Repetitorium Oberstufe 12 Musik – WS 2015/16

Musik und Tradition

Personen: fett - Hörbeispiele unterstrichen - wichtige Begriffe in " "


18.01.2016
Vielfalt möglicher Skalenbildungen aufgrund erweiterter Oktavteilungen, indische und arabische Systeme, die Forschungen des Barock-Gelehrten Athanasius Kircher (1602 - 1680) in seiner "Musurgia universalis"; Kompositionsverfahren im Werk Strawinskis: "Collage", "Bi-" und "Polytonalität", additive Rhythmik, neue Anforderungen an ausführende Musiker und Tänzer, Ausschnitte aus "Petruschka" und "Le Sacre du Printemps" ("Das Frühlingsopfer"), Choreographien von Pina Bausch und Maurice Béjart, Wiederbelebung heidnischer Naturrituale, Sergej M. Gorodeckij "Man errichtet Jarila", Kontrast zu europäischen Kulturtraditionen

11.01.2016
Wurzeln der Kirchentonarten in der griechischen Antike, Bedeutung der Namen, Unterschiede zum Mittelalter; zum Tod von Pierre Boulez (1925 - 2016): Schüler Messiaens, explosives Temperament, "Serialismus", "Zweite Sonate für Klavier" (1948), "Aleatorik", Zusammenarbeit mit Frank Zappa (1940 - 1993) "The Girl in the Magnesium Dress" aus "The perfect Stranger" ("Ensemble InterContemporain"), "Répons" (1981) für Kammerensemble und Live-Elektronik, Tätigkeit als Dirigent (u. a. Wagner-Festspiele in Bayreuth), Gründung und Leitung des "IRCAM" (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique) im Pariser "Centre Pompidou", die "Donaueschinger Musiktage", die "Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik"; Schlüsselfiguren der klassischen Moderne: Igor Strawinski (1882 - 1971) Ballett "Petruschka", die großen Ballette, Zusammenarbeit mit Sergei Djagilew (1872 - 1929, "Ballets Russes"), Selbstbesinnung der russischen Kunst auf vorchristliche Wurzeln, die ästhetische Konfrontation Schönberg-Strawinski nach dem zweiten Weltkrieg (Theodor W. Adorno)

21.12.2015
neu erwachendes Selbstbewusstsein der Musiker ("… we were kings …"), Miles Davis "Miles Runs The Voodoo Down" aus "Bitches Brew" (1970), erweitertes modales Konzept und Einsatz von elektroakustischen Klangeffekten, Konsequenzen einer modal orientierten Musik: Grundtönigkeit, neues Zeitgefühl durch fehlende Kadenzierungen, "Mixturen" u. a.; Bebop-Harmonik: differenzierte Funktionalität mit erweiterten Akkorden, wegweisend und maßstabsetzend: "sheets of sound" in John Coltrane "Giant Steps" und "Naima", "A Love Supreme": Suche nach erneuerter Spiritualität; differenzierte Charakteristik der Kirchentonarten, modale Wendungen in der Rockmusik (The Beatles "Norwegian Wood"), der Reiz des Exotischen (indische Sitarklänge), Aspekte und Probleme der kulturellen Globalisierung

14.12.2015
Gegenüberstellung "funktionale" und "modale Harmonik": "Dur-Moll-System" seit Barockzeit, Haupt- (Tonika, Subdominante, Dominante) und Nebenfunktionen (Tonika-, Subdominant- und Dominantparallele) in der "Kadenz", charakteristisches "Verhalten" bestimmter Akkorde; Modalität in Antike und Mittelalter, in "außereuropäischen" Kulturkreisen, Wiederentdeckung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, modale Akkordbildungen bei Bartok und Messiaen, Quintenzirkel als Tonraum, Unterschied modales und dodekaphonisches Komponieren; das System der mittelalterlichen Kirchentonarten, Ableitung der Modi aus dem "genus", transponierte Modi u.a. im Jazz; Gegenbewegungen zum kommerziellen Mainstream: "Modal Jazz" als Weiterentwicklung von "Bebop" und "Cool Jazz" ("'Round Midnight"), kompromisslose Klangästhetik, Miles Davis (1926 - 1991; Trompete) und John Coltrane (1926 - 1967; Tenorsaxophon) "So What", Quarten-Akkorde

