Repetitorium Oberstufe 11 Musik – WS 2014/2015

Musik und Religion

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26.01.2015
Arvo Pärt "Credo" aus "Berliner Messe" (1990): "Tintinnabuli-Stil", modale Harmonik, Einfluss des amerikanischen Minimalismus (Steve Reich, Philipp Glass), was ist musikalischer Kitsch? Vertonungen alter religiöser Texte in der Neuen Musik: Krzysztof Penderecki (* 1933) "Dies Irae" aus "Polnisches Requiem", historischer Bezug; Alfred Schnittke (1934 - 1998) "Konzert für Chor" (1984/85) nach Texten aus dem "Buch der Klagen" des mittelalterlichen armenischen Mystikers Gregor von Narek

19.01.2015
Rezitative und Turba-Chöre in J. S. Bachs "Johannespassion": "Und Hannas sandte ihn", Virtuosität, Vielfalt des Affektausdrucks, Reichtum der Harmonik; geistliche Musik der Gegenwart: Arvo Pärt (* 1935) "Arbos" für Blechbläserensemble (1977), Wiederaufgreifen modaler Strukturen und alter kontrapunktischer Techniken, politische Rahmenbedingungen und kompositorische Entwicklung, Religion und Widerstand, "Credo" (1968), Distanz zur katholischen Liturgie, zeitgebundene Elemente im musikalischen Ausdruck

12.01.2015
Vertikale und horizontale Aspekte des musikalischen Satzes ("Melodik" und "Harmonik"); Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) als Kirchenmusiker: die Kantaten, Weihnachtsoratorium, Passionen, h-moll-Messe etc.; Formelemente barocker Kantaten und Oratorien: "Chor", "Rezitativ", "Arie" ("Ich folge dir gleichfalls" aus der "Johannespassion"), "Choral" ("Wer hat dich so geschlagen" ebd.); wichtige Bachforscher: Albert Schweitzer, Philipp Spitta, Alfred Dürr; Affektenlehre und musikalische Rhetorik des Barock: die 6 Grundaffekte des René Descartes (1596 - 1650), Figurenlehre und Tonsymbolik ("B-A-C-H" etc.), Textausdeutung, zum Generalbass-Spiel des Hochbarock

01.12.2014
Musikleben in Venedig um 1600: Monteverdi und Giovanni Gabrieli (1557 - 1612), der Dom "San Marco" und der Beginn einer musikalischen Raumgestaltung, Idee und Aufführungspraxis mehrchöriger Werke (Titelblatt einer Motettensammlung des Michael Praetorius), Heinrich Schütz (1585 - 1672) doppelchörige Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied" (Psalm 98 – Dresdner Kreuzchor, Ltg. Rudolf Mauersberger): Weiterführung der italienischen Einflüsse, Biographisches, der historisch-politische Rahmen: Dreißigjähriger Krieg (Andreas Gryphius "Tränen des Vaterlandes"), Anfänge einer deutschen Musikgeschichte im engeren Sinn, Texte in der Landessprache, Schütz' Geistliches Konzert "Freue dich des Weibes deiner Jugend", große Notenwerte als Folge der früheren Mensuralnotation, metrische Systeme bis zum Frühbarock, allmähliche Herausbildung des "Taktes"; der konzertierende Stil: virtuose instrumentale Figuren, Adaptionen für Stimmen; Textausdeutung, Deklamation und Dramaturgie, "Verkündigungsabsicht", "Tonmalerei", "Madrigalismen", "Chromatik"

24.11.2014
Oper und Religion: Humanisten versuchen Integration antiker Mythologie und neuzeitlicher Weltsicht in christliche Theologie; harmonische und melodische Möglichkeiten der Obertonreihe; Monteverdis "L'Orfeo": "Toccata" und "Prologo" mit Emma Kirkby als "Musica" (Text), Monodie, Generalbass, Basslinie und Bezifferung, Freiräume zur Improvisation; "stile antico" ("prima prattica") und "stile moderno" ("seconda prattica"), das Verhältnis von Sprache und Musik als Stilkriterium, Aufstieg der Instrumentalmusik; Monteverdis "Marienvesper" als epochen- und stilverbindendes Werk, das formale Konzept: "Antiphon" – "Psalmus" – "Concerto" (daraus: "Magnificat"); Vokalbesetzungen, Virtuosität, beginnendes Kastratentum, Instrumentalbesetzungen ("Cornetti", "Zinken"), die "Continuo-Gruppe"; Nikolaus Harnoncourt (* 1929): "historische Aufführungspraxis" und die Alte-Musik-Bewegung, Quellenstudien (Kombination von Notentexten und theoretischen Schriften)

