Repetitorium Oberstufe 11 Musik – WS 2012/2013

Musik und Religion

Personen: fett - Hörbeispiele unterstrichen - wichtige Begriffe in " "


14.01.2013
Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) "Herr, unser Herrscher" (Eingangschor der Johannespassion); wichtige Bachforscher: Albert Schweitzer, Philipp Spitta, Alfred Dürr; Affektenlehre und musikalische Rhetorik des Barock: die 6 Grundaffekte des René Descartes (1596 - 1650), Figurenlehre und Tonsymbolik ("B-A-C-H" etc.); Formelemente barocker Kantaten und Oratorien: "Chor", "Rezitativ", "Arie", "Choral"; J. S. Bachs kirchenmusikalisches Schaffen: 200 Kantaten, Weihnachtsoratorium, Passionen, h-moll-Messe etc.; aus der Johannespassion: "Ich folge dir gleichfalls" (Sopranarie), Textausdeutung, "Koloratur", "Wer hat dich so geschlagen" (Choral), "Bist du nicht seiner Jünger einer?" (Turba-Chor), "Er leugnete aber und sprach"(Rezitativ); zum Generalbass-Spiel des Hochbarock

17.12.2012
Musikwissenschaft und -theorie des Barock: Athanasius Kircher (1602 - 1680) "Musurgia universalis", Weltbild, Allegorie und Symbolik, Akustik, Anatomie, Entwicklungslehre, Vogelgesang, Affektenlehre, altgriechische Musik, Stimmungssysteme und Instrumentenbau, "musica mechanica", Nachwirkungen in der aktuellen Musikproduktion; Orgelmusik des 17. Jahrhunderts: Girolamo Frescobaldi (1563 - 1643) "Toccaten", Improvisation und Verzierungskunst, Johann Pachelbel (1653 - 1706) "Fantasia sub elevatione", Spielfiguren und erweiterter Kontrapunkt, Organist in Nürnberg (St. Sebald), Pachelbel-Preis der ION ("Internationale Orgelwoche Nürnberg")

03.12.2012
Heinrich Schütz doppelchörige Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied" (Psalm 98 – Dresdner Kreuzchor, Ltg. Rudolf Mauersberger): Einflüsse Monteverdis und Giovanni Gabrielis; zur Tradition der Knabenchöre; Idee und Aufführungspraxis mehrchöriger Werke, die Dresdner Hofkapelle; der politische Rahmen: Dreißigjähriger Krieg, Andreas Gryphius "Tränen des Vaterlandes"; Eigenständigkeit der deutschen Sprache, Schütz' "Verkündigungsabsicht", "Tonmalerei", Wortausdeutung und Deklamation, "Madrigalismen", "Chromatik", Geistliches Konzert "Freue dich des Weibes deiner Jugend", das "Hohelied Salomos" und seine Vertonungen, große Notenwerte als Folge der früheren Mensuralnotation, virtuose instrumentale Figuren, Adaptionen für Stimmen

19.11.2012
Musikalische Gattungen des 15. und 16. Jahrhunderts: "Messe", "Motette" (geistlich, lateinischer Text), "Madrigal", "Chanson", "Lied" (weltlich, Texte in der Landessprache); Humanisten versuchen Integration antiker Mythologie in christliche Theologie (Marsilio Ficino, Pico della Mirandola u.a.); das formale Konzept von Monteverdis "Marienvesper": "Antiphon" – "Psalmus" – "Concerto", die neue "monodische Form", Vokal- und Instrumentalbesetzungen ("Cornetti", "Zinken"), Virtuosität, Generalbaß, Basslinie und Bezifferung, Freiräume zur Improvisation, die "Continuo-Gruppe"; der Dom "San Marco" in Venedig und der Anfang einer musikalischen Raumgestaltung, Giovanni Gabrieli (1557 - 1613) "Canzoni per sonar", Mehrchörigkeit, "coro-spezzato"-Technik, die barocke Faszination von Echo und Hall; Fortführung dieser Einflüsse nördlich der Alpen, Dresden: "Florenz des Nordens", Biographisches zu Heinrich Schütz (1585 - 1672), Anfänge einer deutschen Musikgeschichte

