Tauschbörsen


1. Allgemeines zu Tauschbörsen
2. Geschichte von Napster
3. Rechtslage
4. Nutzen der Betreiber
5. Reaktionen der Musikindustrie
6. Fazit
7. Quellen
 

1.Allgemeines zu Tauschbörsen

Am Anfang sollte man sich die Frage stellen: Was sind eigentlich Tauschbörsen? Die Antwort darauf ist: Tauschbörsen sind Methoden, mit denen man Dateien im Internet anderen zur Verfügung stellt. Das geht zum einen, indem man an den Betreiber einer Tauschbörse seine Musik hinschickt (z.B. per Email) und der sie dann im Internet veröffentlicht. Ein Beispiel hierfür ist www.mp3.com. Die andere Methode, die auch vielmehr Anhänger hat, funktioniert nur, wenn man einen sogenannten Client auf seinem Computer installiert. Dieser Client bewirkt, dass ausgewählte Dateien anderen zur Verfügung gestellt werden und Dateien anderer dem Anwender zur Verfügung gestellt werden. Hierbei kann es sich um Dateitypen jeder Art handeln: Musik, Videos, Programme oder auch Texte.
Entscheidend für den Erfolg der Musiktauschbörsen ist besonders das Mp3-Format. Es wurde vom Frauenhofer Institut entwickelt, um die Vorgänge, die die menschliche Geräuschwahrnehmung ermöglichen, zu verstehen. Die Mp3-Technologie wurde 1994 fertiggestellt und freigegeben. Sie existiert seit acht Jahren in unveränderter Form.
Bei dem Mp3-Verfahren werden überflüssige Klanginformationen, die das menschliche Gehör nicht wahrnehmen kann (also im Bereich von 20hz bis 20khz) herausgeschnitten. Dadurch lässt sich die Größe der eigentlichen Datei um den Faktor 12 verringern. So können auch mit einer langsamen Internetverbindung Lieder in sehr kurzer Zeit getauscht werden.

Bevor ich nun zur Geschichte von Napster, als "Mustergeschichte" für Tauschbörsen übergehe, möchte ich kurz die bekanntesten Tauschbörsen Vorstellen:

Napster 
Bei Napster gibt es einen zentralen Server. Dieser fungiert aber nur als Vermittler: Er sammelt die Informationen aller freigebenden Dateien, ordnet sie, sodass andere Benutzer eine peer-to-peer-Verbindung (p2p) mit dem anderen Benutzer aufbauen können. Eine peer-to-peer-Verbindung ist eine Direkte Verbindung zwischen zwei PCs. Alle Dateien, die freigegeben wurden, werden allen zur Verfügung gestellt, jedoch können nur Musikdateien zum Tausch angeboten werden. Die Entwicklung von Napster wurde als "Open Source" vorangetrieben, d.h. Der Programmcode ist jedem zugänglich und kann von jedem verwendet werden. Alle folgenden Tauschbörsen arbeiten ebenfalls mit der p2p-Technik.

WinMX
WinMX ist ein "Nachfahre" von Napster, denn er wurde aus dem ursprünglichen Napster-code weiterentwickelt. Im Gegensatz zu Napster können bei WinMX Downloads wiederaufgenommen werden, wenn die Verbindung unterbrochen wurde. Außerdem werden bei WinMX mehrere Server verwendet. So kann es zu keinem Komplettausfall des Systems kommen, wenn ein Server nicht in Betrieb ist.

