Repetitorium Oberstufe 12 Musik – WS 2017/18

Musik und Tradition

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11.12.2017
Die ästhetische Konfrontation Schönberg-Strawinski nach dem zweiten Weltkrieg durch Theodor W. Adorno ("Philosophie der Neuen Musik", 1949); Strawinskis Ballett "Der Feuervogel", Klangsprache, Charakteristika russischer Märchen; "Le Sacre du Printemps" ("Das Frühlingsopfer"): allgemeiner Hintergrund, der russische Symbolismus, Wiederbelebung heidnischer Naturrituale, Sergej M. Gorodeckij (1884 - 1967) "Man errichtet Jarila", Kontrast zu europäischen Kulturtraditionen, Stimmung des Vorspiels, extreme Instrumentallagen, pulsierende Flächen ("Vorboten des Frühlings", "Tanz der Erde", "Heiliger Tanz der Auserwählten" u.a.), "Bi-" und "Polytonalität", additive Rhythmik, ungewohnte Taktarten und -wechsel, neue Anforderungen an ausführende Musiker und Tänzer, Ausschnitt aus der restaurierten Original-Choreographie Vaclav Nijinskis zum 100-jährigen Jubiläum der Uraufführung 1913, die Rolle des Werks im aktuellen Konzertleben, der Dirigent Simon Rattle (* 1955), das Filmprojekt "Rhythm is it!" (2004)

04.12.2017
Anton Webern "4. Bagatelle für Streichquartett op. 9": radikale Kürze, Betonung des Klangfarbenaspekts durch Vielfalt der Spieltechniken (con sordino, sul ponticello, flageolett, pizzicato), neue rhythmische Ansätze; im Hintergrund der dodekaphonischen Theorie: die Goethe'sche "Urpflanze", Codierung des evolutionären Formenreichtums; Phase der inneren Emigration: "Streichquartett op. 28", 3. Satz, Charakter der Webern'schen Reihen, Rückbezug auf klassische Formelemente (Periodenbau, Variationsprinzip), "Sinfonie op. 21", 2. Satz; Igor Strawinskis (1882 - 1971) Weg in die klassische Moderne: die frühen Ballette, "Petruschka", flirrende Klangfarben, "Collage", Sergej Diaghilew (1872 - 1929): Abgrenzung gegenüber der etablierten Ballettpraxis durch Versuche zur Wiederbelebung russischer Volkstraditionen, "Balletts Russes"

27.11.2017
zur Besetzung des spätromantischen Orchesters; biografische Dokumente zu Arnold Schönberg, zeitgleiches und unabhängiges Auftauchen des Gedankens der Zwölftonmusik in Europa (Josef Matthias Hauer in Wien, Arthur Lourié in Russland), Grundhaltung des Expressionismus: Innenschau als umfassende Wahrheitssuche; Grenzüberschreitungen zwischen Musik und Bildender Kunst, Musiker und Maler zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Schönberg und Wassily Kandinsky (1866 - 1944), die Künstlergruppe des "Blauen Reiter", "Gegenständlichkeit" und "Abstraktion" in Analogie zu "Tonalität" und "Atonalität"; Schönberg "Farben" aus "Fünf Orchesterstücke op. 16" (1909), "Klangfarbenmelodie", "Klangfarbe" und "Klangspektrum" in der Akustik, "Konsonanz" und "Dissonanz" in der abendländischen Tradition, "Emanzipation der Dissonanz" als Bewusstseinserweiterung, Anton Webern (1883 - 1945): Bearbeitung des sechsstimmigen Ricercare aus J. S. Bachs "Musikalischem Opfer", Biografisches

20.11.2017
Entgrenzung und Ablehnung herkömmlicher Tonbeziehungen in der Phase der Atonalität, Notwendigkeit neuer Ordnungsprinzipien, Schönbergs "Methode des Komponierens mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen" (~ 1920) macht Ernst mit der Realität der gleichstufig temperierten Stimmung, Abkehr von der Vorstellung eines Intervalls als rationaler Proportion, die Grundreihe, Gestaltänderungen (Umkehrung, Krebs, Krebsumkehrung), Transpositionen, Reihenbrechung, Reihenschichtung, rhythmische Aspekte, Anknüpfen an polyphone Traditionen der Renaissance und des Barock (besonders J. S. Bach); Alban Berg "Violinkonzert – dem Andenken eines Engels" (1935), biografischer Kontext, die Grundreihe, tonale und modale Elemente, weitere Assoziationen, die Rolle von J. S. Bachs Choral "Es ist genug" aus der Kantate BWV 60 "O Ewigkeit, du Donnerwort", subtiles Einweben Bach'scher Zitate ins polyphone Stimmengeflecht, Holzbläsersatz als Orgel-Reminiszenz