17.11.2014
Reformation und Gegenreformation, der Einfluß des Tridentiner Konzils (Trient 1545 - 1563) auf die Entwicklung der Kirchenmusik, Textverständlichkeit versus Textausdeutung, Palestrina "Kyrie" aus der "Missa Papae Marcelli" für 6 Stimmen, der "Palestrinastil", Aufkommen homophoner Elemente bei Orlando di Lasso: Psalmvertonung "Domine Dominus noster" (King's Singers); Typen des musikalischen Satzes: "Unisono", "Homophonie", "Polyphonie", ("Heterophonie"); die Rolle der oberitalienischen Städte und Fürstenhöfe als Kunstzentren und Stätten des Humanismus, zur Entstehung der Oper, antike Inhalte, Claudio Monteverdi (1567 - 1643) am Übergang von Renaissance zum Barock, Entfaltung der Naturwissenschaften (Anfänge der modernen Akustik mit Marin Mersenne (1588 - 1648), empirische Bestätigung der pythagoreischen Vorstellungen, Entdeckung der Obertonreihe durch Joseph Sauveur (1653 - 1716)), die Faszination des natürlichen Klangs, Monteverdi "Responsorium" aus "Marienvesper" (Andrew Parrott), Gesangsstile

10.11.2014
Studien am Monochord: Oktavreihen, lineare Wahrnehmung versus exponentiell verkürzter Saitenlänge bzw. steigender Frequenz, Ableitung der vollkommenen Konsonanzen, das mittelalterliche Intervallsystem, "Harmonia est discordia concors", Auftauchen der Terz (5/4) als Konsonanz im 16. Jahrhundert (Gioseffo Zarlino 1517 - 1590); Generationen der "Niederländer", Johannes Ockeghem (~ 1420 - 1497), Orlando di Lasso (1532 - 1594 – Münchner Hofkapelle); Notation der polyphonen Musik, Handschriften, Codices, Drucke; Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 - 1594) "Missa brevis - Kyrie": Weiterentwicklung der Polyphonie im Sinne der Durchimitation, zunehmende Bedeutung des Dreiklangs; Grundsätzliches zur Kultur der Renaissance, unterschiedliche Bewertungen des polyphonen Stils, Martin Luther schätzt Josquin Desprez

03.11.2014
Die pythagoreische "Tetraktys" und ihre Bedeutung für die Harmonik: die "vollkommenen Konsonanzen" Oktave, Quinte und Quarte; antikes Gedankengut in der Musiktheorie der Renaissance: Franchinus Gaffurius (1451 - 1522); die musikalische Ikonographie im "Genter Altar" des Jan van Eyck (1390 - 1441); Vielfalt der kanonischen Verfahren: Guillaume Dufay "Gloria ad modum tubae", Proportionskanon "Agnus Dei II" aus Josquin Desprez' "Missa 'l'homme armé super voces musicales'", Vielfalt aus Einfachem, Überlagerung einer einzigen Linie mit sich selbst in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Verschlüsselung und codierte Notation, Reproduzierbarkeit als abstrakter Programmcode (SuperCollider), Thomas Tallis (1505 - 1585) 40-stimmige Motette "Spem in alium"; die liturgische Form der Messe mit "Ordinarium" (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei) und "Proprium" (Introitus, Alleluja, Tractus, Sequenz etc.)

20.10.2014
astronomische, mathematische und mythologische Aspekte der "musica mundana" (Michail J. Lermontow (1814 - 1841) "Der Engel"), Körpersäfte und Temperamente in der Vorstellung der "musica humana", die Musen der griechischen Antike und die "Septem Artes Liberales" des Mittelalters, Raffaels Darstellung der Heiligen Cäcilia; Europa und die Mehrstimmigkeit, "Notre-Dame-Epoche", Perotinus Magnus (~ 1200) Organum "Viderunt omnes" (Hilliard Ensemble – die Kultur des englischen Ensemblegesangs, Stimmideal, Countertenor): zeitlich gedehnte gregorianische Melodien als Basis für umspielende Stimmen, Harmonik orientiert sich an einfachen pythagoreischen Intervallen; die Epoche der "Niederländische Vokalpolyphonie": Vaterfigur Guillaume Dufay (1400 - 1474) "Missa l'homme armé – Kyrie", die Kathedrale von Cambrai als musikalisches Zentrum, typischer Lebensweg der "Niederländer", Repräsentant einer gesamteuropäischen Musikkultur: Josquin Desprez (1440 - 1521) "Missa Pange Lingua – Kyrie", der vierstimmige imitierende Satz, Besetzungen, Verfahren des Zitierens, Kanonkünste und kontrapunktische Verfahren, Stimmpaare; zur Aufführungspraxis der Renaissance: Darstellungen singender Engel, innerer Gestus des Gesangs