12.11.2012
Musik in der Sixtinischen Kapelle: Gregorio Allegris (1582 - 1652) "Miserere" für 6 Stimmen (Tallis Scholars) und der junge Mozart; Typen des mehrstimmigen Satzes: "Unisono", "Homophonie", "Polyphonie"; Renaissance und Barock, politische Situation, Entfaltung der Naturwissenschaften (Entdeckung der Obertonreihe), der Übergang zum 17. Jahrhundert als Wendepunkt in der europäischen Musikgeschichte, zur Entstehung der Oper, antike Inhalte, die Rolle der oberitalienischen Städte und Fürstenhöfe als Kunstzentren und Stätten des Humanismus, der "Orpheus"-Mythos und die Faszination des natürlichen Klangs, "stile antico" ("prima prattica") und "stile moderno" ("seconda prattica"), das Verhältnis von Sprache und Musik als Stilkriterium, Aufstieg der Instrumentalmusik; Claudio Monteverdi (1567 - 1643) "Responsorium" aus "Marienvesper" (Andrew Parrott) als epochenverbindendes Werk, Gesangsstile

05.11.2012
die Form der Messe und die Rhythmik des Kirchenjahrs, "Ordinarium" (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei) und "Proprium Missae", der Wert der schriftlichen Überlieferung, Handschriften und Stimmbücher, Komponieren ohne Partitur, Ideal des prächtigen Klangs (Antoine Brumel (~ 1460 - 1515) "Kyrie" aus "Missa Et ecce terrae motus"), Rolle der Instrumente, Giovanni Pierluigi da Palestrina (1514 - 1594) "Kyrie" aus der "Missa brevis": Durchimitation und Ausgeglichenheit der Stimmführung, der "Palestrinastil"; unterschiedliche Bewertungen des kontrapunktischen Stils zur Zeit der Reformation, der Einfluß des Tridentiner Konzils (Trient 1545 - 1563) auf die Entwicklung der Kirchenmusik, Textverständlichkeit versus Textausdeutung, Palestrina "Kyrie" aus der "Missa Papae Marcelli" für 6 Stimmen; Raum und Zeit im musikalischen Bewußtsein, zum Selbstvertändnis des Renaissance-Menschen (Leonardo da Vinci (1452 - 1519)), Entwicklung der Perspektive

22.10.2012
"Niederländische Vokalpolyphonie": Dufay als Vaterfigur, Generationen und typischer Lebensweg, die Kathedrale von Cambrai als musikalisches Zentrum, Besetzungen, Kanonkünste und kontrapunktische Verfahren, Josquin Desprez (1440 - 1521) als Repräsentant einer gesamteuropäischen Musikkultur, "Kyrie" aus der "Missa Pange Lingua", Verfahren des Zitierens, kanonische Techniken, Stimmpaare, Mensuralnotation, Aufführungspraxis: singende Engel, innerer Gestus des Gesangs, burgundische Pracht und Ikonographie im "Genter Altar" des Jan van Eyck, die Sängergruppe des Johannes Ockeghem (~1420 - 1495), Proportionskanon: "Agnus Dei II" aus Josquin Desprez' "Missa 'l'homme armé super voces musicales'": Vielfalt aus Einfachem, Überlagerung einer einzigen Linie mit sich selbst in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, religiöse Symbolik, Verschlüsselung und codierte Notation, Reproduzierbarkeit als abstrakter Programmcode

15.10.2012
Mathematische Aspekte der "musica mundana", Körpersäfte und Temperamente in der Vorstellung der "musica humana"; Rechenoperationen bei Intervallverhältnissen, Entwicklung des pythagoreischen Tonsystems aus Reihen reiner Quinten, Ableitung von "genus naturale" (Ausgangston C), "genus durum" (Ausgangston G), "genus molle" (Ausgangston F); zeitliche Dehnung gregorianischer Melodien im Organum (Perotinus Organum "Sederunt principes"), und im Cantus firmus des 15. und 16. Jahrhunderts, Zeitalter der niederländischen Vokalpolyphonie, Guillaume Dufay (1400 - 1474) "Missa l'homme armé – Kyrie", das Hilliard Ensemble und die Kultur des englischen Ensemblegesangs, Stimmideal, Countertenor, der vierstimmige imitierende Satz, Stimmumfänge, alte Schlüssel, die metrische Vielfalt des spätmittelalterlichen Tempussystems (Mensuralsystem): Modus, Tempus und Prolatio in perfekter bzw. imperfekter Teilung; Entsprechungen im modernen Taktsystem?

