Repetitorium Oberstufe 11 Musik – WS 2016/2017

Musik und Religion

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30.01.2017
Exkurs und Rückblick: Grundlagen der Musiktheorie, Intervallproportionen am Monochord, umgekehrte Proportionalität von Saitenlänge und Frequenz, Obertonreihe aus ganzzahligen Vielfachen einer Grundfrequenz bzw. fortgesetzten Teilungen einer gegebenen Saitenlänge (Geometrie der Teilungspunkte zeigt exponentielle Kurve), Untertonreihe aus ganzzahligen Vielfachen einer gegebenen Saitenlänge bzw. fortgesetzten Teilungen einer Grundfrequenz (Geometrie der Teilungspunkte zeigt lineare Kurve), Obertonreihe und Durdreiklang, Untertonreihe und Molldreiklang; Rechnen mit Proportionen: Addition => Multiplikation, Subtraktion => Division; Ableitung der pythagoreischen Tetraktys 1/1 – 4/3 – 3/2 – 2/1; Ableitung des Ganztons 9/8; das mittelalterliche Bogenschema 6 – 8 – 9 – 12; die pythagoreische Tonleiter entsteht aus dem Auffüllen der Quarten mit Ganztönen: 1/1 – 9/8 – 81/64 – 4/3 – 3/2 – 27/16 – 243/128 – 2/1; die pythagoreische Terz ("Ditonus") als Dissonanz, der Unterschied zur natürlichen großen Terz 5/4: "syntonisches Komma"; Wiederbelebung der pythagoreischen Tradition im 19. Jahrhundert durch Albert von Thimus, im 20. Jahrhundert durch Hans Kayser

19.12.2016
die Musikinstrumentensammlung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg; zur Entstehung der Oper, die Rolle der oberitalienischen Städte und Fürstenhöfe als Kunstzentren und Stätten des Humanismus, antike Inhalte, Oper und Religion: Humanisten versuchen Integration antiker Mythologie und neuzeitlicher Weltsicht in christliche Theologie, Christus-Orpheus; am Übergang von Renaissance zum Barock: Claudio Monteverdi (1567 - 1643), Leben und Werk, "L'Orfeo": "Toccata" und "Prologo" der "Musica" (Text), die Monodie als Versuch der Wiederbelebung von Elementen der antiken Tragödie, der Generalbass, der neue Gestus des Gesangs, die "Entdeckung" des Akkords; "stile antico" ("prima prattica") und "stile moderno" ("seconda prattica"), das Verhältnis von Sprache und Musik als Stilkriterium, Aufstieg der Instrumentalmusik; Monteverdis "Marienvesper" als epochen- und stilverbindendes Werk, daraus "Deus in adjutorium meum intende" (John Eliot Gardiner), Instrumentalbesetzungen ("Cornetti", "Zinken"), Überlagerung unterschiedlicher Stilebenen: Cantus-firmus-artiger Sopran über konzertierenden Instrumenten in der "Sonata sopra Sancta Maria ora pro nobis" aus der "Marienvesper"; Nikolaus Harnoncourt (* 1929), die "historische Aufführungspraxis", die Alte-Musik-Bewegung, "Schola Cantorum Basilensis"

12.12.2016
Parallelität von Phasen der Selbstbesinnung und der Kulturfeindlichkeit in den verschiedenen Religionen; Grundtypen des musikalischen Satzes, Giovanni Pierluigi da Palestrina "Missa Papae Marcelli" – "Kyrie": Ausgewogenheit, Mischung polyphoner und homophoner Elemente, neuer Klangsinn, Druckausgaben von Vokalmusik im 16. Jahrhundert, der "Palestrina-Stil" und die katholische Kirchenmusiktradition, der Nürnberger Palestrina-Chor; Orlando di Lasso (1532 - 1594) "Prophetiae Sibyllarum", harmonische Neuerungen (ungewöhnliche Terzverwandtschaften) im Sinne der Textausdeutung; die Ausdrucksqualitäten von "diatonischen", "chromatischen" und "enharmonischen" Schritten, das "Clavemusicum Omnitonum" im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg

05.12.2016
"Kanon" und "Imitation", die Kathedrale von Cambrai als musikalisches Zentrum, die Sängerschule des Johannes Ockeghem (~ 1420 - 1497), Vorherrschen des linearen Prinzips, Notation der polyphonen Musik, Stimmbücher versus Partituren, Handschriften, zu Aufführungspraxis und Stimmideal der Renaissance: Darstellungen singender Engel, innerer Gestus des Gesangs, die musikalische Ikonographie im "Genter Altar" des Jan van Eyck (1390 - 1441), Raffaels Darstellung der Heiligen Cäcilia, "musica coelestis", Grundsätzliches zur Kultur der Renaissance, Leonardo da Vinci, Luca Pacioli, platonische Körper, antike Traditionen und neue Impulse: Franchinus Gaffurius (1451 - 1522), "Harmonia est discordia concors"; Reformation und Gegenreformation, der Einfluß des Tridentiner Konzils (Trient 1545 - 1563) auf die Entwicklung der Kirchenmusik, Textverständlichkeit versus Textausdeutung, Palestrina als Retter