13.10.2014
Vielfalt der frühchristlichen Gesänge: Einflüsse des byzantinischen Kulturkreises in Stimmung und feinmelodischer Gestaltung: "Tui sunt celi et terra" (aus der Liturgie des Mailänder Doms – Ensemble Organum); der Heilige Ambrosius (333 - 397) und die "Psalmodie", Dichtungsform der Psalmen, Psalmtöne als flexible Modelle der Melodiebildung; erbauende, staatsbildende und erzieherische Funktion der Musik in der Antike, Augustinus: Anknüpfen an Platon, Schwanken zwischen Wort und Klang; "syllabischer" und "melismatischer" Gesang, "Alleluja" zur Osternacht (Mönchsschola einer Benediktinerabtei); Guido von Arezzo (um 992 - 1050): Entwicklung des Liniensystems; die "Septem Artes Liberales" des Mittelalters, "Quadrivium" und "Trivium", mathematische Aspekte der Musik, Intervallberechnung am Monochord, die Bedeutung des Pythagoras (582 - ~496 v.Chr.) und der Pythagoreer, Übertragung des antiken Musikbegriffs auf Mittelalter und Renaissance: "musica mundana", "musica humana", "musica instrumentalis"; der spätantike Autor Boethius (~480 - 524): "De institutione musica"; Platonismus in Paris: Hugo von Saint Victor (~1100) "De musica triplici"

06.10.2014
Kultivierung archaischer Praktiken und konsequente Umsetzung akustischer Forschungen: der Obertonsänger David Hykes (* 1953); Musik und Religion in christlicher Tradition: der Heilige Augustinus (354 - 430) "De musica", Gestus der "Jubilation", Einstimmigkeit, "Pueri Hebraeorum" (aus der Liturgie der Karwoche – Choeur Gregorien de Paris): Magie des reinen, unbegleiteten Gesangs, Rolle der Raumakustik; der "gregorianische Choral": Umfang des Repertoires; die Reform des Papstes Gregors des Großen (Amtszeit 590 - 604): Stärkung des Christentums durch Vereinheitlichung der kirchlichen Gesänge in Europa, Legenden; aus Zeichen für Rhetorik und Vortrag entwickeln sich "Neumen" ("Cheironomie"), regionale Ausprägungen, geometrische Interpretation von Tonhöhe im Sinne eines neu entstehenden Raumbewußtseins, "Choralnotation", Aufführungspraxis: "Schola cantorum" und Mönchsschola; Christianisierung und Zivilisation, Klöster als Bildungszentren, Selbstverständnis des Mönchtums nach Benedikt von Nursia (480 - 547), Rhythmisierung und Musikalisierung des Alltags, Stundengebete, "Liturgie"

29.09.2014
Epochengliederung der europäischen Musikgeschichte; die religiösen Wurzeln der Musik als allgemeine Erscheinung; religiöse Inhalte in islamischen Musiktraditionen; "Dies irae" aus W.A.Mozarts "Requiem", die Rolle des Lateinischen in der Kirchenmusik, die Sequenz "Dies irae" des Thomas von Celano, Notation, Inhalt, Charakter, Rhythmik und Versbau; die Musik des christlichen Abendlandes als Synthese von jüdischem (König David, ~ 1000 v. Chr., Dichter der Psalmen) und griechischem Erbe (u.a. die Prophezeihungen der Sibyllen); zur Musik des Buddhismus: Sanskrit, wachsendes westliches Interesse seit dem 18. Jahrhundert, der Dichter Hermann Hesse (1877 - 1962, "Siddharta" u.a.), der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788 - 1860, Wesen und Möglichkeiten der Musik), Richard Wagners (1813 - 1883) Plan einer buddhistischen Oper; Reinkarnation, Karma, Ideale der Leere und Askese, Gesang tibetischer Mönche, Meditation, das "Mantra" (Gebetsformel) "om mani padme hum", Instrumentarium buddhistischer Rituale, Bedeutung des einen Tons, Obertongesang

22.09.2014
Leistungserhebungen; Arbeitsmittel: "dtv-Atlas zur Musik", "Riemann-Musiklexikon" (RieL), "die Musik in Geschichte und Gegenwart" (MGG), "Wikipedia", Online-Repetitorium.
Grundwissen: Notenschrift, Intervalle, Akkorde, Quintenzirkel, Tonartenbeziehungen – Notenwerte, Takt, Rhythmus, Tempo (objektive Messung, Wortbezeichnung, körperbasiertes Tempo) – Akustik (Obertonreihe, Resonanz), Stimme, Instrumente – musikalische Formen – Epochengliederung. Begriffsfelder, Wikipedia-Kategorien: Musikgeschichte, Musikinstrument, Musiktheorie, Musikwissenschaft.
Historische und systematische Musikwissenschaft (engl. Musicology). August Wilhelm Ambros, Philipp Spitta, Hugo Riemann, Hermann von Helmholtz, Carl Dahlhaus