Gnutella
Gnutella ist eigentlich ein Protokoll. Es wurde zwar ein Gnutella-Client von dem Gründer der Firma Nullsoft (Winamp) entwickelt, aber nur bis zur Version 0.56, denn dann beschloss die Mutterfirma AOL den Vertrieb von Gnutella zu unterbinden, wahrscheinlich um Nullsoft vor einer Anklage zu schützen, die Kosten verursachen würde. Jedoch da es Programmierern gelungen ist, die Funktionsweise des Gnutella-Protokolls nachzubauen, wurden zahlreiche Clients entwickelt, die auf dem Gnutellaprotokoll basieren, z.B.: BearShare, LimeWire, Furi (ein Java-client) oder MacTella (für Power PC und Macintosh). Gnutella ist dezentral aufgebaut, d.h. man tauscht nicht direkt über einen Server, sondern man tauscht über einen Server der in Nähe steht, der mit weiteren Servern verbunden ist, die wiederum mit anderen Servern verbunden ist. Das bedeutet, wenn ein Server ausfällt (z.B. durch ein Erdbeben), sind davon nur die Nutzer betroffen, die direkt an diesen Server angeschlossen ist; für die restlichen Benutzer entstehen keine Nachteile. Deshalb kann man auch auf der Gnutella-Webseite lesen, dass Gnutella zuverlässig ist und sich nicht stoppen lässt.
Das Tauschen über Gnutella ist sehr sicher, weil keine Aufzeichnungen über die Benutzer gemacht werden. Auch durch Justizbehörden kann Gnutella nicht angegriffen werden, da es keine Firma oder Institution, sondern lediglich ein Protokoll ist. Man kann auch keinen zentralen Server abschalten lassen, da es ja keinen gibt.

KaZaA
KaZaA wurde von FastTrack, einer Niederländischen Firma, entwickelt, musste aber Anfang 2002 an die australische Firma Sharman Networks abgegeben werden, um den Klagen aus den Niederlanden auszuweichen. KaZaA ist selbstorganisierend, das bedeutet, dass besonders gute Rechner unter den Benutzern als Server benutzt werden. Jedoch ist bei KaZaA Spyware installiert. Darauf werde ich aber später nochmals zurückkommen. KaZaA ist das derzeit beliebteste Netzwerk. Es besitzt derzeit 21 Mio. Mitglieder, von denen laut KaZaA-Client bis zu 4 Mio. gleichzeitig ihre Dateien zum Download anbieten.

Morpheus
Morpheus griff ursprünglich auf die Dateien des KaZaA Netzwerks zu. Im Zuge des Rechtsstreites mit den Niederländischen Gerichten und Verweigerung des Zugriffs auf die KaZaA-Dateien seitens der KaZaA-Betreiber wechselte Morpheus zum Gnutella-Netzwerk. Erwähnenswert ist bei Morpheus das Chaining: Bei Dateien, die noch nicht vollständig heruntergeladen sind, können Teile von den Dateien auch an andere Benutzer weitergegeben werden.

2. Geschichte von Napster

Shwan Fanning, ein 18-jähriger Student an der Universität in Boston entwickelte 1999 Napster, um mit seinem Freund ihre Lieder, die auf ihren Computern gespeichert waren zu tauschen. Die Fangemeinde von Napster wuchs rasch an, was auch verschiedenen Medien zu verdanken war: Im Jahre 2000 wurden Napster mehrere Preise des amerikanischen Magazin "Wired" verliehen, unter anderen die Preise: "Best Music Site", "Best Innovation Start-up" und "Best Guerilla Marketing".
Im Januar 2001 hatte Napster fast 40 Mio. Nutzer, d.h. Napster war auf ungefähr einem Drittel aller PCs installiert.
Zu dieser Zeit ist aber auch die Musikindustrie auf Napster aufmerksam geworden. Nicht nur die RIAA (Record Industrie Association of America) sondern auch einzelne Bands wie Metallica sahen in Napster einen Grund für ihre sinkenden Einnahmen. Auch die zivile Abteilung des Justizministeriums forderte die Schließung der Tauschbörse. Die Schließung wurde am 27.7.2000 von einem Bezirksgericht beschlossen und muss innerhalb von 2 Tagen vollzogen sein. Alle User versuchen sich noch kurz vor der Schließung Musik runterzuladen; das Napster-Netzwerk bricht fast zusammen. Ein Tag später ruft Napster zum "buy-cott" auf: Napster-Benutzer sollen nur noch die Musiker in den Plattenläden kaufen, die Napster unterstützen. Am 29.7.2000 entscheidet ein Berufungsgericht, dass Napster bleiben darf, bis ein neuer Beschluss vorliegt. Am 3.10. wird der Fall erneut aufgenommen. Das Ergebnis der Verhandlungen wird schließlich im Juli 2001 sichtbar: Napster wird geschlossen.
Die BMG (Bertelsmann Music Group) erklärte sich jedoch bereit, Napster zu übernehmen und als kostenpflichtige Musiktauschbörse für ausgewählte Lieder zu verwenden. Dafür steckte BMG über 85 Mio. Dollar in Napster, gab jedoch Anfang September 2002 bekannt, es doch nicht zu tun. Der Richter vom US-Insolvenzgericht riet nämlich dem Napster-Chef von der Übernahmen durch BMG ab, weil "der Medienkonzern Bertelsmann nicht aus ehrlichen Motiven für das Unternehmen handele." (www.at-web.de/p2p/napster.html) Anfang Dezember 2002 entschied sich jedoch das CD-Software-Unternehmen Roxio bereit, Napster zu übernehmen. Roxio will die genauen Pläne für Napster in einigen Monaten veröffentlichen. Napster wird aber trotzdem nie mehr so beliebt sein, wie damals, weil es nun kostenpflichtig werden wird und die User sich in den letzten eineinhalb Jahren auf andere Tauschbörsen verteilt haben. Napster wird nun langsam und unbemerkt aus dem Internet verschwinden.
Dennoch ist das alte Napster nicht ganz "tot": Es gibt immer noch zahlreiche Tauschbörsen, die eine Weiterentwicklung von Napster sind, aber bis jetzt nie so populär waren wie Napster es damals war, zum Beispiel WinMX oder Madster.

