Repetitorium Oberstufe 11 Musik – WS 2018/2019

Musik und Religion

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16.11.2018
Alternativen zur 12-tönig gleichschwebenden Temperatur: Tonsysteme mit feineren Aufteilungen der Oktave; Epochenwandel zwischen Renaissance und Barock: Aufstieg der Naturwissenschaften, Untersuchungen zum Schall von Marin Mersenne, Begründung der wissenschaftlichen Akustik durch Joseph Sauveur, Aufstieg der Instrumentalmusik, Instrumentarium des Frühbarock (Zink, engmensurierte Posaune, Theorbe …), Claudio Monteverdi (1567 - 1643) und die Entstehung der Oper, der Gonzaga-Palast in Mantua, 1637 erstes öffentliches Opernhaus in Venedig, die Bedeutung des Orpheus-Mythos, Toccata aus "L'Orfeo – Favola in Musica" (1607), die Verbindung von "stile antico" ("prima pratica") und "stile moderno" ("seconda pratica") in "Vespro della Beata Vergine" (1610 – John Elliot Gardiner), Wandlungen im Gestus geistlicher Musik, zur Aufführungsgeschichte von Werken des Frühbarock, die Bewegung der "historischen Aufführungspraxis" seit den 1960er Jahren; Begründung der Tradition der protestantischen Kirchenmusik durch Heinrich Schütz (1585 - 1672), Studienaufenthalte in Italien, die Beziehung zum Dresdner Hof, der Dreißigjährige Krieg als historischer Rahmen, der Barockdichter Andreas Gryphius (1616 - 1664, "Tränen des Vaterlandes")

09.11.2018
Exkurs: Musik im Islam, religiöse und politische Sanktionierungen, Tonsystem, Mikrotonalität, Ornamentik, Ausdruck, Sufismus, der ekstatische Gesangsstil des "Quwwali", Nusrat Fateh Ali Khan (1948 - 1997), Instrumentarium (Tabla, Oud, Ney, Harmonium), der Einfluß der indischen Tradition: rhythmischer Reichtum, der Tablaspieler Zakir Hussain (* 1951), Improvisationspraxis; Wirkung asiatischer Stile auf westliche Musiker; aktuelle Situation (Afghanistan, Iran, arabische Welt); Erlaubtes und Verbotenes im christlichen Kontext: die Musik der Niederländer im Kontext von Reformation und Gegenreformation, der Einfluß des Tridentiner Konzils (Trient 1545 - 1563) auf die Entwicklung der mehrstimmigen Musik, Textverständlichkeit versus Textausdeutung, Palestrinas sechsstimmige "Missa Papae Marcelli" als Rettung der polyphonen Musik, die Bedeutung des "Palestrina-Stils" für die katholische Kirchenmusik, Orlando di Lasso und die Münchener Hofkapelle; Grundgedanken der Renaissance, der Mensch im Mittelpunkt, zur Bedeutung des Falls von Konstantinopel für die Entstehung des Humanismus

26.10.2018
die pythagoreische "Tetraktys" als universelles Prinzip und ihre Bedeutung für die Theorie der Intervalle, Raffaels Darstellung in der "Schule von Athen"; Franchinus Gaffurius (1451 - 1522), "Harmonia est discordia concors"; die Generationen der "Niederländer", typischer Lebensweg, Vaterfigur Guillaume Dufay (~ 1400 - 1474), die Kathedrale von Cambrai als musikalisches Zentrum, die Sängerschule des Johannes Ockeghem (~ 1420 - 1497), zu Aufführungspraxis und Stimmideal der Renaissance: Darstellungen singender Engel, innerer Gestus des Gesangs, die musikalische Ikonographie im "Genter Altar" des Jan van Eyck (1390 - 1441), Repräsentant einer gesamteuropäischen Musikkultur: Josquin Desprez (~ 1450 - 1521) "Missa 'Pange lingua'" – "Kyrie", Verfahren des Zitierens, "Cantus firmus", der vierstimmige imitierende Satz, Kanonkünste und kontrapunktische Verfahren, Imitation, Stimmpaare, Martin Luther schätzt Josquin Desprez, der Reformator als Liedschöpfer, gegenwärtige Wiederbesinnung auf die Betonung mathematischer Strukturen und die Kunst des Kontrapunkts dieser Epoche, Vertreter der 5. Generation: Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 - 1594) und Orlando di Lasso (1532 - 1594)