07.12.2015
Erweiterung des dodekaphonischen Ansatzes, Übertragung des Reihengedankens auf andere musikalische Parameter, Anton Webern "Streichquartett op. 28"; Olivier Messiaen "La Nativité du Seigneur" für Orgel (1936): "La Vierge et l'Enfant", "Les Anges", "Dieu Parmi Nous", Katholizismus, Tradition von Claude Debussy (1862 - 1918) und Maurice Ravel (1875 - 1937), "distanzielle Skalen": Teilung der Oktave in mathematisch gleiche Intervalle als Konsequenz der temperierten Stimmung, Ganztonleiter, Halbton-Ganztonleiter etc., Messiaens Modi als Quelle einer neuen farbigen Harmonik jenseits funktionaler Klangbeziehungen, Erweiterung der Rhythmik durch Anknüpfen an Igor Strawinski (1882 - 1971): "hinzugefügte Werte" und "Ostinati", freie Taktbildungen, Aufgreifen alter Formen ("Les Anges" als Bicinium in Anlehnung an Vertonungen des "Pleni sunt coeli" in der klassischen Vokalpolyphonie); stetige Entwicklung und Repetition als gegensätzliche Prinzipien kompositorischer Konzepte

30.11.2015
Das Interesse am Geräusch zu Beginn des 20. Jahrhunderts und Schönbergs Hinweis auf "entferntere Obertöne", unendliche Vielfalt der Klangspektren, Geräuschhaftigkeit höherer Obertonstrukturen, Spektren als Rhythmen; Demonstration Tamtam und Gong; die Suche nach den verborgenen Kräften des Lebens: Anton Webern und die Goethe'sche "Urpflanze", Olivier Messiaen (1908 - 1992) "Oiseaux exotiques" für Klavier und Kammerorchester (1955), Organist, Ornithologe, teilweises Anknüpfen an Anton Webern; Betonung der Farbigkeit des Klangs in der musikalischen Tradition Frankreichs

23.11.2015
Anwendung der Zwölftontechnik in konkreten Werken: horizontal (Melodiebildung, Rhythmisierungen), vertikal (Akkordbildung), Reihenschichtung; Arnold Schönberg "Präludium" und "Musette" aus "Suite op. 25": neue Tonordnung und barocke Formen; biografische Dokumente, zeitgleiches und unabhängiges Auftauchen des Gedankens der Zwölftonmusik in Europa, die Suche nach einer neuen musikalischen "Wahrheit"; Musiker und Maler zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Schönberg und Wassily Kandinsky (1866 - 1944), die Künstlergruppe des "Blauen Reiter", Anton Webern und Piet Mondrian (1872 - 1944); Alban Berg "Orchesterlieder op. 4": Behandlung der Singstimme, Erweiterung des Instrumentariums, Betonung alternativer Spieltechniken ("Flageolett", "sul ponticello" etc.); Partitur – Particell – Klavierauszug; Aufführungsskandale; Anton Webern "Bagatellen für Streichquartett op. 9": Vorahnung dodekaphonischer Strukturen, Zeitschichten in proportionaler Überlagerung

09.11.2015
Die Bedeutung Bela Bartóks: Anfänge einer Erweiterung des eurozentrischen Blicks in der Musik, Volksliedforschung, Grundlegendes zur Musikethnologie, Komposition und Wissenschaft; die "neue Wiener Schule": Arnold Schönberg, Alban Berg (1885 - 1935) und Anton Webern (1883 - 1945), Spätromantik, "Tonalität", "Atonalität", "Dodekaphonie"; Suche nach neuen Ordnungsstrukturen, die "Zwölftontechnik", "Grundgestalt", "Umkehrung", "Krebs", "Krebsumkehrung", "Transposition"; wichtige Impulse für die Musik nach 1945

26.10.2015
Der kulturelle Umbruch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Wien und die Psychoanalyse, Sigmund Freud, Träume, das Unbewusste, Richard Wagners "Polyphonie des Unbewussten"; anfängliche Fortsetzung der spätromantischen Tradition: Arnold Schönberg (1874 - 1951) "Kammersymphonie für 15 Soloinstrumente in E-Dur" op. 9 (1906), das Quartenmotiv des Anfangs als auflösendes Element, nervös-erregter Gestus; Lösung aus allen Bindungen, die Phase der Atonalität, vorsichtiges Abtasten unbekannter Seelenräume, "Sechs kleine Klavierstücke op. 19" (1911), Innenschau als umfassende Wahrheitssuche, Grenzüberschreitungen zwischen Musik und Bildender Kunst, "Farben" aus "Fünf Orchesterstücke op. 16" (1909), "Klangfarbenmelodie", "Klangfarbe" und "Klangspektrum" in der Akustik, "Konsonanz" und "Dissonanz" in der abendländischen Tradition, "Emanzipation der Dissonanz" als Bewusstseinserweiterung – Exkurs: der Hornist Felix Klieser