Napster ist bis jetzt die einzige Tauschbörse, deren Geschichte man als (fast) vollständig bezeichnen kann: Von der Gründung am Anfang, über die beste Zeit Anfang 2001, (40 Mio. User) bis zur Übernahme eines Musikherstellers.
Ich denke alle Tauschbörsen werden nach dem selben Schema wie Napster geschlossen und verschwinden schließlich von der Bildfläche. Ansätze hierfür sieht man schon bei Audiogalaxy oder iMesh. Bei diesen beiden Tauschbörsen wurden schon alle Urhebergeschützten Titel gesperrt. 

3. Rechtslage

Der Download von Musik aus Tauschbörsen ist meiner Meinung nach erlaubt. Denn im Urheberrechtgesetz steht, dass es zulässig ist "einzelne Vervielfältigungsstücke eines Werkes zum privaten Gebrauch herzustellen" (§53 Uhrg).Das Gesetz besagt, dass man Kopiene eines geschützten Werkes zum privaten Gebrauch anfertigen darf (zum Beispiel einen Film aus den Fernsehen aufnehmen oder aus dem Radio auf Musikkassette ) Das bedeutet, man darf auch einzelne Lieder sich von der CD eines Freundes auf Kassette überspielen. Dazu muss der Besitzer der Kassette gar nicht Eigentümer der CD sein. Man kann sogar es sich von einer anderen Person kopieren lassen, solange es unendgeldlich gemacht wird. Das darf man aber nur zum privaten Gebrauch, was ja beim Download von Mp3s gegeben ist. Das gilt auch dann, wenn die Person, von der man es kopiert nicht Eigentümer des Musikstückes ist, ansonsten müsste der Gesetzgeber auch hier den Tatbestand der Hehlerei extra erwähnen.