13.11.2017
Musik als Artikulation gesellschaftlicher Interessen: politische Haltungen im Hintergrund der verschiedenen Jazzstile; der rhythmische Reichtum der indischen Musiktradition, die Adaptionen Olivier Messiaens (1908 - 1992), rhythmische Modi, aktuelle Tendenzen im Jazz: Vijay Iyer (* 1971) "Human nature"; Motor der Erneuerung im 20. Jahrhundert: die "Neue Wiener Schule", drei stilistische Stufen (Anknüpfen an und Weiterführung der spätromantischen tonalen Harmonik, Atonalität, Zwölftontechnik), Arnold Schönberg (1874 - 1951) "Verklärte Nacht" für Streichsextett op. 4, "Kammersymphonie" op. 9, Quartenakkorde sprengen den tonalen Kontext, "Sechs kleine Klavierstücke" op. 19, zur Ästhetik des Expressionismus, Aufführungsskandale, Alban Berg (1885 - 1935) "Fünf Orchesterlieder nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg" op. 4, Suche nach extremeren Ausdrucksmöglichkeiten im Rahmen der europäischen Musiktradition, Erweiterung herkömmlicher Vokal- und Instrumentaltechniken

06.11.2017
John Coltranes "sheets of sound", erstarkendes schwarzes Selbstbewußtsein und Vergegenwärtigung eigener kultureller Traditionen ("we were kings"), Miles Davis' "Miles runs the voodoo down" aus dem Album "Bitches Brew" (1969), weiträumige Entwicklungsbögen und klangliche Transparenz, das Sprengen des 3 Minutentakts, Vermeidung funktionaler Kadenzbildungen, "So What": Tonmaterial und Akkordaufbau, Wiederauftauchen des Systems der Kirchentonarten in neuem Kontext, Halbton- Ganztonstruktur und Skalencharakter, die antiken Wurzeln und ihre Transformationen im Mittelalter, zum allgemeinen Verhältnis von Innovation und Tradition, Modi nicht europäischer Kulturen: Aufteilungen der Oktave jenseits der 12 chromatischen Halbtöne der temperierten Stimmung (17- und 19-tönige Skalen in arabischen Kulturen, die 22 Shrutis der indischen Tradition)

23.10.2017
Die Kontroverse um die "Neudeutsche Schule", Nachwirkungen im 20. Jahrhundert, Ausgangspunkt Beethoven: der deutsche Idealismus, Beethovens Ouvertüren und sein Ringen um die Oper, programmatische Ansätze in seiner 6. Sinfonie in F-Dur op. 68 "Pastorale", die Menschheitsbotschaft der 9. Sinfonie, Franz Schuberts "Unvollendete" im Gegensatz zu Hector Berlioz' "Symphonie fantastique"; der Jazz als neue Ausdrucksform des 20. Jahrhunderts, Anfänge in New Orleans und Chicago, Kommerzialisierung und Big Bands, Swing, musikalisch ambitionierte Gegenströmungen nach dem II. Weltkrieg, "Bebop", "Cool Jazz", "Modal Jazz", afrikanische und europäische Wurzeln, der Einfluß der europäischen Avantgarde (Paul Hindemith, Bela Bartok, Arnold Schönberg), "melting pot" New York, der Trompeter Miles Davis (1926 - 1991), der Tenorsaxophonist John Coltrane (1926 - 1967) und das Kultstück "Giant Steps"

16.10.2017
Abgrenzung gegenüber der Ästhetik des 19. und Suche nach neuen Ausdrucksformen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die allgemeine Stimmung vor Beginn des ersten Weltkriegs, Bartoks musikethnologischer Ansatz, Marinettis "Futuristisches Manifest" (1909), rauschhafter Zukunftsglaube, Emanzipation des Geräuschs, die "Intonarumori" des Luigi Russolo (1885 - 1947), neue Partiturbilder, Grenzüberschreitungen zwischen den Künsten, "Klangskulptur", "Klanginstallation", Erweiterung des klassischen Orchesters um industrielle und elektronische Klänge, Edgar Varése (1883 - 1965): "Amériques", kompositorischer Anspruch; zur Kontroverse zwischen "Programmmusik" und "absoluter Musik" im 19. Jahrhundert; musikalische Elemente der Avantgarde in der Filmmusik