08.10.2012
Pythagoreisches Weltverständnis als eine Wurzel christlich-abendländischer Kultur: Platons Dialog "Timaios" als Quelle, Demiurg, Zahl, Maß, Gewicht, ihre Verhältnisse, Elemente, Seele, hörbare Geometrie, anschaulicher Klang, Tetraktys und heilige Zehn, komplexe Systeme aus einfachen ganzen Zahlen, Raffaels "Schule von Athen", Musiktheorie und Konzeption von Tonsystemen am Monochord; antike Proportionen und Entwicklung der modernen Akustik: Entdeckung der Obertonreihe im Barock, Universalität der Schwingungsgesetze, umgekehrte Proportionalität von Saitenlänge und Frequenz, Klangfarbe und Klangspektrum, aktuelle Forschungen; Perotinus Magnus (~ 1200) Organum "Viderunt omnes" (Hilliard Ensemble): Entstehung der Mehrstimmigkeit im Kontext des gregoriansichen Chorals an der Kirche Notre Dame in Paris, "Notre-Dame-Epoche", Harmonik orientiert sich an einfachen pythagoreischen Intervallen; Hugo de Saint Victor (~ 1100) "Über die dreifache Musik"

01.10.2012
die Reform des Papstes Gregors des Großen: Stärkung des Christentums durch Vereinheitlichung der kirchlichen Gesänge in Europa; aus Zeichen für Rhetorik und Vortrag entwickeln sich "Neumen", regionale Ausprägungen, geometrische Interpretation von Tonhöhe im Sinne eines neu entstehenden Raumbewußtseins, Guido von Arezzo (um 992 - 1050): Erfindung des Liniensystems, "Hufnagelnotation", "Choralnotation", Mönchsschola der Benediktinerabtei St.Ottilien: Alleluja zur Osternacht, Aufführungspraxis: "Cantor", "Schola cantorum" und Mönchsschola; Christianisierung und Zivilisation, Klöster als Bildungszentren, Selbstverständnis des Mönchtums nach Benedikt von Nursia (480 - 547), Rhythmisierung und Musikalisierung des Alltags, Stundengebete, "Liturgie", Texte; Die Bedeutung des Pythagoras (582 - ~496 v.Chr.) und der Pythagoreer, Übernahme der antiken Musiktheorie ins mittelalterliche Tonsystem, die Schwingungsverhältnisse der konstituierenden Intervalle: Oktave (2:1), Quinte (3:2), Quarte (4:3); Übertragung des antiken Musikbegriffs auf Mittelalter und Renaissance: "musica mundana", "musica humana", "musica instrumentalis"; der spätantike Autor Boethius (~480 - 524): "De institutione musica", Transformation der Musen: die "Septem Artes Liberales" des Mittelalters, "Quadrivium" und "Trivium", zum Konzept der europäischen Universität

24.09.2012
Die religiösen Wurzeln der Musik als allgemeine Erscheinung; "Dies irae" aus W.A.Mozarts "Requiem", das "Dies irae" des Thomas von Celano, "Kirchenlatein", Inhalt, Charakter, Rhythmik und Versbau, "Tropus" und "Sequenz" als Erweiterung des Choral-Repertoires; Musik und Religion in christlicher Tradition: Synthese von jüdischem und griechischem Erbe, König David (~ 1000 v. Chr.) als Musiker und Dichter, die Prophetien der Sibyllen, Formen der Überlieferung; erbauende, staatsbildende und erzieherische Funktion der Musik, die Bedeutung Platons, der Heilige Ambrosius (333 - 397), der Heilige Augustinus (354 - 430) "De musica", Gestus der "Jubilation", der "gregorianische Choral", Gregor der Große (Amtszeit 590 - 604) als Namensgeber, Legenden, "Pueri Hebraeorum" (aus der Liturgie der Karwoche – Choeur Gregorien de Paris): Magie des reinen, unbegleiteten Gesangs, Rolle der Raumakustik, Einstimmigkeit, "syllabischer" und "melismatischer" Gesang, "Cheironomie"; Einflüsse des Ostens (byzantinischer Kulturkreis) in Stimmung und feinmelodischer Gestaltung: "Tui sunt celi et terra" (aus der Liturgie des Mailänder Doms – Ensemble Organum); die "Psalmodie", Psalmtöne als flexible Modelle der Melodiebildung

17.09.2012
Arbeitsmittel: "dtv-Atlas zur Musik", "Riemann-Musiklexikon" (RieL), "die Musik in Geschichte und Gegenwart" (MGG), "Wikipedia", ambivalente Aspekte der Informationsgesellschaft. Grundwissen: Notenschrift, Intervalle, Akkorde, Tonarten, Quintenzirkel – Notenwerte, Takte, Rhythmik – Akustik, Stimme, Instrumente – musikalische Formen – Epochengliederung. Wikipedia-Kategorien: Musikgeschichte, Musikinstrument, Musiktheorie, Musikwissenschaft.
Historische und systematische Musikwissenschaft (engl. Musicology). August Wilhelm Ambros, Philipp Spitta, Hugo Riemann, Hermann von Helmholtz, Curt Sachs, Carl Dahlhaus.
Musikalische Gestaltung religiöser Rituale in der europäischen Tradition: die Liturgie der katholischen Totenmesse, W.A.Mozarts (1756 - 1791) "Requiem"