Die Musik in der Renaissance

Im 15. Jahrhundert begann in Musik und Kunst eine neue Epoche: Die Renaissance. Gegenüber dem Mittelalter gibt es in der Renaissancemusik viele Änderungen. Begriffe wie "Niederländische Schule" und "Burgundisches Zeitalter" zeigen, von wo dieser Wandel ausging. Im Mittelalter gab es häufig nur zweistimmige Musik, jetzt werden auch mehrstimmige Werke komponiert. Der auch heute noch wichtige vierstimmige Satz, Baß, Tenor, Alt, Sopran, entstand daraus. Der mehrstimmige Gesang ist vermutlich ein Nachfolger der Gregorianik. Die Instrumentalmusik entwickelt nun Selbständigkeit als Gegengewicht zur bisher vorherrschenden Vokalmusik. Allerdings ist von den Instrumentalstücken weniger erhalten geblieben als von kontrapunktischer und mehrstimmiger Musik, da die Musiker meist auswendig spielten. Mit dem Humanismus hat die Renaissance gemein, dass sich nun der Blick mehr auf den Menschen richtet. Renaissance und Humanismus orientieren sich am Menschen, und auch die Musik soll menschlicher und natürlicher werden. Außerdem sahen die Reformatoren Gefahren in der Mehrstimmigkeit, da sie das Wort Gottes verundeutlichen könnte. 

In dieser Epoche entstanden Werke wie Oden, Hymnen, Psalmlieder (vor allem von Luther), mehrstimmige Motetten, 5- bis 8-stimmige Madrigale und sogar erste Opern. Durch die häufig verwendete Mehrstimmigkeit und die Instrumentalisierung erreichte man eine Steigerung der Ausdruckskraft und Vielfältigkeit. Damit wurde auch versucht, die Musik heiliger zu machen und damit würdig, in Gottesdiensten eingesetzt zu werden. Den Höhepunkt dieser Epoche bilden sicher Orlando di Lasso, Palestrina und für das evangelische Kirchenlied Martin Luther.

Die Komponisten reisten teilweise sehr weit. Die "Niederländer", wie man manche Komponisten von 1400 bis 1550 nannte, stammten aus der heutigen Bourgogne, aus Brabant-Limburg, Holland-Seeland, Hennegau, Namur, Luxemburg oder der Grafschaft Flandern. Das Zentrum des Schaffens wanderte zuerst aus dem franko-flämischen Bereich nach Italien, von wo es wegen der wachsenden Bedeutung des Protestantismus nach Deutschland gelangte. Ein klassischer Vertreter des musikalischen Protestantismus ist Johannes Walter. Für ihre strengen Motettenkompositionen sind neben ihm die Komponisten Ludwig Senfl, Adam von Fulda und Heinrich Isaac bekannt geworden. 

In Erinnerung an die Antike wirkt auch griechische Kultur und Kunst auf das europäische Geistesleben ein. Parallel zur Renaissance gab es Neuentdeckungen in der Welt (Amerika) und eine Neuentdeckung der Natur, die mit der Forderung nach Natürlichkeit auch in der Musik eine Rolle spielt. Gleichzeitig kann man das neue Selbstbewusstsein des Menschen auch in den Glaubenskämpfen und in den Wirren um die Kirche, den vielen Konzilien im 15. Jahrhundert und in dem Reformwerk Martin Luthers sehen. Der in dieser Zeit aufkommende Begriff des Genies als neuer Künstlertypus versteht sich als schöpferische Kraft in einer übergreifenden göttlichen Ordnung. 

Fast eine Neuerfindung in der Musik ist der Akkord, der durch die polyphone Schichtung der Töne entsteht. Auch relativ einfache Melodien werden erst in dieser Zeit häufig verwendet. Um 1450 wird an Stelle der schwarzen die schwarz-weiße Notenschrift gebraucht. Der Messzyklus bildet sich aus, d. h. die fünf Ordinariumsstücke werden zusammenhängend vertont. Die italienischen Akademien gewinnen immer mehr an Bedeutung für das Musikleben. Die wichtigen Instrumente dieser Zeit sind Harfe, Violen, Clavicord, Trumscheit (Marientrompete), Schalmei und Krummhörner. Es gab aber kaum eine einheitliche Klangfarbe, da man die Instrumente beliebig zusammenstellen konnte. Dies änderte sich aber später. Die entstehende Chorpolyphonie war für die weitere Entwicklung sehr wichtig.

In der Zeit Melanchthons gab es jedenfalls einige wichtige Entwicklungen, die für die späteren Epochen der Musik entscheidend waren.