19.10.2018
Platon über die Musen: Etymologie, Zikaden-Mythos, Begeisterung und Ekstase, Anbindung der Seele an den Kosmos; Verbindung von Platonismus und Christentum: Hugo von Saint Victor (~1100) "De musica triplici", Musik als Proportion, Theorie der Intervalle: die "vollkommenen Konsonanzen" Oktave, Quinte und Quarte; ethische Aspekte der "musica humana"; Dimensionen der "musica mundana": kosmische Bewegungen und Musik, ist Musik nur das Hörbare? Rhythmisierung des mittelalterlichen Lebens durch das Kirchenjahr, die liturgische Form der "Messe", "Ordinarium missae" und "Proprium missae", Orte und Ausgestaltung; Entfaltung der Mehrstimmigkeit mit dem Ausgang des Mittelalters: der Dichter und Komponist Guillaume de Machaut (1300 - 1377) "Kyrie" aus der "Messe de Nostre Dame" (Ensemble Organum); die "Kunst der Niederländer", die "klassische Vokalpolyphonie", Kanonkünste und Kontrapunkt, Josquin Desprez (~ 1450 - 1521) Proportionskanon "Agnus Dei II" aus der "Missa 'l'homme armé'", Vielfalt aus Einfachem, Überlagerung einer einzigen Linie mit sich selbst in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Tempi als Intervallverhältnisse, musikalische Struktur als Programmcode

12.10.2018
Mittelalterliche Musiktheorie, "musica" und ihre antiken Wurzeln: Pythagoras (582 - ~ 496 v.Chr.) und die Pythagoreer, Platons Dialog "Timaios" als Quelle, Schöpfung von Welt und Mensch, Musik als Proportion; Übertragung des antiken Musikbegriffs auf Mittelalter und Renaissance durch den spätantiken Autor Boethius (~ 480 - 524): "Consolatio philosophiae", "De institutione musica": "musica mundana" (mathematische und astronomische Aspekte der Musik, Erde-Mars-Bahnbeziehung, Hartmut Warm "Signatur der Sphären"), "musica humana" ( Körpersäfte und Temperamente), "musica instrumentalis"; gelehrte und praktische Musik: "musicus" und "cantor"; Platonismus im mittelalterlichen Paris, Weiterwirken der antiken "Musen": die "Septem Artes Liberales", "Quadrivium" und "Trivium"; Europa und die Mehrstimmigkeit, "Notre-Dame-Epoche", Perotinus Magnus (~ 1200) "Viderunt omnes" (Hilliard Ensemble): zeitlich gedehnte gregorianische Melodien als Basis für umspielende Stimmen, Harmonik orientiert sich an einfachen Konsonanzen, spirituelle Wirkung der gedehnten Choräle im Organum; die Rolle des Schreibers in den Klöstern, Handschriften