28.11.2016
Gegenwärtige Wiederbesinnung auf die Betonung mathematischer Strukturen und die Kunst des Kontrapunkts in der "niederländischen Vokalpolyphonie", Josquin Desprez' "Agnus Dei" als abstrakter Programmcode, zur Programmiersprache SuperCollider: Konzept, Möglichkeiten, Anforderungen; musikalische Gattungen der Renaissance: Messe und Motette (geistlich), Madrigal, Chanson, Lied etc. (weltlich); allmähliche Entwicklung der Terz (5/4) zur Konsonanz im 16. Jahrhundert (Gioseffo Zarlino 1517 - 1590), Auftauchen von Dreiklängen; Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 - 1594) "Missa brevis" – "Kyrie" (Tallis-Scholars): Weiterentwicklung der Polyphonie im Sinne der Durchimitation, zunehmende Bedeutung des Dreiklangs, homophone Elemente; Orlando di Lasso und die Münchener Hofkapelle; zunehmende Kritik an der polyphonen Musik im 16. Jahrhundert

21.11.2016
Computersimulation zum geo- und heliozentrischen Weltbild; die Generationen der "Niederländer", Vaterfigur Dufay, die Kathedrale von Cambrai als musikalisches Zentrum, typischer Lebensweg, Repräsentant einer gesamteuropäischen Musikkultur: Josquin Desprez (~ 1450 - 1521) "Missa 'l'homme armé super voces musicales'" – "Kyrie" (Tallis-Scholars), zur Form des Kyrie, christliche Zahlensymbolik, Mensurzeichen, Musik ohne Frauenstimmen: Kastratentum, Knabenchöre, die Kultur des englischen Ensemblegesangs, Stimmideal, Falsettieren, Countertenor, das Hilliard Ensemble, die Chanson l'homme armé, Verfahren des Zitierens, "Cantus firmus", Martin Luther schätzt Josquin Desprez, "Missa 'Pange Lingua'" – "Kyrie", der vierstimmige imitierende Satz, Kanonkünste und kontrapunktische Verfahren, Imitation, Stimmpaare, Proportionskanon "Agnus Dei II" aus Josquin Desprez' "Missa 'l'homme armé'", Vielfalt aus Einfachem, Überlagerung einer einzigen Linie mit sich selbst in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Verschlüsselung und codierte Notation, Notation der polyphonen Musik, Drucke, Nürnberg als Zentrum des Notendrucks, Johannes Petreius (1497 - 1550)

14.11.2016
Spirituelle Wirkung der gedehnten Choräle im Organum; Platonismus im mittelalterlichen Paris: Hugo von Saint Victor (~1100) "De musica triplici"; Musik als Proportion; ethische Aspekte der "musica humana"; Dimensionen der "musica mundana": Epizykeltheorie, kosmische Bewegungen und Musik, ist Musik nur das Hörbare? Licht und Musik, "Synästhesie", platonisches Jahr, Weltbilder, Dreikörperproblem, Ordnung und Chaos, Musik und Physik (Werner Heisenberg "Der Teil und das Ganze"); Rhythmisierung des mittelalterlichen Lebens durch das Kirchenjahr, die liturgische Form der "Messe", "Ordinarium missae" und "Proprium missae", Orte und Ausgestaltung, Entfaltung der Mehrstimmigkeit mit dem Ausgang des Mittelalters, Guillaume Dufay (1400 - 1474) "Missa 'l'homme armé'" – "Kyrie"

07.11.2016
Die "Consolatio philosophiae" des Boethius; mittelalterliche "musica" und pythagoreische Wurzeln: Schöpfung von Welt und Mensch nach Platons "Timaios", die "Tetraktys" als universelles Prinzip (Elemente, Körpersäfte, Temperamente etc.) und ihre Bedeutung für die Theorie der Intervalle: die "vollkommenen Konsonanzen" Oktave, Quinte und Quarte; Zahlensymbolik, irrationale Zahlen in der pythagoreischen Schule; Klöster als Bildungszentren, die Rolle des Schreibers, Handschriften, zum Selbstverständnis des Mönchtums nach Benedikt von Nursia (480 - 547), Stundengebete, "Liturgie", Rhythmisierung und Musikalisierung des Alltags; Europa und die Mehrstimmigkeit, "Notre-Dame-Epoche", "Organum", Perotinus Magnus (~ 1200) "Viderunt omnes" (Hilliard Ensemble): zeitlich gedehnte gregorianische Melodien als Basis für umspielende Stimmen, Harmonik orientiert sich an einfachen Konsonanzen