Problematischer verhält sich es mit dem Upload von Musik. Man muss hierbei beachten, ob man das Musikstück nur sich selbst zugänglich macht (zum Beispiel indem man es mit einem Passwort schützt) oder einer breiten Masse zur Verfügung stellt. Wenn man es nur sich selbst zugänglich macht (damit man seine Lieblingslieder in jedem Internetkaffee hören kann) ist es eine Vervielfältigung zum privaten Gebrauch. Man könnte es ja auch (statt auf einen Server zu kopieren) auf eine Kassette aufnehmen.
Wenn man es hingegen einem unüberschaubaren Personenkreis zur Verfügung stellt macht man sich nach §106 UhrG strafbar.
Bei Tauschbörsen wie Napster, KaZaA, oder Gnutella ist es theoretisch uninteressant, ob sich die Tauschbörse strafbar macht, da sie vor Gericht angeben können, nur eine Internettechnologie zu sein, was auch Napster getan hat. Entscheidend ist jedoch, wie sich der einzelne Nutzer strafbar macht: Da er ein urheberrechtlich geschütztes Musikwerk einem unüberschaubaren Personenkreis mit dem Ziel der Verbreitung zur Verfügung stellt, macht er sich strafbar.
Tauschbörsen sichern sich deshalb gegen jegliche Vorwürfe ab, indem sie die Schuld auf die Benutzer (die ja auch die eigentlichen Schuldigen sind) verschiebt. KaZaA schreibt z.B.:
"Sharman Networks Ltd entschuldigt keine Aktivitäten und Taten, die die Rechte von Urheberrechtseigentümern verletzen. Als Kazaa Media Desktop Benutzer haben Sie sich mit dem Endbenutzer-Lizenzabkommen einverstanden erklärt, und es obliegt Ihnen, sämtliche in jedem einzelnen Land geltenden Urheberrechtsgesetze zu befolgen." (KaZaA Media Desktop)
Nun ist es unklar, welches Recht gilt, wenn man runtergeladene Dateien zur Verfügung stellt, da man ja eigentlich davon ausgehen kann das die Vervielfältigung keine Urheberrechte verletzt, aber man die Musik einem unüberschaubaren Personenkreis zur Verfügung stellt.
Hier würde ich empfehlen, einfach keine Dateien zum Tausch freizugeben, da zum einen die Rechtslage unsicher ist, zum andern die Internetverbindung belastet wird.

Allerdings ist derzeit ein neues -europäisches- Urheberrechtgesetz in Planung, wo besonders auch das Internet als Verbreitungsmedium -zu Gunsten der Musikindustrie- berücksichtigt wird. 

4. Nutzen der Betreiber

Der Nutzen für die Anwender ist leicht erkennbar: Sie können umsonst an Musik kommen.
Doch was ist der Nutzen für die Betreiber der Tauschbörse, aus welchen Grund geben sie Geld für die Entwicklung der Tauschbörsen aus? Der häufigste Grund dafür ist, dass die Investitionen sich durch Adware und Spyware schnell amortisieren. Im Folgenden will ich die Begriffe Ad- und Spyware näher erläutern:
Adware ist Werbung durch eingeblendete Banner. Die Betreiberfirma schreibt dazu andere Firmen an, ob sie gegen eine Gebühr ihre Banner einblenden lassen soll. Die Höhe der Gebühr lässt sich erahnen, wenn man bedenkt dass eine Anzeige in einer Schülerzeitung um die 100€ kostet und nur ca. 500 Schüler erreicht, hingegen ein Werbebanner bei einer Tauschbörse ca. 5 Mio. Menschen erreicht.
Spyware ist eine Software, die das Verhalten der Benutzer herausfindet (Die Webseiten, auf die er geht, die Lieder, die er sich herunterläd) und z.B. für demographische Zwecke gebraucht. Als Beispiel für beide Möglichkeiten, Geld zu verdienen nenne ich hier -ich habe weiter oben schon Bezug darauf genommen- KaZaA. Bei der Installation von KaZaA wird zusätzlich das Programm Cydoor installiert. Es beobachtet das Verhalten des Anwenders und verwendet es für demographische Zwecke weiter. Zusätzlich werden -solange das Programm KaZaA auf dem Rechner Aktiv ist, Bannerwerbungen eingeblendet. Was aber meiner Meinung nach die größte Einnahme Quelle für Sharman Networks ist, ist die Software Altnet. Diese Software wird zusammen mit KaZaA installiert und nützt die unbenutzte Rechenleistung aller Computer für die Zwecke von Brilliant Digital Entertainment (BDE). So können -was auch für wissenschaftliche Forschungen verwendet wird- alle Computer über das Internet zu einem großen Rechner vereinigt werden. Das aber wird erst durch zwei Vorraussetzungen rentabel: Die meisten neueren PCs sind für normale Büroanwendung zu leistungsstark. Über die Hälfte der zur Verfügung stehender Rechenkapazität ist ungenutzt. Zum anderen ist das Internet durch ISDN und DSL schnell genug, dass nicht die Daten zu sehr durch langsame Internetverbindungen gebremst werden. Die Existenz von Altnet ist -trotz anfänglichen Dementi- am 1. April 2002 durch BDE bestätigt worden. Dennoch ist KaZaA unumstritten die beliebteste Tauschbörse. Wie kann das sein? Kazaa ist nämlich auch in einer abgespeckten Version, die nicht von den KaZaA-Betreibern stammt erhältlich, nämlich K++ (vor 1.1.2003 KaZaA Lite). Diese Version ist absolut frei von Spyware und auch die Adware lässt sich abschalten. Dass Sharman Networks, die Betreiber von KaZaA nicht hinter dieser Idee stehen ist leicht verständlich.