05.10.2018
Aktuelle Aspekte des Obertongesangs: Karlheinz Stockhausen (1928 - 2007) "Stimmung" für 6 Vokalisten (1968 – Collegium Vocale Köln), präzises Erschließen der Spektralstruktur des Klangs, Vokalformanten und elektronische Klangsynthese; Musik und Religion in christlicher Tradition: der Heilige Augustinus (354 - 430) "De musica", Gestus der "Jubilation", Einstimmigkeit; der "gregorianische Choral": Umfang des Repertoires; die Reform des Papstes Gregors des Großen (Amtszeit 590 - 604): Stärkung des Christentums durch Vereinheitlichung der kirchlichen Gesänge in Europa, Legenden, Aufführungspraxis: "Schola cantorum" und Mönchsschola, syllabischer und melismatischer Gesang, aus Zeichen für Rhetorik und Vortrag entwickeln sich "Neumen" ("Cheironomie"), "Alleluja" zur Osternacht (Mönchsschola einer Benediktinerabtei); Klöster als Bildungszentren, die Rolle des Schreibers, Handschriften, zum Selbstverständnis des Mönchtums nach Benedikt von Nursia (480 - 547), Stundengebete, "Liturgie", Rhythmisierung und Musikalisierung des Alltags; Neumen und Notenschrift, geometrische Interpretation von Tonhöhe im Sinne eines neu entstehenden Raumbewußtseins; der Heilige Ambrosius (333 - 397) und die "Psalmodie", Dichtungsform der Psalmen, Psalmtöne als flexible Modelle der Melodiebildung

28.09.2018
Zum Verhältnis von Asien und Europa: Kolonialismus, das Fachgebiet der Orientalistik, Theorien des Postkolonialismus, Moden und kulturelle Differenz; Musik im Buddhismus: wachsendes westliches Interesse seit dem 18. Jahrhundert, der Dichter Hermann Hesse (1877 - 1962, "Siddharta" u.a.), der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788 - 1860, Wesen und Möglichkeiten der Musik), Richard Wagners (1813 - 1883) Plan einer buddhistischen Oper; Reinkarnation, Karma, Ideale der Leere und Askese, Gesang tibetischer Mönche, Meditation, das "Mantra" (Gebetsformel) "om mani padme hum", Bedeutung des einen Tons, asiatische Tradition und westliche Adaptionen: Obertongesang, David Hykes (* 1953)

21.09.2018
Grundwissen: Quintenzirkel, harmonische Funktionen im Quintenzirkel, Obertonreihe; Musik und Religion: die religiösen Wurzeln der Musik als allgemeine Erscheinung; "Dies irae" aus W.A.Mozarts "Requiem" (Philippe Herreweghe), die Sequenz "Dies irae" des Thomas von Celano (13. Jahrhundert), Notation, Inhalt, Charakter, Rhythmik und Versbau; die Musik des christlichen Abendlandes als Synthese von jüdischem (König David, ~ 1000 v. Chr., Dichter der Psalmen) und griechischem Erbe (u.a. die Prophezeihungen der Sibyllen); europäische Wahrnehmungen nicht-europäischer Kulturen; zur Musik im Islam: das "Sema-Ritual" des Sufismus, tanzende Derwische, der Dichter und Mystiker Dschalal ad-Din Rumi (1207 – 1273), Tanz und Meditation, das "Lied der Schilfflöte" ("Ney"), Tonsysteme der arabischen Welt, Einstimmigkeit, kunstvoll differenzierte Gestaltung melodischer Linien, Analogie zur Kalligraphie

14.09.2018
Leistungserhebungen; Arbeitsmittel: "dtv-Atlas zur Musik", "Riemann-Musiklexikon" (RieL), "die Musik in Geschichte und Gegenwart" (MGG), "Wikipedia", Online-Repetitorium.
Grundwissen: Notenschrift (Stammtöne, Oktavlagen, Alterationen, enharmonische Verwechslung, Schlüssel, Oktavierungen), Intervalle (rein, groß, klein, vermindert, übermäßig, Tritonus), Akkorde (Dreiklangstypen: Dur, Moll, vermindert, übermäßig), Quintenzirkel, Tonartenbeziehungen, Haupt- und Nebenfunktionen einer Tonart – Notenwerte, Takt, Rhythmus, Tempo (objektive Messung, Wortbezeichnung, körperbasiertes Tempo) – Musik als Zeitkunst, Musik und Tonaufzeichnung, Epochen der Musikgeschichte