro", spieltechnische Konzepte

01.02.2019
Übungen zum Generalbass; Kontrast zur Welt des Barock: "empfindsamer Stil", J. S. Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel Bach (1714 - 1788) als Cembalist am Hof Friedrichs des Großen von Preußen in Potsdam, der Hof des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz und die "Mannheimer Schule", Umfang und Struktur des Orchesters, Qualifikation der Musiker, Spieltechniken, Entdeckung der Dynamik (im Gegensatz zur "Terassendynamik" des Barock), zunehmende Bedeutung des Melodischen, "Mannheimer Manieren", Johann Stamitz (1717 - 1757) "Sinfonia à 8" aus "La Melodia Germanica", Zeugnisse (Christian Friedrich Daniel Schubart, Charles Burney), W. A. Mozarts Beziehung zu Mannheim, der Nürnberger Instrumentenbauer Johann Christoph Denner (1655 - 1707) erfindet die Klarinette

25.01.2019
Georg Philipp Telemann (1681 - 1767) als Repräsentant eleganter barocker Musikkultur; musikalisches Handwerk und theologische Weltsicht, Harmonik und Mathematik, zur Praxis der Generalbasstechnik: Akkordaufbau, Bedeutung der Zahlen und Symbole, Unterschied zwischen Basston und Grundton, Verdoppelungsregeln, Umkehrungen des Dreiklangs (Grundform, Sextakkord, Quartsextakkord), Umkehrungen des Vierklangs (Grundform, Quintsextakkord, Terzquartakkord, Sekundakkord), Stimmführungsregeln (gleiche Töne, benachbarte Töne, Parallelenverbot)