5. Reaktion der Musikindustrie

Die Reaktionen der Musikindustrie auf die Tauschbörsen kann man in drei Gruppen gliedern:
Aktionen, die verhindern, dass Lieder überhaupt die Tauschbörse erreichen, Aktionen, die gegen die Tauschbörse gerichtet sind und Aktionen, die die Nutzer beeinflussen.
Zuerst einmal muss sich die Musikindustrie fragen, wie eigentlich die Lieder zu den Tauschbörsen kommen können. Die Antwort ist einfach: Wenige Benutzer kaufen sich die CDs und kopieren dann die Lieder in ein Verzeichnis, das zum Download freigegeben ist. Die Reaktion der Musikindustrie darauf kann man zum Beispiel bei der Sony Music Entertainment GmbH sehen: Die meisten CDs dieser Firma kann man nicht mehr am Computer abspielen, da absichtlich Brennfehler gemacht wurden, die nur der Computer erkennt und somit die CD nicht abspielt. Die Nachteile machen sich hierbei in zweifacher Hinsicht bemerkbar: Zum einen können die CDs nicht nur am Computer nicht abgespielt werden, sondern auch auf einigen anderen CD-Playern, zum anderen kann dieser Schutz umgangen werden, indem man einen CD-Player mit dem Computer verbindet, die CD abspielt und am Computer aufnimmt.
Gegen die Tauschbörsen kann man nur über den Rechtsweg vorgehen: Wie Napster hatten bis jetzt fast alle Musiktauschbörsen eine Klage von der RIAA oder anderen Musikunternehmen. Die Tauschbörsen versuchen natürlich dagegenzuhalten. Ein Beispiel dafür ist die ziemlich unbekannte Tauschbörse Scour Exchange. Scour Exchange wurde wegen Urheberrechtsverletzung unter anderen von der RIAA angeklagt. Die Tauschbörse nahm drei Topanwälte aus den Bereichen Internetrecht und Urheberrecht. Die Firma übernahm sich aber damit und musste drei Wochen nach der Klage wegen finanziellen Schwierigkeiten ihren Dienst einstellen, ehe eine Einigung vor Gericht erreicht werden konnte. An diesem Beispiel wir der größte Nachteil des Rechtsweges deutlich: Die Kosten. Ein anderer Nachteil ist das Risiko, das jede Verhandlung mit sich bringt, denn wenn die Tauschbörse Recht bekommt, können sich andere Tauschbörsen auf dieses Urteil berufen.
Die letzte Möglichkeit der Musikindustrie gegen die Tauschbörsen vorzugehen ist sehr weit gefächert: Die Musikindustrie versucht die Benutzer von der Tauschbörse "wegzuekeln" indem sie Viren und Dummy-Dateien in Umlauf bringt. Ein Beispiel für Viren ist der Benjamin-Virus, der speziell auf die Tauschbörse KaZaA zugeschnitten ist. Er soll Raubkopien stoppen. Die Verbreitung von Viren zum verhindern von Raubkopien ist absolut ungeeignet, weil zum einen die rechtliche Grundlage fehlt und es außerdem in diesem Fall schon einen Tag später das entsprechende Antivirenprogramm gab. Dummy-Dateien sind Lieder, die auf den ersten Blick normal aussehen. Nach dem Download, wenn der Benutzer sich das Lied zum ersten Mal anhört, muss er aber feststellen, dass entweder die Klangqualität des Liedes absolut schlecht ist, über die Hälfte des Liedes herausgeschnitten ist, oder es sich gar um ein komplett anders Lied handelt. Diese Möglichkeit ist meiner Ansicht nach gut, aber in den neueren Versionen der Tauschbörsen-Clients sind die sogenannten Hash-Werte eingebaut, an denen sich feststellen lässt, ob die Datei manipuliert wurde. Eine weitere Möglichkeit, die sich in der Praxis aber noch nicht bewährt hat, ist, dass Musikfirmen Tauschbörsen aufkaufen und bestimmen, welche Lieder zur Verfügung stehen. Einen ersten Versuch in diese Richtung hat BMG gemacht; der Versuch mit dem Strom zu schwimmen und ihn seinen Vorstellungen anzupassen ist aber gescheitert. Eine neue Methode hat die dänische "Anti Pirat Group" (APG) benutzt: Sie beobachtete User mit dänischer IP-Adresse und lies sich von deren Providern die Nutzungsdaten geben. Sie verlangten pro Film ca. 60$ und pro heruntergeladenes Album ca. 16$ Wer nicht bezahlt wird vor Gericht gebracht. Diese Methode ist sehr abschreckend für die Dänischen Benutzer, denn sie ist effektiv und jeder kann zur Zahlung aufgefordert werden. Der einzige Nachteil ist, dass diese Methode nicht die breite Masse trifft und nahe an Erpressung kommt.
Jedoch nützen alle diese Methoden den Tauschbörsen eher, als dass sie ihnen Schaden. Das sah man zum Beispiel, als Napster geschlossen werden sollte: Napster wurde in den Medien genannt und die Mitgliederzahl der Tauschbörse wuchs durch die permanente Vertreung in den Medien nochmals rapide an. Napster hat auch gezeigt, dass es sinnlos ist Tauschbörsen zu schließen, da es jetzt immer noch Tauschbörsen gibt: Für jede Tauschbörse, die geschlossen wird, entstehen zehn andere.
Anstatt gegen die Tauschbörsen zu arbeiten, sollte die Musikindustrie besser versuchen, die Tauschbörsen als notwendiges Übel anzuerkennen. 