09.10.2017
Fugen-Reminiszenzen im 19. und 20. Jahrhundert: Versuch der Verbindung mit dem Sonatenprinzip, "neuer poetischer Gehalt", Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) "Fuge aus der Hammerklaviersonate Nr. 29 in B-Dur op. 106, 4.Satz" (Grigori Sokolow), Themengestalt und spieltechnische Herausforderungen; archaische Melodik und kontrapunktische Verarbeitung, Béla Bartók (1881 - 1945) "Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta, 1.Satz", 1936 (Chicago Symphony Orchestra, James Levine), schrittweise Erschließung des chromatischen Tonraums durch quintengeschichtete Einsätze, der Quintenzirkel und der Zusammenhang zwischen Themenbau und formalem Konzept; das musikalische Werk des mexikanischen Komponisten Conlon Nancarrow (1912 - 1997, "Study for Player Piano No. 21: Canon X"), zur Tradition mechanischer Klaviere, "Welte-Mignon-Reproduktionsklavier", pneumatische Technik, Stanzmaschinen, Rückgriff auf alte polyphone Verfahren, kompromißloser Umgang mit Zeitverläufen und -proportionen, "Study for Player Piano No. 40: Canon e/π"

02.10.2017
"Kontrapunkt": frei, gebunden, einfach und mehrfach, Kombinationsmöglichkeiten, Gestaltänderungen eines musikalischen Gedankens: "Grundform", "Umkehrung", "Krebs", "Krebsumkehrung", "Augmentation", "Diminution"; Bach-Orte, Biografisches, die Bach-Söhne, besonders Carl Philipp Emanuel Bach (1714 - 1788) und der "empfindsame Stil", die "Mizler'sche Sozietät" in Leipzig, Bach-Werke ab 1740: "das Musikalische Opfer" als ein Höhepunkt barocken Kontrapunkts, zur Entstehung, "Thema regium", ästhetisches Konzept, daraus "Dreistimmiges Ricercar", "Canon cancricans", "Canon per augmentationem, contrario motu", "Canon per tonos", zukunftsweisende Intervallstrukturen

25.09.2017
Johannes Menke "Kontrapunkt I – die Musik der Renaissance" (2015) und "Kontrapunkt II – die Musik des Barock" (2017); Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716, "prästabilierte Harmonie", binäres Zahlensystem …), der ideelle Hintergrund der Fugen J. S. Bachs; Ästhetik der Zahl gegenüber gegenwärtigem Pragmatismus; schrittweises Enthüllen eines musikalischen Grundgedankens in der Fuge gegenüber dynamischer Entwicklung gegensätzlicher Prinzipien in der Sonate; harmonisches Konzept der c-moll-Fuge aus dem "Wohltemperierten Klavier, Band I"; Vielfalt der polyphonen Strukturen in den Bach'schen Fugen: Analyse der Fuge in d-moll WK I ( Sviatoslav Richter), zum Notenbild des polyphonen Satzes für Tasteninstrumente, Schwierigkeiten der Ausführung, die Motive von Thema und Kontrapunkt, Gestaltänderungen (Umkehrung), Engführungen, Stimmverdoppelung, abschließendes Resümee

18.09.2017
"Fuge" (Barock) und "Sonate" (Klassik, Romantik) als zentrale Formprinzipien der jüngeren europäischen Musikgeschichte; Weiterführung der polyphonen Tradition vor harmonisch reicherem Hintergrund, das Konzept des einen statischen Themas, (Monothematik), J. S. Bachs Fugenkompositionen und das "Mathematische", die Anlage der beiden Bände des "Wohltemperierten Klaviers", daraus (Bd. I) "Präludium und Fuge in c-moll" (Sviatoslav Richter), Idee des "Präludiums", Strenge der Fugenform, konsequente Entfaltung des Satzes aus wenigen Grundgedanken (Thema, Kontrapunkt); der Bau des Themas, Abgrenzung, Dux und Comes, tonale und reale Beantwortung, Struktur des Kontrapunkts, gegenseitige Beziehungen der einzelnen Motive untereinander, Konzept der Gesamtform, Exposition, Durchführungen, Zwischenspiele mit thematischem Material und in freier Gestaltung, Orgelpunkt; Unterschiede zur Sonate