24.10.2016
Griechische Tonbuchstaben (Athanasius Kircher (1602 - 1680) "Musurgia universalis"), Neumen und Notenschrift, geometrische Interpretation von Tonhöhe im Sinne eines neu entstehenden Raumbewußtseins, Guido von Arezzo (~ 992 - 1050): Entwicklung des Liniensystems, "Choralnotation"; der Heilige Ambrosius (333 - 397) und die "Psalmodie", Dichtungsform der Psalmen, Psalmtöne als flexible Modelle der Melodiebildung; Augustinus: Schwanken zwischen Wort und Klang, "syllabischer" und "melismatischer" Gesang, "Alleluja" zur Osternacht (Mönchsschola einer Benediktinerabtei); Weiterwirken der antiken "Musen": die "Septem Artes Liberales" des Mittelalters, "Quadrivium" und "Trivium", gelehrte und praktische Musik: "musicus" und "cantor", Intervallberechnung am Monochord, die Bedeutung des Pythagoras (582 - ~ 496 v.Chr.) und der Pythagoreer, Platons Dialog "Timaios" als Quelle, Übertragung des antiken Musikbegriffs auf Mittelalter und Renaissance: "musica mundana" (mathematische und astronomische Aspekte der Musik), "musica humana" (Körpersäfte und Temperamente), "musica instrumentalis"; der spätantike Autor Boethius (~ 480 - 524): "De institutione musica"

17.10.2016
Obertongesang, asiatische Tradition und westliche Adaptionen: Karlheinz Stockhausen (1928 - 2007) "Stimmung" für 6 Vokalisten (1968 – Collegium Vocale Köln) , präzises Erschließen der Spektralstruktur des Klangs, Detailreichtum der Partitur, Obertongesang und Polyphonie: David Hykes (* 1953), Obertöne auf verschiedenen Instrumenten; Musik und Religion in christlicher Tradition: der Heilige Augustinus (354 - 430) "De musica", Gestus der "Jubilation", Einstimmigkeit; der "gregorianische Choral": Umfang des Repertoires; die Reform des Papstes Gregors des Großen (Amtszeit 590 - 604): Stärkung des Christentums durch Vereinheitlichung der kirchlichen Gesänge in Europa, Legenden, Aufführungspraxis: "Schola cantorum" und Mönchsschola, syllabischer und melismatischer Gesang, aus Zeichen für Rhetorik und Vortrag entwickeln sich "Neumen" ("Cheironomie")

10.10.2016
Musikwissenschaft als akademische Disziplin, historisch und systematisch, wichtige Vertreter; die Epochengliederung der europäischen Musikgeschichte, Entstehung eines historischen Bewußtseins im 19. Jahrhundert; Musik und Religion: die religiösen Wurzeln der Musik als allgemeine Erscheinung; "Dies irae" aus W.A.Mozarts "Requiem" (Philippe Herreweghe), die Sequenz "Dies irae" des Thomas von Celano (13. Jahrhundert), Notation, Inhalt, Charakter, Rhythmik und Versbau; die Musik des christlichen Abendlandes als Synthese von jüdischem (König David, ~ 1000 v. Chr., Dichter der Psalmen) und griechischem Erbe (u.a. die Prophezeihungen der Sibyllen); zur Musik des Buddhismus: wachsendes westliches Interesse seit dem 18. Jahrhundert, der Dichter Hermann Hesse (1877 - 1962, "Siddharta" u.a.), der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788 - 1860, Wesen und Möglichkeiten der Musik), Richard Wagners (1813 - 1883) Plan einer buddhistischen Oper; Reinkarnation, Karma, Ideale der Leere und Askese, Gesang tibetischer Mönche, Meditation, das "Mantra" (Gebetsformel) "om mani padme hum", Bedeutung des einen Tons, die Obertonreihe

19.09.2016
Leistungserhebungen; Arbeitsmittel: "dtv-Atlas zur Musik", "Riemann-Musiklexikon" (RieL), "die Musik in Geschichte und Gegenwart" (MGG), "Wikipedia", Online-Repetitorium.
Grundwissen: Notenschrift (Stammtöne, Oktavlagen, Alterationen, enharmonische Verwechslung, Schlüssel, Oktavierungen), Intervalle (rein, groß, klein, vermindert, übermäßig, Tritonus), Akkorde (Dreiklangstypen: Dur, Moll, vermindert, übermäßig), Quintenzirkel, Tonartenbeziehungen, Haupt- und Nebenfunktionen einer Tonart – Notenwerte, Takt, Rhythmus, Tempo (objektive Messung, Wortbezeichnung, körperbasiertes Tempo) – Musik als Zeitkunst, Musik und Tonaufzeichnung