6. Fazit

Die Tauschbörsen haben das Kaufverhalten der Leuten stark beeinflusst. Es wird nur noch gekauft, was wirklich gefällt. Man lädt sich, wenn man eine Musikgruppe empfohlen bekommt, erst die Lieder der Band runter und hört sie sich an. Wenn sie einem wirklich gefällt, werden die CDs gekauft. Das belegen auch Studien wie die der Digital Media Association oder die der State University of New York oder der Connecticut University: Der Konsument kauft nicht blind die neusten Alben der Superstars, sondern hören sich die Lieder erst an. Einige behaupten auch, dass die Tauschbörsen der Musikindustrie nutzten. Das ist aber nur teilweise richtig, weil diese Leute automatisch davon ausgehen, dass keine Alben gebrannt statt gekauft werden. Was aber richtig ist, ist, dass durch die Tauschbörsen die verschiedenen Gruppen bekannter werden.

7. Quellen

http://shopping.t-online.de/comp/aktu/nach/ar/CP/ar-kazaa-tausch.html
http://www.nicola-doering.de/teaching/musik-im-netz_2002.pdf
http://www.heute.t-online.de/ZDFheute/artikel/0,1367,COMP-0-180705,00.html
http://computer.t-online.de/comp/sich/vire/ar/CP/ar-kazaa-virus-altnet.html
http://www.heise.de/newsticker/data/cgl-04.04.02-000/
http://www.recht-der-homepage.de/mp3.html
http://www.schnellsuche.de/edonkey/kazaa_edonkey_napster_morpheus_edonkey2000/napster_edonkey_morpheus.htm
http://www.at-web.de/p2p/
http://www.gema.de/urheberrecht/urhg/urheberrechtsgesetz_teil1.shtml
http://www.gema.de/urheberrecht/urhg/urheberrechtsgesetz_teil4.shtml
http://www.uni-weimar.de/medien/management/sites/ws0102/popsong/popsong_content/herausforderung/referatnapsterua.swf
http://www.nicola-doering.de/teaching/musik-im-netz_2002.pdf
http://www.chili-delicious.com/Seiten/021022music/tausch.html
http://www.boell.de/downloads/zukunftsgruen/zg4krempl.pdf
 
 
 

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