19.10.2015
Der Quintenzirkel und der Zusammenhang zwischen Themenbau und formalem Konzept in Bartóks "Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta", additive und multiplikative Metrik, Igor Strawinski (1882 - 1971) als Begründer einer neuen Rhythmik; Elemente der Fuge in der Neuen Musik: Stammvater einer spezifisch amerikanischen Moderne Charles Ives (1874 - 1954), das musikalische Werk des mexikanischen Komponisten Conlon Nancarrow (1912 - 1997, "Study for Player Piano No. 21: Canon X"), zur Tradition mechanischer Klaviere, pneumatische Technik, Stanzmaschinen, Rückgriff auf alte polyphone Verfahren, Gestaltänderungen eines Motivs ("Grundform", "Umkehrung", "Krebs", "Krebsumkehrung"), kompromißloser Umgang mit Zeitverläufen und -proportionen, "Study for Player Piano No. 40: Canon e/π"

12.10.2015
Die Fuge im Bach'schen Oratorien-, Kantaten- und Orgelwerk, "Fuge in g-moll, BWV 542", Dimension und technischer Anspruch; die Fuge bei Joseph Haydn (1732 - 1809): "Alles lobe seinen Namen" (Nr. 28 aus der "Schöpfung"); formale Experimente, "neuer poetischer Gehalt": Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) "Fuge aus der Hammerklaviersonate Nr.29 in B-Dur op.106, 4.Satz" (Sviatoslav Richter 1975), "Große Fuge op. 133 B-Dur" (1825/26, Alban-Berg-Quartett 1989); Rückbesinnung auf die Tradition der Fuge im 20. Jahrhundert: Béla Bartók (1881 - 1945) "Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta, 1.Satz", 1936 (Chicago Symphony Orchestra, James Levine), schrittweise Erschließung des chromatischen Tonraums durch Themenbau und quintengeschichtete Einsätze

05.10.2015
Das "Mathematische" im Werk J. S. Bachs, Handwerk und Konzeption versus Schaffen aus reiner Emotion, Strenge der Fugenform, konsequente Entfaltung des Satzes aus wenigen Grundgedanken (Thema, Kontrapunkt); Vorgriff: Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Marinettis "Futuristisches Manifest" (1909), rauschhafter Zukunftsglaube, russische Avantgarde (Wladimir Majakowski), Emanzipation des Geräuschs, die "Intonarumori" des Luigi Russolo (1885 - 1947), Erweiterung des klassischen Orchesters um industrielle und elektronische Klänge, Edgar Varése (1883 - 1965): "Amériques", die allgemeine Stimmung vor Beginn des ersten Weltkriegs

28.09.2015
Wiederholung: Typen des musikalischen Satzes; mathematische Hintergründe der Temperierten Stimmung, mathematische Errungenschaften des Barock: Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716, binäres Zahlensystem, "prästabilierte Harmonie"), der ideelle Hintergrund der Fugen J. S. Bachs; Monothematik, der Bau des Themas, Abgrenzung, Struktur des Kontrapunkts, gegenseitige Beziehungen der einzelnen Motive untereinander, einfacher und mehrfacher Kontrapunkt, Kombinationsmöglichkeiten, Konzept der Gesamtform, Durchführungen, Orgelpunkt, Engführungen, Gestaltänderungen (Umkehrung); Analyse der Fuge in d-moll aus dem "Wohltemperierten Klavier, Band I", zum Notenbild des polyphonen Satzes für Tasteninstrumente

21.09.2015
Rückblick: historische Aufführungspraxis, Musikästhetik, Programm- und absolute Musik, Sonatensatzform, Epochen-Überblick; Die Fuge als zentrale Form des Barock: J. S. Bach "Fuge in d-moll aus dem Wohltemperierten Klavier, Band I", Weiterführung der polyphonen Tradition vor harmonisch reicherem Hintergrund, das Konzept des einen statischen Themas, die Entstehung der temperierten Stimmung, die Anlage der beiden Bände des "Wohltemperierten Klaviers", daraus (Bd. I) "Präludium und Fuge in c-moll", Thema als Dux, Comes und in freier Tonart, tonale und reale Beantwortung, Fugenexposition im Gegensatz zu der der Sonate, Zwischenspiele mit thematischem Material und in freier Gestaltung, Disposition von Tonart und Tonraum